13.03.2018, 15:14 Uhr

35 Maßnahmen für mehr Innovation in Linz

Das Innovationsprogramm sieht etwa vor, die Johannes Kepler Universität zu einer Volluniversität oder einer Technischen Universität umzubauen. Zudem sollen die Studierenden und ihre Leistungen in der Stadt spürbarer werden. (Foto: Hertha Hurnaus)

Neues Innovationsbüro soll die Umsetzung verschiedenster Projekte in der Stadt vorantreiben.

"Linz soll die innovativste Stadt Österreichs werden", hat Bürgermeister Klaus Luger als Ziel ausgegeben. Damit dieses erreicht werden kann, hat Luger Anfang der Woche ein Innovations-Programm für Linz vorgestellt. Basis dafür ist eine auf drei Jahre angelegte Studie der Johannes Kepler Universität, bei der Interviews und Workshops mit 90 Innovationsentscheidern aus namhaften Unternehmen sowie Personen aus den Bereichen Infrastruktur, Verwaltung, Bildung, Politik, Medien und Innovationsservices geführt wurden.


35 Schwerpunktmaßnahmen

Aus diesem Prozess sind 60 Maßnahmen resultiert, die zur Umsetzung der Vision "Innovativste Stadt Österreichs" beitragen können. Diese wurden auf 35 Schwerpunktmaßnahmen für die erste Umsetzungsphase konzentriert. Sie umfassen die Bereiche Unternehmen, Infrastruktur, Politik und Kapital, Lebensraum und Lebensqualität, Menschen und Fähigkeiten sowie Kultur und Image. Das Innovationsprogramm wird im erstmalig geschaffenen Gemeinderatsausschuss für Innovation unter Vorsitz von Klaus Luger diskutiert und anschließend im April dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.

Die Grünen Linz beklagen allerdings, dass im vorgelegten Programm  Maßnahmen für soziale und ökologische Innovationen großteils fehlen. „Nicht zu finden sind derzeit Vorschläge, die soziale Innovationen betreffen. Dabei wäre es wichtig, als Stadt unser Ausgenmerk auch auf diese Schwerpunkte zu richten, um uns so mit den gesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Ziel muss es sein, sozialen Mehrwert zu schaffen und den Zusammenhalt zu stärken“, sagt Helge Langer, Innovationssprecher der Grünen Linz.

Hier ein Überblick über die ersten 35 Schwerpunktmaßnahmen des Investitionsprogramms:


Bereich Unternehmen

• Beratungsangebote für Unternehmens-Kooperationen mit Start-Ups
Großunternehmen suchen bereits jetzt vermehrt die Kooperation mit jungen, innovativen Start-Ups, um deren Innovationen in ihrem Geschäftsmodell einzusetzen und die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft er- halten zu können. Für Start-Ups bieten Kooperationen mit etablierten Unternehmen erste Sicherheit und Beständigkeit am Markt. Um die Beziehungen zu intensivieren und fruchtbare Kooperationen aufzubauen, bedarf es dafür abgestimmte Beratungsangebote bzw. Vernetzungsstellen.

• Universitäre Bildungsangebote für industrienahe Dienstleistungen
Das Angebot an spezialisierten Industriedienstleistungen, die innovationsunterstützend wirken, ist in der Region wenig entwickelt. Entsprechende universitäre Bildungsangebote wie internationales Patentrecht und web-basiertes Marketing können langfristig diese Angebotslücke im Großraum Linz-Wels schließen.

• Industriedienstleistungen als städtischer Schwerpunkt
Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Start-Ups werden durch eine Unterstützung von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen wesentlich bereichert. Diese sind im Großraum Linz-Wels nur vereinzelt zu finden. Deswegen setzt die Stadt dieses Thema zu einem ihrer Schwerpunkte.

• Internationaler Relaunch der Marke Ars Electronica
Die Ars Electronic ist die bekannteste Innovations-Marke aus Linz. Diese gilt es einer Überarbeitung zu unterziehen, um in der internationalen Fachwelt die Position des führenden Kunst & Elektronik-Festivals und -preises zu behaupten. Gleichzeitig muss diese Position wirksam mit der Stadt verbunden werden, um das Image von Linz als kulturell und technologisch führender Stadt zu unterstreichen.

