13.03.2016, 11:16 Uhr

Nicht nur der Tradition verpflichtet

Klaus Farbemacher fühlt sich wohl unter seinen vielen Hexen.

Der Larvenschnitzer Klaus Farbmacher hält sehr viel auf Tradition und alte Werte, er ist aber auch Modernem gegenüber aufgeschlossen.

Klaus Farbmacher aus Sistrans hat ein bewegtes Leben hinter sich. Da ihm sein Brotberuf schon früh die Möglichkeit bot, im nordischen Schizirkus aktiv mitzumischen, brachte es der rastlose Sportler durch fleißiges Training und zahlreiche internationale Wettkampfeinsätze bis zur Olympiateilnahme 1976 im Biathlon. „Schon damals habe ich in den Regenerationspausen meine Liebe zum Schnitzen und zum Werkstoff Holz entdeckt“, so der rüstige Retner mit einem Seitenhieb auf die heutige Professionalisierung im Sport.

My home iss my Werkstatt

Der ehemalige Polizist hat sich im Keller seines Hauses in Sistrans eine Werkstatt eingerichtet, in der er seinem Hobby, dem Larvenschnitzen nach Lust und Laune fröhnen kann. Seine Werkstücke sind vor allem bei den Brauchtumsgruppen der Region heiß begehrt, und seine Kunstfertigkeit hat sich bereits weit über die Grenzen Tirols herumgesprochen. So fertigte er beispielsweise für den Bayern Fredy Hampel jedes Jahr eine Larve für dessen Krampusgruppe unter dem Motto „Die Sünden der Menschheit“ an. In den Wintermonaten verbringt Farbmacher rund 20 Wochenstunden in seiner Werkstatt, wo er überwiegend Larven für das Faschingsbrauchtum schnitzt. „Ich arbeite ausschließlich mit Zirbenholz, welches nach 1-2jähriger Lagerung die ideale Härte für die Bearbeitung hat“, so der Holzspezialist. „Äste vermeide ich nach Möglichkeit, da diese auch noch Jahre nach der Schlägerung im Holz weiterarbeiten.“ Auch bei seinen größeren Werkstücken achtet er sehr darauf, dass das Kern- und Splintholz restlos entfernt ist.

Traditionelle Werte bei der Larvenschnitzerei

„Ich halte die Traditionen des Tiroler Faschingsbrauchtums hoch und kenne die Vorlieben, Farben und Formen in den einzelnen Dörfern.“ Das macht es ihm leicht, die Grundform und Details seiner Larven aus dem Holz herauszuarbeiten. Für diffizilere Arbeiten zieht er aber auch mal seine Mustermappe zu Hilfe, in der figürliche Anregungen und genaue Angaben über Schnitttiefe und Anstellwinkel penibel eingetragen sind. Farbmacher ist ein vehementer Gegner der Amerikanisierung, weil diese beispielsweise in Form der Halloweenbesuche die über Jahrhunderte gewachsene Tradition in Tirol verwässere. „Ich achte sehr auf eine traditionelle Ausführung meiner Werkstücke, denn auch diese bietet ausreichend Spielraum für Kreativität und Phantasie“, so Farbmacher.

Alternative Ansätze in der Krippenschnitzerei

Anders hält er es hingegen mit der Krippenschnitzerei, wo er auch mal zu modernen LED-Leuchten greift, um eine kugelig ausgeführte Krippe von innen in einem ungewohnten Licht erstrahlen zu lassen. „Von den Krippenfiguren lasse ich allerdings die Hände, da arbeiten andere besser als ich“, so die selbstkritische Einschätzung des Sistransers. „Aber bei den Krippen als Gesamtensemble lasse ich mir gerne mal etwas Neues einfallen.“ Im Geheimen spekuliert Farbmacher aber doch ein wenig auf mehr, können sich doch seine Tiere, insbesondere die Schafe sehr gut sehen lassen. Es warten also noch jede Menge Herausforderungen für den rüstigen Rentner, der sich nach einem arbeitsreichen Winter schon wieder aufs Berggehen mit seiner Frau Mathilde freut.
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