Bezirk Mödling
Geschmack vor Ertrag: Die alten Obst- und Gemüsesorten
- Ochsenherz-Paradeiser: Nur eine der vielen alten Sorten, die im Mödlinger Ökogarten erhältlich sind.
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Gentechnik und Saatgut, EU hat Großes vor. Vielfalt im Bezirk gerät in Bedrängnis – auf der Spur der Biodiversität.
BEZIRK MÖDLING. Haben Sie schon einmal in einen Kronprinz Rudolf gebissen, ein Ochsenherz verspeist, eine Puffbohne geerntet oder auch einen Jungfernapfel geschält? Die "Alten Sorten" schmecken nicht nur, sie sind auch widerstandsfähig. Ob Hitze oder Trockenheit, Kälte oder Regen – mit dem Klima in der Thermenregion kommen sie gut zurecht.Dass die EU nun jahrzehntealte Saatgutgesetze vereinheitlichen will, schafft Chancen. Die heimische Vielfalt, die durch kleine Züchter und Initiativen bewahrt wird, ist gesichert – das stimmt Kritiker positiv. Allerdings – die neue Gentechnikverordnung, die Patente auf Eigenschaften von Saatgut ermöglicht, ist auf den Weg gebracht. Eine große Herausforderung für die heimische Bio-Landwirtschaft
Klassiker im Ökogarten
Voll auf alte Sorten setzt man auch im Ökogarten Mödling, angefangen bei den klassischen Paradeisern wie Ochsenherz oder Tschernij Prinz. Wichtig sei dabei, dass samenfeste Sorten zum Einsatz kommen: "Diese können weitergezüchtet werden und passen sich dadurch automatisch an den Klimawandel an, das können die Laborsorten nicht bieten", erklärt Gärtner Markus Katsmarik und sein Kollege Rene Ehardt ergänzt: "Früher hatte einfach jede Region ihre eigenen Sorte, die dann genau an die regionalen Begebenheiten angepasst war. Vieles was von Großhändlern angeboten wird, funktioniert aber in manchen Regionen nicht".
- Die Gärtner Rene Ehardt (l). und Markus Katsmarik.
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Geschmack vor Ertrag
Auch bei den Salaten setzt man auf traditionelle Sorten, wie den Grazer Krauthäuptel oder den Forellenschluss, "die klassischen österreichischen Wirtshaussalate", wie Ehardt betont. Ein weiterer Grund für den Einsatz alter Sorten ist ihr Geschmack. "Das meiste Obst und Gemüse, das nicht auf EU-Konformität getrimmt ist, schmeckt einfach besser", so Katsmarik und Ehardt ergänzt: „Es ist ganz einfach kulinarisches Kulturgut. Der Geschmack ist besser, wenn man auf Geschmack statt auf Ertrag züchtet.“ Für Hobbygärtner spiele ein maximaler Ertrag ohnehin meist eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger sei die Freude an einer schmackhaften Ernte aus dem eigenen Garten.
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Auch im Obstbereich gibt es zahlreiche historische Schätze. Zwar liegt der Schwerpunkt des Ökogartens auf Gemüse, dennoch werden auf dem Gelände verschiedene Wildobstarten kultiviert. Ein bekanntes Beispiel ist die Schindler-Erdbeere. Zu den besonderen Raritäten zählt außerdem die Mispel, darunter auch großfruchtige Riesenmispeln.
Achtgeben müsse man bei den alten Sorten jedoch auf eines: "Werden sie über längere Zeit nicht weiterentwickelt, können sie gegenüber Krankheiten oder veränderten Klimabedingungen anfälliger werden", meint Katsmarik. Das sei etwa bei manchen Salaten oder Stangenbohnen zu beobachten. Vor allem die zunehmend trockenen und heißen Sommer setzen einigen traditionellen Sorten zu.
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Wer selbst alte Sorten kultivieren möchte, wird direkt im Ökogarten fündig. Die Pflanzen sind während der Öffnungszeiten im Ökogarten in der Guntramsdorfer Straße erhältlich. Damit haben Gartenfreunde die Möglichkeit, selten gewordene Gemüse- und Obstsorten selbst anzubauen und so zu deren Erhalt beizutragen.
Renaissance der Klassiker
Dass viele alte Sorten heute überhaupt noch existieren, ist engagierten Hobbygärtnern, Züchtern und Erhaltungsinitiativen zu verdanken. „Aktuell habe ich das Gefühl, dass wir hier wieder die Kurve kratzen“, sagt Rene Ehardt. „Es gibt viele Enthusiasten, die sich bemühen, altes Kulturgut zu erhalten.“ Noch vor einigen Jahren seien etwa zahlreiche österreichische Knoblauchsorten vom Aussterben bedroht gewesen. Heute gebe es wieder mehrere regionale Varianten, die zudem gut an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst seien.
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