Lingvano: Gebärden online erlernen

Atilla Gümüssuyu und Nicolas Molcik arbeiten weiter an der Verbesserung der Gebärdensprache-Plattform. (v.l.)
  • Atilla Gümüssuyu und Nicolas Molcik arbeiten weiter an der Verbesserung der Gebärdensprache-Plattform. (v.l.)
  • Foto: Lingvano
  • hochgeladen von Yvonne Brandstetter

LANDSTRASSE. Atilla Gümüssuyu ist von Geburt an gehörlos - die Gebärdensprache ist seine Muttersprache. Mit Mitmenschen zu kommunizieren fällt oft schwer. Gemeinsam mit Nicolas Molcik und Matthias Fischer hatte er deshalb die Idee, die Welt der Gebärdensprache der Allgemeinheit näher zu bringen.

Übungsvideos und Quiz

"Lingvano" heißt das Projekt der drei Jungs, ist kostengünstig, einfach und effektiv. Für eine einmalige Zahlung von 49 Euro stehen einem zahlreiche Übungsvideos, Quiz und noch viel mehr zur Verfügung. Der Name setzt sich aus den Begriffen "lingvo", also Sprache auf Esperanto, und "mano" (= Hand auf Esperanto) zusammen.

Doch wie kommt man eigentlich auf diese Idee? "Ich war während meines Zivildienstes in Kontakt mit Gehörlosen und habe begonnen, mich für Gebärdensprache zu interessieren", erzählt Co-Founder Nicolas Molcik. "Mir ist aufgefallen, dass man alle möglichen exotischen Sprachen online lernen kann - die Gebärdensprache aber eben nicht." Der 22-Jährige lernte während des Studiums seine jetzigen Kollegen kennen. Man merkte sofort, dass es Gemeinsamkeiten gibt - und setzte die Idee schließlich in die Tat um. 

"Habe eine 80 Stunden Woche"

Jeder der drei Gründer hat seinen eigenen Arbeitsbereich. Während Molcik sich um das Online-Marketing kümmert, beschäftigt sich Fischer mit dem Programmieren und Gümüssuyu ist selbstverständlich für die Videos zuständig. Der Firmensitz ist in der Grasbergergasse, für die Videos wird mit professionellem Material gearbeitet. "Derzeit habe ich eine 80-Stunden-Woche", lacht Molcik.

Überwältigendes Feedback

Das Angebot von "Lingvano" ist auf Anfänger ausgerichtet, Vorkenntnisse sind keine nötig, um es zu nutzen. Es handelt sich um interaktive Videos: Eine Gebärde wird zwei Mal vorgezeigt, dann kann sie nachgemacht werden. Dazu werden noch allgemeine Fragen geklärt, wie zum Beispiel: Mit welcher Hand gebärde ich eigentlich? Zum Überprüfen benutzt man das Quiz.

"Es ist wichtig, dass man auch selbst reflektieren kann, wo man steht", erklärt Molcik. Das bisherige Feedback ist überwältigend. "Durch Mundpropaganda hat sich viel entwickelt. Es ist eine Eigendynamik entstanden", sagt der ehemalige Zivildiener.

Stück für Stück wird nun weiter am Programm getüftelt. "Wir wollen weiter am Projekt arbeiten, um Hörende mit Gehörlosen zu verbinden", sagt Molcik. Dabei sind die Jungs auch mit vielen Schicksalen konfrontiert. Besonders schockiert war man darüber, dass viele engste Familienmitglieder von Gehörlosen die Gebärdensprache nicht beherrschen. Es fehlt an Zeit und Geld. "Lingvano" soll hier Abhilfe schaffen. "Es ist wesentlich billiger als herkömmliche Kurse und man ist zeitlich sehr flexibel - es funktioniert schließlich auch am Handy oder Tablet", erklärt Mitbegründer Molcik.

Weitere Infos über Lingvano auf der Homepage oder auf Facebook.

Autor:

Yvonne Brandstetter aus Penzing

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