Karrieren ohne Barrieren: Zu Besuch bei myAbility in Margareten

Alice Hu und Daniel Schörghofer arbeiten bei "myAbility" in Margareten.
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MARGARETEN. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an Ihrem Arbeitsplatz. Aber etwas ist anders. Sie sehen nichts. Nicht den Bildschirm, auch nicht die Kolleginnen und Kollegen. Wirklich zu wissen, wie sich die Arbeitswelt für einen blinden Menschen anfühlt, wird dadurch natürlich nicht gelingen, aber man kann dem ein bisschen näher kommen. Vor allem, wenn man im Rahmen einer sogenannten "Sensing Journey" unter professioneller Anleitung versucht, sich in diese Situation zu versetzen.

Angeboten wird das von der sozialen Unternehmensberatung "myAbility", die ihren Sitz in Margareten hat. Dort hat man es sich zum Auftrag gemacht, Menschen mit Behinderung die Chance zu geben, "ihren Traumjob zu finden", wie Alice Hu, Mitarbeiterin von "myAbility" erklärt. Sie selbst ist gehörlos und weiß, wovon sie redet, wenn sie davon spricht, "Ängste und Barrieren ab- und stattdessen Brücken aufzubauen." Gemeinsam mit ihrem Kollegen Daniel Schörghofer arbeitet sie bei "myAbility" daran, Firmen mit Mitarbeitern mit Behinderung zu vernetzen. Denn nach wie vor würden Vorurteile und Unwissen viele Firmen davon abhalten, auch Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen.

Um diese Vorurteile abzubauen, gibt es Angebote wie die "Sensing Journeys". "Die Menschen, die daran teilnehmen, sind oft sehr überrascht. Sie können dadurch ein Gefühl für 'unsere Welt' entwickeln", führt Hu aus. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten: An mehreren Stationen der "Sensing Journey" erfährt man etwa, wie es ist, sich in einem Rollstuhl fortzubewegen, oder nichts zu sehen oder zu hören. "Dann bekommen die Leute ein Gefühl dafür, mehr visuell zu kommunizieren oder vom Mund abzulesen", so Alice. Und allein das einmal selbst zu erfahren, würde viel zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Talent-Vermittlung

Aber nicht nur in Sachen Sensibilisierung unterstützt "myAbility" Firmen und Mitarbeiter – neben Beratungstätigkeiten gibt es mit "DisAbility Talent" auch eine eigene Vermittlungsschiene für Studierende mit Behinderung. Diese erhalten dabei Coachings und Trainings, etwa für Bewerbungsgespräche, auf der anderen Seite wird mit namhaften Firmen kooperiert, die die Studierenden dann am "Matching Day" kennenlernen. Und dabei gibt’s "nichts geschenkt", wie Schörghofer, der das Programm koordiniert, erklärt. Hier gehe es nicht um Beschäftigungstherapie, das Programm sei "wirtschaftlich orientiert" und richte sich an jene Studierenden, die "Karriere machen wollen." Nach dem "Matching Day" folgt das "Job Shadowing" – das heißt, die Studierenden arbeiten zwei bis drei Tage in einer Firma und beide Seiten schauen, wie es geht und ob man zusammenpasst.

Rund die Hälfte der Talente, die ein Praktikum machen, werden dann auch weiter beschäftigt. Denn: Nicht nur die Talente profitieren von der Vernetzung, auch den Firmen bringt es etwas – darüber hinaus, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die unter anderen Umständen vielleicht gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden wären. "Wann immer Menschen in einer Firma ausgeschlossen sind, führt das zu Unwohlsein. Auf allen Seiten", ist Schörghofer sicher. Und ganz abgesehen davon: "Das Recht auf Arbeit ist laut UN-Konvention ein Menschenrecht. Wenn man Menschen aufgrund ihrer Behinderung ausschließt, ist das Diskriminierung", so Alice Hu. Es brauche einen "positiven Wandel, hin zur Inklusion, wo Platz für Diversität in jeder Hinsicht ist".

Kommentar zum Thema:Die Behinderung ist das System selbst!

Zur Sache:


"DisAbility Talent": Von März bis Juni werden potenzielle Arbeitgeber und -nehmer miteinander vernetzt. Alle Infos zum Programm, Anmeldung und Kontakt auf Facebook und unter www.disability-talent.com.

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