Evangelische Pfarrerin geht in Pension
Ihr Gottes Dienst geht zu Ende
- Gabriele Lang-Czedik hat ihren Talar an den Nagel gehängt. Was erklärt, warum sie beim Fototermin in der Kirche Zivil trägt.
- Foto: Berger
- hochgeladen von Ernst Georg Berger
20 Jahre lang war Gabriele Lang-Czedik evangelische Pfarrerin in Liesing. Nun geht sie in Pension.
LIESING. Gottes Wege sind fürwahr unergründlich. Anders wäre der Lebensweg von Gabriele Lang-Czedik kaum zu erklären. Die in Rodaun aufgewachsene Tochter des 23. Bezirks entstammt einem gutbürgerlichen aber vor allem naturwissenschaftlich orientierten Elternhaus. Ihre Mutter war Mathematikerin, ihr Vater Chemiker und beide waren von dem Berufswunsch ihres Sprösslings eher entsetzt. Pfarrerin wollte sie werden. Und wurde es.
"Mit dem Liesinger Pfarrer Preyer hatte ich einen Religionslehrer, der mich beeindruckt hat. Er hat mir den Glauben als etwas Befreiendes vermittelt. Ich wollte sowieso immer einen sozialen Beruf ergreifen und was gibt es Sozialeres als Pfarrerin? Da bin ich für alle da", erzählt sie.
Viele Veränderungen
3.500 Schäfchen zählt ihre Gemeinde und sie sind von ihrer Hirtin begeistert. Schon in ihren Anfängen wusste sie zu überzeugen. Zumal sie ihr Amt ausgerechnet im Herbst 1999 antrat. Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, dass damals die Millenniums-Hysterie herrschte und viele den Weltuntergang befürchteten. Nicht so die frisch ernannte Pfarrerin. "Ich habe gesagt: Wir lassen uns nur von Hoffnung und Zuversicht leiten." Sie behielt recht und wie wir wissen – die Welt gibt es immer noch.
Sie dient Gott, aber sie kennt die Menschen. "Eine meiner ersten Amtshandlungen war es, den sonntäglichen Gottesdienst von 9 Uhr auf 10 Uhr zu verschieben. Die Zahl der Besucher stieg deutlich." Dem Rechnung tragend hat sie mit ihrem Team dafür gesorgt, dass sich die Besucher im Haus Gottes noch wohler fühlen. Seit dem Umbau 2016 nennt man die Johanneskirche den "Lichtraum".
Ihre Beliebtheit lässt sich wohl am ehesten daran erkennen, dass ihr bis zu 200 ehrenamtliche Helfer zur Seite stehen. Und das, obwohl ihre Entscheidungen durchaus umstritten sein könnten. So hat sie nie einen Hehl daraus gemacht, dass in ihrer Kirche auch gleichgeschlechtliche Paare willkommen sind. "Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott", zitiert sie aus dem ersten Johannesbrief und sagt: "wenn sich Menschen lieben, segne ich sie. Die evangelische Kirche ist für die Gleichberechtigung bei Liebenden."
Voller Einsatz
Ihr Engagement in der Flüchtlingskrise gab ihr anfänglich zu denken. "Ich habe gedacht, meine Gemeinde wird mir einen Baum aufstellen", befürchtete sie, wurde aber positiv überrascht. Die Flüchtlinge wurden in Liesing herzlich aufgenommen und bis heute werden hier rund 30 verfolgte Christen aus dem Nahen Osten betreut.
Nun will sie sich vermehrt ihrer Familie widmen. "Meine Enkerl fragen immer: Omi, wann hast du Zeit für uns?" Jetzt hat sie sich diese genommen und geht in Pension. Ihre Nachfolgerin ist Helene Lechner. Da sie gerade ein Kind erwartet, wird bis zum Ende ihrer Karenz Margit Leuthold als Vertretung einspringen. Gottes Wege sind eben unergründlich.
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