• Regional Early-Adopter und Innovators-Network Award

Biennal stattfindende Auszeichnungsveranstaltungen beleuchten mit ihrer Schwerpunktsetzung Frühanwender sowie Netzwerke eine neue Perspektive des Innovationssystems. Der Regional Early-Adopter Award stellt Kunden mit Pioniergeist ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Innovators-Network Award hebt zwischenbetriebliche Innovations-Netzwerke hervor.

• Regionale Innovations-Kooperationen
Ergebnisberichterstattung über Kooperationen zwischen regionalen Unternehmen bzw. zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen machen das Leistungsspektrum des Innovationsstandorts Linz sichtbar. Zudem schaffen sie Impulse und An- reize für jene Unternehmen, die bisher noch nicht bzw. wenig in Kooperationen aktiv waren. Zusätzlich übersetzen sie für die Bevölkerung die Anwendung von Technologie in Produkte und Dienstleistungen.

• Innovations-Büro

Zur Professionalisierung des regionalen Know-How- und Wissenstransfers zwischen Unternehmen bzw. Unternehmen und Universitäten wird ein eigenes Innovations-Büro der Stadt Linz eingerichtet. Dieser agiert in Form eines One-Stop-Shops mit direktem Zugang zur Spitzenpolitik und allen relevanten Stakeholdern.

Bereich Infrastruktur

Die Verkehrs-Infrastruktur ist aktuell die Achilles-Ferse des regionalen Innovations-Ökosystems. Die häufigen Verkehrsstaus dämpfen die Innovationsdynamik und bilden eine Gefahr für die Attraktivität des Ballungsraums für Betriebe und Schlüsselarbeitskräfte.

Nachhaltige Verkehrskooperationen
Die derzeitige brückenbaubedingte Zuspitzung der Linzer Verkehrsproblematik bietet die einmalige Chance, mit Unternehmen gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Modelle, die sich in der Engpass-Phase bewähren, können mitunter langfristig weitergeführt werden.

• Moderne Verkehrslösungen als innovative Visitenkarte
Der technologische Fortschritt, die Digitalisierung sowie veränderte Anforderungen der NutzerInnen an das Mobilitätssystem bringen die derzeitigen Infrastrukturen an ihre Grenzen. Der verstärkte Ausbau der E-Mobilität, innovative Fortbewegungsmittel wie beispielsweise ein urbanes Seilbahnsystem sowie eine datenbasierte Verkehrsplanung und Steuerung verbessern die urbane Mobilität.

• Ausbau des öffentlichen Verkehrs
Die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs wird durch entsprechende qualitative Ausbaumaßnahmen sowie eine Erweiterungen des Streckennetzes gesteigert.

• Öffentliche Schnellverbindung zwischen den Innovations-Fokusorten
Es entwickeln sich in Linz attraktive Innovations-Fokusorte. Weil deren Erfolg maßgeblich auch von einer schnellen Erreichbarkeit untereinander abhängig ist, werden diese Fokusorte durch rasche öffentliche Verkehrsverbindungen miteinander und mit dem Bahnhof (Anbindung nach außen) verbunden.

• Ausbau des öffentlichen WLAN-Angebots
Mit einer Vielzahl von Hotspots bietet die Stadt Linz einen kostenfreien, einfach zu handhabenden, kabellosen Internet-Zugang an. Dieses Service steht allen Personen zur Verfügung. In Zukunft soll das Angebot weiter ausgebaut werden.

• Schneller Anschluss an einen europäischen Daten-Knoten
Grundvoraussetzung für die Digitalisierung der Region ist eine leistungsfähige Daten-Infrastruktur. Ein Anschluss an einen der internationalen Daten- Highways ist Voraussetzung dafür, dass Unternehmen in der Region Cloudservices wirksam nutzen und entwickeln sowie Serverfarmen betreiben können.

• After-Work Spots

Innovative Treffpunkte zum Austauschen und Vernetzen nach dem Arbeitsalltag bereichern die Linzer nicht nur persönlich, sondern auch ihr urbanes Lebensumfeld.

• Postcity – Büros und Co-Working in unmittelbarer Bahnhofsnähe
Arbeitsräume in wirksamen Innovations-Ökosystemen sind leistbar, erreichbar sowie skalierbar und bieten gute Voraussetzungen für wirksame Kommunikation. Büros und Coworking-Spaces in Bahnhofsnähe fördern innovative Systeme und machen Linz für Schlüsselarbeitskräfte aus anderen Bundesländern attraktiv.

