03.10.2017, 09:34 Uhr

Kinder und Senioren unter einem Dach

Alle drei profitieren: Die Kinder Jakob und Katharina verbringen Zeit mit der Seniorin Waltraut Lahner. (Foto: KIWI)

Der Caritas-Betriebskindergarten und das Seniorenheim St. Barbara am Erlaaer Platz setzen auf generationenübergreifende Arbeit. Kinder und Senioren verbringen gemeinsam Zeit.

LIESING. “Wie alt bist du eigentlich?“, fragt der kleine Florian neugierig eine der Seniorinnen, die bei ihm in der Kindergartengruppe zu Besuch ist. „87“, antwortet Waltraut Lahner. „Meine Oma ist 91 und lebt immer noch“, entgegnet Florian.

Er ist eines von 60 Kindern zwischen 1–6 Jahren, die den Betriebskindergarten der Caritas am Erlaaer Platz besuchen. „Kinder im Seniorenheim“ lautet das Motto in Liesing seit September 2012 – der von KIWI (Kinder in Wien) betriebene Kindergarten liegt direkt am Areal des Pensionistenwohnheims St. Barbara. Die drei Kindergruppen treffen regelmäßig mit den rund 250 Frauen und Männern aus dem Seniorenheim zusammen, und davon scheint jeder zu profitieren. Begegnungen zwischen Jung und Alt passieren hier spontan und ungezwungen, wie im gemeinsamen Generationengarten. Viele der „alten Damen“ und „alten Herren“ wissen genau, wann „ihre“ Kinder nachmittags abgeholt werden und warten schon zum Winken im Seniorencafé. Das befindet sich praktischerweise nur wenige Meter vom Kindergarten entfernt.

Fixe Strukturen

Das generationenübergreifende Miteinander im Haus hat aber auch festgelegte Strukturen: An den Besuchsnachmittagen kommen bis zu sechs Senioren in eine Kindergruppe, um den Kleinen vorzulesen, mit ihnen zu spielen oder einfach nur um „da zu sein“. Wöchentlich wird gemeinsam bei „Fit mach mit“ trainiert. Außerdem gibt es jährliche Projektgruppen, in denen gemalt, gebastelt und dekoriert wird. Das Alltagsleben im Generationenhaus ist für beide Seiten ein Gewinn. „Die Kinder bringen das Leben und die Senioren die Weisheit“, so beschreibt die Kindergartenleiterin Michaela Falmbigl das Zusammenleben am Erlaaer Platz.


Kindern Zeit schenken

„Senioren haben viel Zeit, schenken den Kindern Aufmerksamkeit und verteilen großzügig Komplimente", erzählt sie lachend. „Hin und wieder verstecken unsere Omas und Opas auch kleine Geschenke für die Kinder in ihrem Rollator." Nachteile sieht Falmbigl im Generationenhaus keine: “Unsere Kinder kommen zwar auch mit schwierigen Themen wie Alter und Krankheit in Berührung, lernen aber gleichzeitig, dass ein Mensch trotz Einschränkungen große Lebensfreude empfinden kann."
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