Raten für 140.000-Euro-Wunder-Pferdeanhänger nicht bezahlt: Pferdetherapeutin vor Gericht

Anwalt Michael Luszczak erkämpfte für seine Mandantin einen Freispruch.
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  • Anwalt Michael Luszczak erkämpfte für seine Mandantin einen Freispruch.
  • hochgeladen von Peter Zezula

Nicole O. passt voll ins Klischee: Pferdenärrin, blondes Haar, ein bisserl zu großspurig (mit Luxus-SUV) unterwegs und ganz hin und weg, weil ihr blindes Pferd plötzlich wieder sehen konnte...
Dank einer eigenen Therapie in Deutschland konnte ihr Pferd gerettet werden. Das zumindest bildete sich die 27-jährige ein und wollte sich gleich mit dieser Therapiemethode selbstständig machen. Nur: So ein Therapieanhänger (hauptsächlich mit Wärmelampen bestückt) kostet 140.000 Euro. Und ein kräftiges Zugfahrzeug, am besten einen Audi Q7 - braucht man auch dazu.
Finanziert wurde der wundersame Anhänger von einer steirischen Sparkasse, vermittelt wurde der Deal von einer deutschen Maklerfirma und unterstützt wurde sie anfangs bei ihrer Geschäftsidee von einem weiteren Reit-Blondie, das für die Pferdebox-Herstellerfirma Equusir arbeitete. Eine Geschäftsidee - und viel zu viele Vermittler und Hände, die aufhalten. Das konnte nicht lange gut gehen.
Die Leasingraten allein für den Anhänger beliefen sich auf rund 2.200 Euro monatlich. Und schon sehr schnell stellte sich heraus: Der ehrgeizige Businessplan geht nicht auf. Der Winter und eine Pferdeseuche verschlechterten die Situation. O. blieb zwei Raten schuldig, die Bank hetzte einen Eintreiber auf sie. Doch der fand die Pferdebox (richtiger Name: BEST Box) nie am Firmenort. Schließlich folgte die Anzeige wegen Veruntreuung und die Aufforderung, das Objekt der Begierde, das anscheinend eh niemand braucht, am Polizeiposten Hinterbrühl abzustellen. "Niemand braucht" deswegen, weil es dort sein Juni steht...
Im Justitsjargon der Wiener Neustädter Staatsanwaltschaft hieß dies dann: "Die bislang gerichtlich unbescholtene Angeklagte soll einen ihr anvertrauten Pferdeanhänger mit integrierter Bio-Energetik Scanfunktion im Wert von EUR 139.080,-- verborgen haben, indem sie ihn trotz mehrmaliger Aufforderung nach Auflösung des Leasingvertrages im November 2016 nicht zurückstellte, keine Angaben über dessen Standort machte sowie substanzverzehrend weiterverwendete." Mindestens genauso drei Mal im Kreis dreht sich auch der Leasingvertrag, der für die möglicherweise naive Neu-Unternehmerin kaum zu durchblicken gewesen sein dürfte.
O., verteidigt von Michael Luszczak, vor Gericht: "Mein Anhänger stand am Pferdefest in Wiener Neustadt, bei Turnieren, u.a. in Weikersdorf, aber die meiste Zeit im Magna Racino (großes Pferdesportzentrum, Anm. der Red.) in Ebreichsdorf. Dort war er immer auffindbar."
Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerald Grafl konnte der Angeklagten schließlich keinen Vorsatz nachweisen, fällte einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Noch nicht rechtskräftig.

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