Angewandte will Zerfall der Heidel-Skulpturen stoppen

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LANGENZERSDORF / WIEN. Studierende und Lehrpersonal des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Wiener Universität für angewandte Kunst haben im Skulpturengarten des LEMU mit der Restaurierung von Skulpturen des Wiener Bildhauers Alois Heidel begonnen.
Abgebrochene Teile der Kunstwerke wurden bereits wieder fixiert. Nun soll über den Winter geklärt werden, welche Art von Wintereinhausungen otpimal geeignet sind, die Tierdarstellungen und Prismenfiguren dauerhaft gegen Schäden durch Witterungseinflüsse in der kalten Jahreszeit zu schützen.
Musterrestaurierungen im Zuge einer Diplomarbeit und eines Vordiploms von Studierenden sind in das Projekt integriert und liefern wichtige konservierungswissenschaftliche Erkenntnisse.

Tiere & Prismen

Der Pelikan, die Ziege, Prisemfiguren oder Lichtspiel: Skulpturen Heidels (1915 - 1990) sind charakteristische Merkmale zahlreicher kommunaler Wohnbauten Wiens der 1950er, 60er und 70er Jahre.
Das Langenzersdorf Museum präsentiert zahlreiche Werke des aus Wien stammenden Künstlers in seinem Skulpturengarten. Es sind dies Tierdarstellungen und die in Heidels Schaffen später aufkommenden Prismenformen, insgesamt 18 Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien und verschiedenen Fertigungstechniken.
Die mittlerweile notgesicherten Werke umfassen zwei Skulpturen aus Naturstein, einige Ziegelsteinplastiken und mehrere Kunststeinplastiken.

Gefahr im Verzug

Alois Heidel studierte bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste Bildhauerei. Dem LEMU übergab Heidel 1988 zahlreiche seiner Werke als Dauerleihgabe. Obwohl der Künstler in einem Brief an das Museum ausdrücklich darauf hinweist, dass alle Werke für die Ausstellung im Außenbereich geeignet sind, haben über die Jahre Regen, Sonne und vor allem Schnee deutliche Spuren an den Skulpturen hinterlassen. Um den Zerfall aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, ist die restauratorische Behandlung der Skulpturen unerlässlich.

Notmaßnahmen bereits erfolgt

Studierende und Lehrende des Fachbereichs Stein des Institutes für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien, unter Anleitung der Universitätsassistentinnen Marija Milcin und Susanne Sandner, haben daher bereits im Oktober mit ersten Maßnahmen zur Rettung der Heidel-Skulpturen begonnen.
Nach der durchgeführten Bestandsaufnahme wurden lose Teile wieder fixiert oder gekelbt. "Neben sofortigen Notmaßnahmen ist es wichtig, eine dauerhafte Lösung zum Schutz der Skulpturen, künstlerische Zeugnisse aus der Zeit des Wiederaufbaus Österreichs, zu eruieren", erklärt Institutsleiterin Gabriela Krist. "Wir setzen auf das altbewährte Konzept der Wintereinhausung und erforschen für das LEMU die optimale Variante."

Froh über die professionelle Hilfe ist Museumsleiter Gregor-Anatol Bockstefl: "Der Skulpturengarten des LEMU – einer der wenigen seiner Art in Niederösterreich – ist integrierender Bestandteil des Museums, hat für die Besucher eine große Attraktivität udn Anziehungskraft und trägt maßgeblich zum Selbstverständnis des Museums als Ort für die Präsentation und Vermittlung von Skulptur bei. Die Konservierung und Restaurierung der durch die wechselnden Witterungsverhältnisse arg in Mitleidenschaft gezogenen Heidel-Skulpturen ist daher ein lang gehegtes Desiderat. Es freut mich sehr, dass die Restaurierungsklasse der Wiener Angewandten als fachkundiger Kooperationspartner gewonnen werden konnte."

Wintereinhausungen sollen erprobt werden
Lehrende und Studierende starteten deshalb mit der Entwicklung eines Systems für Wintereinhausungen. Diese früher für Skulpturen übliche Schutzmaßnahme geriet lange in Vergessenheit und wurde in den vergangenen zehn Jahren von den Konservierungswissenschaften wieder aufgegriffen. Ziel ist es, die Objekte im Winter vor direktem Wasser- und Schneeeintrag zu schützen und damit Schäden durch den Frost-Tau-Wechsel vorzubeugen.
Um für den Langenzersdorfer Museumsgarten ein passendes System zu eruieren, wurden zwei Modell-Einhausungen gebaut: Eine traditionelle Holzeinhausung und eine moderne "Softwrap"-Variante aus dem dampfdurchlässigen aber wasserabweisenden "Geotexil" Tyvek – ein Vliesstoff aus Polyehylen mit hoher Dichte.
Über den kommenden Winter werden die Restauratoren unter anderem Klimadaten innerhalb und außerhalb der Einhausungen sammeln, um dann das optimale System für das LEMU festzulegen.

Eine Diplomarbeit, die in das Projekt integriert ist, behandelt die Kunststeinplastik. Mit dieser Forschungsarbeit sollen das Konzept und die Methoden für die Restaurierung aller Kunststeinplastiken im Garten geklärt und an Hand einer plychromen, also farblich gefassten sowie einer kunststeinsichtigen Figur definiert werden. Die zwei ausgesuchten Objekte werden musterrestauriert. Ein Vordiplom soll dann ab Frühjahr 2018 die restauratorische Vorgehensweise für die Ziegelsteinplastiken von Alois Heidel kären.

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