25.10.2016, 10:22 Uhr

Loesels Rauke (Sisymbrium loeselii) mit abweichenden Maßen und Rekordhöhe in Linz entdeckt

Loesels Rauke (Sisymbrium loeselii) in der Blüte.
Die Linzer Natur hält ständig Überraschungen für all jene bereit, die während Naturbesuchen ihre Sinne zu schärfen verstehen. Dinge werden damit sichtbar, die ansonsten im Verborgenen schlummern oder ganz einfach übersehen werden.
Gerade als Verhaltensforscher muss ich mich an diese Regel halten, um faszinierende Einblicke in die Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten, um später der Natur geduldig neue Erkenntnisse abzuringen zu können.
Während meiner im August dieses Jahres auf einer Linzer Industriebrache begonnenen Schmetterlingsforschung, wo es insbesondere um die Revierzoneneinteilung einer seltenen Schmetterlingsart ging, konnte ich einen Revierinhaber beim Nektarsaugen auf einer Raukenart beobachten, welche ich später noch näher betrachten sollte. Zu diesem Zeitpunkt fielen mir bereits die ungewöhnlich kleinen Kronblätter der Rauke auf, musste mich gleich danach aber wieder der Schmetterlingsart zuwenden, deren Lebensverhaltensweise ich gerade erforschte.
Erst im September erschien es mir möglich, mich mit dieser von bisher bekannten Maßen abweichenden Pflanze näher zu beschäftigen, deren Zuordnung nicht ganz so einfach erschien. Zuerst begann ich auf diesem Linzer Trockenbiotop nach anderen Individuen der Art zu suchen und fand schließlich acht davon. Danach begann ich erste Pflanzenteile mit einem Zollstock und dem Messschieber zu vermessen, um exakte Daten zu erhalten, notierte diese anschließend und nahm die Besonderheiten der Pflanze genauer unter die Lupe. Nachdem ich am 12. September die ermittelten Maximalmaße einem namhaften Botaniker des Linzer Biologiezentrums übermittelte, wurde mir daraufhin empfohlen, selbst einen Herbabeleg – in Form einer getrockneten Pflanze - anzufertigen, was bei nicht eindeutig zuordenbaren Pflanzen durchaus empfehlenswert erscheint.
Denn einige Abmessungen waren nicht exakt mit der Loesels Rauke (Sisymbrium loeselii) ident, die in Betracht kam, wie aus der Fachliteratur ersichtlich. Am 13. Oktober, als ich letzte ergänzende Vermessungen an den Pflanzen vornehmen und eine davon für den Herbabeleg sichern wollte, konnte ich meinen Augen kaum trauen, als ich feststellen musste, das die artenreiche Fläche bei meiner Ankunft bereits großteils gemäht und zugleich gehäckselt wurde, die eigentlich laut EU – Fauna und Flora Richtlinie bereits geschützt hätte werden sollen. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als in anderen für die Art geeigneten Lebensräumen nach der Rauke zu suchen. Schließlich wurde ich am 16. Oktober auf einem nicht weit davon entfernten Trockenbiotop fündig. Dort befanden sich in einem sehr überschaubaren Bereich noch 27 Individuen, 26 davon waren außer den Schoten bereits kahl. Ein Individuum davon war 1,86 cm hoch. Diese Höhe scheint außergewöhnlich und wurde aus der Fachliteratur hervorgehend noch nicht überboten. Die Maximalhöhe wird hier mit 1,75 m (Sisymbrium loeselii) angegeben. Eine einzige Loeselsrauke stand auf dieser Brache noch in Blüte, die aber leider im unteren Bereich keine Blätter mehr aufwies. Da die Pflanze für einen Herbabeleg nicht verwendbar war, wird dieser nächstes Jahr erstellt.
Auch wenn die Rauke selbst nicht selten erscheint und sich diese in Westeuropa als Neophyt auszubreiten sucht, darf man diese Rauke dennoch als Bestandteil unserer Natur betrachten. Denn als ihr natürliches Heimatgebiet wird in der Literatur auch das östliche Österreich genannt.
Wie man sieht macht es durchaus Sinn, während Naturbesuchen, seine Sinne zu schärfen!

Bisher feststellbare Maximalmaße von Sisymbrium loeselii:
Kronblätter: 4 mm Länge, 4 – 5 mm Breite,
Kronblattnagel: 2,5 mm,
Kelchblätter: 5 mm,
Schoten: 33 mm,
Schotenstiel: 14 mm,
Pflanzenhöhe: 1,86 m.

Nachtrag:
Im kreta-umweltforum.de wurde meinerseits heute ein Aufruf gestartet, um nach einem Pflanzenexperten zu suchen, der sich mit dieser Art beschäftigt und eventuell eine Genanalyse durchführt. Denn sollte die Pflanze einen Namen benötigen, sei dazu die Einhaltung eines ganzen Regelwerks notwendig, damit dieser wissenschaftlich anerkannt wird.
Dasselbe gilt für die von mir am 28. Oktober 2015 gefundene besondere Form einer Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), mit spitz zulaufenden Kronblättern, die derzeit im Linzer Biologiezentrum kultiviert wird. Hier wird darauf geachtet, ob diese Nelke die spitz zulaufenden Kronblätter beibehält.

Ihr Naturforscher
Franz Huebauer

Quelle: www.Wikipedia.org

© Copyright by Franz Huebauer
Gilt nicht für die Linzer Rundschau und Privatpersonen für den persönlichen Gebrauch.
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