Offene Bücherschränke in Linz
Wenn alte Bücher Flügel bekommen
- In der Traundorfer Straße in Pichling steht dieses "Bücherkastl".
- Foto: BRS/Diabl
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Erst seit etwa zehn Jahren gibt es offene Bücherschränke in Linz. Doch sich erfreuen sich großer Beliebtheit und werden immer mehr. Das Ende der Telefonzellen eröffnet viele neue Möglichkeiten für Tauschorte wie diese.
LINZ. "Wir haben das einfach hingestellt und dann wurde das ein Selbstläufer", erinnert sich der Fotograf Dietmar Tolerian. 2012 hat er mit zwei Freunden auf dem Herbert-Bayer-Platz einen der ersten offenen Bücherschränke in Linz initiiert. Der Platz war damals gerade neu gestaltet worden und Tolerian wollte ihn beleben, so wie er das in anderen Städten gesehen hat. Der Schrank ist aus Cortenstahl und Glas gebaut und wird bis heute stark genutzt. Noch älter ist der "Bücherkühlschrank" beim Kulturzentrum Stadtwerkstatt, wo seit 2011 Bücher getauscht, entnommen oder im Café Strom gelesen werden können.
Ehemalige Telefonzellen
Mittlerweile gibt es offene Bücherschränke in verschiedensten Formen, etwa als Bücherbox, Regal, kleine Hütte oder in einer ehemaligen Telefonzelle. Eine solche "Bücherzelle" befindet sich in der Muldenstraße 5 und ist Teil des interkulturellen Gemeinschaftsgarten beim BFI. Organisiert hat sie Hermann Laister mit ein paar Mitstreitern. Die Telefonzelle stammt aus Lambach und musste vom Team selbst abgebaut werden – keine leichte Aufgabe, denn einzelne Teile sind durchaus schwer. "Man sollte die Teile markieren, damit man sie nachher wieder zusammenbringt", lautet der Profi-Tipp von Laister.
- Die Bücherzelle beim Gemeinschaftsgarten in der Muldenstraße 5.
- Foto: BRS/Diabl
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Kostenlos und anonym tauschen
Das Prinzip der Bücherschränke ist immer gleich: Alle, die möchten, können Bücher kostenlos, anonym und ohne Formalitäten tauschen, mitnehmen oder selbst zur Verfügung stellen. Die Schränke stehen offen, jeder kann sich selbst bedienen. Klarerweise braucht es ein paar Leute, dir sich darum kümmern. Der Bücherschrank auf dem Herbert-Bayer-Platz hat schon einiges erlebt – von Vandalismus bis rechtsextremer Literatur. "Irgendwann ist er regelmäßig ausgeräumt worden und die Bücher sind auf einem Linzer Flohmarkt aufgetaucht", sagt Tolerian. Mittlerweile kümmern sich viele Nutzer um den Schrank.
"Schund aussortieren"
In der Muldenstraße schaut Laister zwei bis dreimal pro Woche nach, ob alles passt. Oft geht es einfach darum, Ordnung zu machen, denn nicht alle Nutzer heben heruntergefallene Bücher wieder auf. Auch sollte man "Schund", der abgeladen wird, rasch aussortieren. "Man darf es aber nicht ausufern lassen und sollte Zeitschriften oder auch Prospekte, die aufgelegt werden, entsorgen", so Laister. Besonders beliebt sind gute Fachbücher. Belletristik bleibt eher im Sortiment. Büchernachschub ist aber nicht das Problem. "Es gibt viele Leute, die ihre Bücher weghaben wollen", sagt Laister. Auch Einrichtungen wie der Wissensturm oder die Arbeiterkammer haben schon Bücher gespendet. Nicht alle Bücherschränke stehen auf öffentlich zugänglichen Plätzen. So gibt es seit 2017 ein offenes Regal im Foyer des Familienzentrums Bulgariplatz kidsmix. Auch im Unpackbar Laden in der Harrachstraße kann man Bücher tauschen und mitnehmen.
Bücher auf die Reise schicken
Ein etwas anderer Zugang ist das "bookcrossing", an dem sich die Stadtbibliothek Linz beteiligt. Die Bücher, die kostenlos weitergegeben werden, sind auf einer zentralen Webseite registriert und bekommen eine eigene Identitätsnummer. So kann man die oft internationale Reise eines Buches nachvollziehen. 14.362 Bücher hat alleine die Stadtbibliothek Linz seit 2010 "freigelassen". "Wir betreuen selbst eine bookcrossing-Station im Foyer des Wissensturms und versorgen immer wieder auch das Parkbad mit bookcrossing-Lesestoff zum Mitnehmen", sagt Heike Merschitzka von der Stadtbibliothek Linz.
- Einer der ersten offenen Bücherschränke befindet sich auf dem Herbert Bayer Platz im Linzer Zentrum.
- Foto: BRS/Diabl
- hochgeladen von Christian Diabl
Nachnutzung von Telefonzellen
Wie viele offene Bücherschränke es mittlerweile in Linz gibt, ist schwer zu sagen. Fix ist, dass es schon bald noch mehr werden könnten. In den nächsten Jahren werden viele der noch bestehenden Telefonzellen aufgelassen werden. Knapp 150 sind in Linz noch in Betrieb. Ideen für ihre Nachnutzung gibt es viele, etwa als Stromtankstellen, "DEFI-Zellen" mit eingebauten Laien Defibrillatoren, für Kunst- und Kulturprojekte oder eben als Bücherzellen. Laut Betreiber A1 gibt es in Oberösterreich bereits 150 derartig genutzter Zellen. Wer eine Idee hat, kann sich bei A1 melden. "Wenn es Bedarf an einer Bücherzelle gibt, klären wir das bilateral. Diese Zelle geht per Kaufvertrag dann kostenlos in Besitz und Verantwortung an die Gemeinde", heißt es auf Nachfrage der BezirksRundschau.
Liste der Bücherschränke & Co
Folgende offene Bücherschränke oder BookCrossing-Stationen sind der BezirksRundSchau in Linz bekannt:
- Herbert-Bayer-Platz
- Kirchengasse (Café Strom)
- Kulturzentrum KAPU
- Leonfeldner Straße 276
- Muldenstraße beim BBRZ
- Traundorfer Straße 252/Pichling
- solarCity im Elia
- Familienzentrum kidsmix
- Unpackbar Laden
- Café Meier
- KostNixLaden Willy*Fred
- Wissensturm
- Parkbad
- Pfarre St. Magdalena
- Pfarrplatz beim Papiertiger
Das dürften aber nicht alle sein. Wenn Sie einen offenen Bücherschrank auf Linzer Stadtgebiet kennen, dann schreiben Sie uns bitte unter linz.red@bezirksrundschau.com
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