Bereich Politik & Kapital

• Neudenken von Stadt- und Gemeindegrenzen
Im öffentlichen Verkehr und vielen Bereichen der Daseinsvorsorge ist die LINZ AG bereits jetzt ein Dienstleister über die Stadtgrenzen hinaus. Um als innovativer Wirtschaftsraum erfolgreich zu bleiben, sollten auch für andere Infrastrukturbereiche die Beschränkungen durch interkommunale Verwaltungsgrenzen aufgeweicht werden oder durch Fusionen gänzlich fallen.

• Strategisch abgestimmte Stadt-, Gemeinde- und Regionalentwicklung
Linz und der oberösterreichische Zentralraum sind der Wirtschaftsmotor des Landes. Künftige Potenziale dieser Region werden erkannt und durch eine auf Nachhaltigkeit und ökonomischen Erfolg ausgerichtete Strategie bestmöglich gehoben.

• Grundeinkommen für Gründer
Die Einführung eines Grundeinkommens für Gründer in der Startphase der Unternehmensneugründung dient der individuellen sozialen Absicherung und wirkt potentiellen Existenzängsten bei einem Scheitern entgegen.


Bereich Lebensraum & Lebensqualität


• Aus der Universitätsstadt eine Studentenstadt machen

Die Stadtbilder innovativer Städte werden durch starke Präsenz von StudentInnen geprägt. Nicht zuletzt dadurch werden sie von Studierenden aus anderen Bundesländern und dem Ausland als attraktive Studienorte wahrgenommen. Durch mehr Präsenz von Studierenden und durch ihre vermehrten Beiträge zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben wird eine bessere Identifikation der Bevölkerung mit „ihrer“ Universität und – trotz Randlage des Campus – eine stärkere Integration der Universität in das städtischen Leben erreicht.

• Kreative Wohnformen
Eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten, urbane Lebensweisen und vor allem veränderte Arbeitserfordernisse wecken den Bedarf an kreativen Wohnformen. Der Bedarf an alternativen Wohn- und Arbeitsplätzen und unkonventionellen Grundrissen steigt. Konzepte im Städtebau mit innovativem Charakter sind gefragter denn je. Erschwerend ist dabei, dass aufstrebende Städte nur über ein begrenztes Flächenangebot verfügen. Die Revitalisierung von einstigen Brachflächen wie alte Hafen- oder Gewerbegebiete könnte ebenso eine Antwort bieten wie Hausboote, Container, Mini-Häuser, Wohngemeinschaften oder die Kombination von Wohn- und Arbeitsflächen.

• Innovative öffentliche Beleuchtungskonzepte
Licht beeinflusst die Stadtidentität wesentlich. Durch eine gezielte Inszenierung des Stadtbildes mit Beleuchtung transportiert Linz die Thematik Innovation nach außen.

• Weiterentwicklung der Familienfreundlichkeit von Linz

Das Spektrum der Fördermaßnahmen für die Familien reicht von bestens ausgebauter und hochqualitativer Kinderbetreuung in den Krabbelstuben, Kindergärten und Horten bis hin zu umfangreichen Freizeitangeboten. Die offensive Kommunikation der bestehenden Angebote sowie eine bedürfnisorientierte Weiterentwicklung stehen an vorderster Stelle.

Bereich Menschen & ihre Fähigkeiten

• Offensive in der Elementarpädagogik
In der frühkindlichen Phase werden wesentliche Grundlagen für die Entwicklung des Kindes und dessen Bildungsbiografie gelegt. Daraus erwächst die zentrale Bedeutung der elementarpädagogischen Einrichtungen von 0-6 Jahren. Es bedarf eines gut ausgebildeten Fachpersonals und optimaler Rahmenbedingungen. Dies wird durch zielgruppenspezifische Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen angestrebt, die einerseits zur Professionalisierung des Fachpersonals führt und andererseits zur Weiterentwicklung der Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität in elementaren Bildungseinrichtungen.

• Unterstützung zivilgesellschaftlicher Bildungsinitiativen
Die aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozesse stellen immer häufiger die Frage nach dem Zusammenhalt und der Übernahme von sozialer Verantwortung. In diesem Zusammenhang gilt es neue Lernformate einzuführen, die im Sinne von service learning zivilgesellschaftliche Initiativen ins- besondere in Bildungsorganisationen stärken.

