Schwerpunkt Gesundheit
Hat Liesing genug Hausärzte?

Der Bedarf an Allgemeinmedizinern mit Kassenplätzen steigt in Liesing auch, weil der Bezirk wächst.
  • Der Bedarf an Allgemeinmedizinern mit Kassenplätzen steigt in Liesing auch, weil der Bezirk wächst.
  • Foto: MEV Verlag GmbH/Symbolbild
  • hochgeladen von Elisabeth Schwenter

Ob es in den nächsten Jahren genug Allgemeinmediziner mit Kassenverträgen geben wird, ist fraglich.

LIESING. Bevölkerungswachstum und Pensionierungswelle: Diese Schlagworte dominieren zurzeit die Debatte um die Gesundheitsversorgung in Wien. Im kommenden Jahr werden einige Ärzte in Pension gehen. In den nächsten zehn Jahren, so die besorgniserregende Prognose von Susanna Michalek, Hausärztin in Liesing, wird mehr als die Hälfte der derzeit niedergelassenen Allgemeinmediziner in Wien in den Ruhestand treten. In Wien gibt es 731 Allgemeinmediziner mit Kassenverträgen der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). Das sind 35 Stellen weniger als noch vor fünf Jahren. Bleibt die Frage: Können die Stellen nachbesetzt werden und wird die Wiener Bevölkerung auch weiterhin versorgt sein? Die bz hat sich bei den Allgemeinmedizinern in Liesing umgehört.

Liesings Bevölkerung wächst - Der Bedarf an Hausärzten steigt

Die Ordination von Susanna Michalek in der Breitenfurter Straße nimmt derzeit keine neuen Patienten auf. "Der Bedarf an Kassenärzten ist in Wien grundsätzlich gegeben und in einigen Bezirken eklatant", so Michalek. "Das liegt daran, dass die Wiener Bevölkerung seit Jahren zunimmt, die Anzahl der niedergelassenen Kassenärzte jedoch zurückgeht." Die Politik sei gefragt, die Bedingungen für Kassenärzte attraktiver zu machen.

Maria Müllner wird Ende des Jahres ihre Ordinationstätigkeit beenden. Sie schildert die Probleme, die Kassenärzte bei der Vergabe ihrer Ordinationen haben: "In Wien ist es so, dass der Inhaber einer Kassenpraxis keine Möglichkeit hat, die Nachfolge selbst zu regeln. Die Vergabe der Nachfolge erfolgt nach einem Ausschreibungsverfahren und komplizierten Reihungskriterien mit umständlichen Prüfverfahren und zieht sich daher viele Monate lang dahin", so Müllner. Beim Eröffnen einer Wahlarztpraxis gebe es diese bürokratischen Hürden und viele andere Auflagen nicht.

Auch Karin Kroboth-Svoboda, Hausärztin in Alterlaa, nimmt derzeit keine neuen Patienten auf. Ihr Praxis ist überfüllt. "Der Bedarf an Allgemeinmedizinern mit allen Kassen ist in meinem Bezirk groß. Viele Patienten, die ihren Hausarzt verloren haben, suchen nach einem Ersatz", so die Ärztin. Andererseits würden Kollegen, die ihre Praxis gerne übergeben und ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen, mitunter ein bis zwei Jahre lang warten müssen, bis ein Jungmediziner gefunden wird.

Versorgung durch WGKK gesichert?

Der aktuelle Rückgang an Allgemeinmedizinern liege, so Silvia Jirsa von der Wiener Gebietskrankenkasse, an der Umsetzung des regionalen Strukturplans, aber auch daran, dass einige Planstellen nicht nachbesetzt werden konnten. Diese Stellen wollte offenbar niemand übernehmen. "Um Nachbesetzungsschwierigkeiten in den Fächern Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde zu verhindern, gibt es in diesen beiden Fachgebieten Ausnahmen von der gesetzlichen Altersgrenze", erklärt Jirsa. Das bedeutet: Hier müssen Ärzte nicht mit 70 Jahren ihre Praxis und ihren Vertrag abgeben, sondern dürfen länger ordinieren.

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