08.04.2017, 10:18 Uhr

Vom Produzenten zum Konsumenten

Der Weberhof ist ein reiner Familienbetrieb: Magdalena, Walter und Monika Mair.

Eine nachhaltige Alternative zur kriselnden Milchwirtschaft zeigt die Familie Mair mit ihrem Konzept der Direktvermarktung am Weberhof in Mils vor.

„Wir wollten einfach keine Bittsteller mehr sein“, so fasst Landwirt Walter Mair seine Abkehr von der traditionellen Form der Milchwirtschaft zusammen. Wie so viele landwirtschaftliche Betriebe hat auch die Familie Mair jahrzehntelang eine kosten- und geräteintensive Gründlandwirtschaft betrieben, bei der der einst so stolze Bauernstand immer mehr zum Subventionsempfänger aus Brüssel verkommen ist. „Als der Preis für den Liter Milch endgültig im Keller war, suchte wir nach einer Alternative, die dem ursprünglichen Bild eines von den Produkten der Natur lebenden Bauernstandes mehr entsprach“, erklärt Walter Mair.

Regionale Produkte

Die oft beschwerlichen Auflagen eines Biobetriebes vermeidend ist er mit seiner Familie an den Milser Ortsrand verzogen und hat dort die zur Verfügung stehende Fläche genutzt, um den Weberhof großzügig auszubauen und rundherum ausreichend Stall-, Weide- und Freilaufflächen für seine mittlerweile 120 Stück Vieh (davon 60 Milchkühe) und 700 Hühner zu schaffen. Ein Großteil der produzierten Milch wird für die hauseigene Produktion von Joghurt, Topfen und Frischkäse verwendet; ein anderer Teil wird direkt ab Hof verkauft. Jeden Freitag gibt es einen Bauernmarkt, bei dem seine Tochter Magdalena neben den hauseigenen Produkten auch Obst, Gemüse, Wurstwaren und Schnaps von Produzenten aus der Region anbietet. Ihre Spezialität ist das selbstgebackene Brot nach dem Rezept ihrer Großmutter, welches von den Kunden besonders gut angenommen wird. In dem Familienbetrieb helfen vom Altbauer bis zu den vier Kindern alle mit. „Das braucht es auch, um den Laden ordentlich in Schwung zu halten,“ meint Walter Mair, der aber auf keinen Fall expandieren möchte. „Ich möchte den Betrieb in dieser Größe beibehalten, so dass alle Familienmitglieder hier ihre Arbeit finden und wir alle zusammen am Sonntag auch mal abschalten und unbeschwert in die Berge gehen können“.

Moderner Vertrieb

Um den Kundenwünschen auch an den restlichen Tagen Rechnung tragen zu können, hat die Familie Mair am Weberhof mehrere Selbstbedienungsautomaten aufgestellt, aus denen 24 Stunden am Tag Milchprodukte, Eier, Nudeln und Liköre bezogen werden können. „Neben dem Ab Hof-Verkauf beliefern wir auch einige Großküchen in der Region, wie zum Beispiel die Haller Altersheime oder auch einige Gasthäuser wie den Reschenhof in Mils mit unseren Produkten“, so Walter Mair. Er und seine Familie haben sich mit der Rückbesinnung auf traditionelle Werte und das Wissen über eine sich an den regionalen Gegebenheiten und den Jahreszeiten orientierenden Landwirtschaft eine Marktlücke erschlossen, die auch eine Existenz abseits der subventionsgestützten Milchwirtschaft ermöglicht: „Um den Bauernstand seine Wertschätzung nicht nur in Worten, sondern auch in Taten auszudrücken, muss sich vor allem der Handel wieder auf die Qualität regionaler Produkte besinnen und diesen Mehrwert auch preislich mitttragen, anstatt sich immer nur an den Billig- bzw. Großanbietern zu orientieren“, macht Walter Mair seinem Ärger über die ausschließlich preisorientierte Handelspolitik der meisten Lebensmittelketten Luft. „Dann brauchen auch wir Bauern nicht mehr nach dem Diktat aus Brüssel zu produzieren und die Förderungen können gezielt in Regionen umgeleitet werden, die es wirklich nötig haben, wie zum Beispiel den Bergbauern“, so Mair abschließend.
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