• (Re-)Positionierung und Ausbau der JKU

Mittel- und langfristige (Re-)Positionierung der JKU als Volluniversität oder als Technische Universität (JKTU) mit breitem Spektrum (nach dem Vorbild führender technischer Universitäten wie MIT oder Caltech in den USA bzw. TU München oder RWTH Aachen in Deutschland). Dabei gilt es sowohl die Anzahl der technischen und nicht-technischen Fachrichtungen deutlich zu vermehren als auch innerhalb jedes Faches (in der Forschung wie im Studienangebot) massiv zu fokussieren. Ziel ist, die Anzahl der Studierenden insgesamt und insbesondere in den technischen Disziplinen wesentlich zu erhöhen sowie für jedes Fach ein international sichtbares Profil (=spezialisierte Kompetenz) zu entwickeln.

• Förderung der Mehrsprachigkeit in den Bildungseinrichtungen
Die Qualitätssteigerung der interkulturellen Kompetenz sowohl im elementarpädagogischen als auch im schulischen Bereich ermöglicht einen zunehmend positiven Blick auf Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen. Mehrsprachigkeit wird als Ressource wahrgenommen. Die Chancen der vielfältigen Spracherfahrungen in Kindergärten und Schulen können besser genützt werden, dem Recht der Kinder auf mehrsprachige Bildung wird entsprochen.

• Entbürokratisierung und qualifizierte Zuwanderung
Ineffiziente bürokratische Abläufe sind für alle Beteiligten zeit- und kostenintensiv. Das Innovationsbüro setzt einen Schwerpunkt auf Entbürokratisierung für Unternehmen und qualifizierte Zuwanderung. Alle relevanten Bereiche der Stadt werden dahingehend sensibilisiert, durchleuchtet und Lösungen herbeigeführt.

• Englisch als Signal für Internationalisierung

Die Internationalisierung der heimischen Wirtschaft soll sich auch in den regionalen Organisationen widerspiegeln. Die Weltsprache Englisch muss daher im alltäglichen Leben sicht- und hörbar werden.

• Gemeinsame Fachkräfte-Initiativen mehrerer Unternehmen
Der Fachkräftemangel ist längst Realität. Notwendige Positionen können vielfach nicht besetzt werden. Diese Herausforderung ist von einem Unternehmen allein nicht zu bewältigen, sondern verlangt nach gut aufeinander abgestimmte Maßnahmen in einzelnen Branchen sowie übergreifend im In- und Ausland.

• Unterstützung bei Ankunft und Etablierung in der Region
Führungs- und Fachkräfte aus dem In- und Ausland, die nachhaltig im Raum Linz beschäftigt sein wollen, erleben mit Linz und ihrem Umfeld eine sozial und gesellschaftlich hochattraktive mittelgroße Stadt. Ihr Charme vermittelt etwas Besonderes und ist auch für Auswärtige durch Angebote und verständliche Hin- weise rasch erfassbar.

Bereich Kultur & Image


• Open Stages – „Neuer Linzer Pranger“

Schaffung eines öffentlichen Raums, in dem in ungezwungener Atmosphäre und in für Künstler und Vortragende unkomplizierter Art und Weise die Zurschaustellung regionaler Leistungen ermöglicht wird. Der Ort ist gegen Hutgeld für jedermann zugänglich und befindet sich an einem prominenten Platz – zum Beispiel in der Nähe des historischen Linzer Prangers am Taubenmarkt.

• Plattform „Linz kann ...“
Für jedermann zugängliche Plattform, die besondere handwerkliche, kreative, unternehmerische Leistungen von Bürgern möglichst breitenwirksam und niedrigschwellig hervorhebt und wertschätzt.

• Bottum-Up Innovation
Linz ist DIE Innovationsstadt. Das soll in allen Lebensbereichen spür- und erlebbar sein.

• Identitäts- und Markenbildung für den Innovationsraum Linz
Ein fokussierter Image- und Markenentwicklungsprozess stärkt die Positionierung des Innovationsraums Linz. Das regionale Innovationsgeschehen soll damit nach außen sichtbar transportiert werden.

• Innovative Informationen über Innovation
Innovationen und ihr Nutzen für die breite Bevölkerung sind oft schwer zu vermitteln. Zu oft wird in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Ängsten vor dem technologischen Fortschritt gearbeitet. Es braucht ein breit gestreutes, grundsätzlich positives mediales Angebot zur Information und Aufklärung über Innovation.
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