Der geheimnisvolle Eselstritt von Annaberg
Sagenumwobener Jesus-Bezug in Niederösterreich
- Die Heilige Familie rund um Jesus, Maria & Josef soll Spuren auf der Flucht nach Ägypten in Niederösterreich hinterlassen haben
- Foto: geralt/pixabay
- hochgeladen von Marianne Foregger
Wenn von Sagen aus Niederösterreich die Rede ist, denken viele sofort an Richard Löwenherz in Dürnstein oder an das Donauweibchen. Doch abseits der bekannten Geschichten gibt es zahlreiche kleine Erzählungen, die über Generationen hinweg in den Dörfern weitergegeben wurden. Eine davon stammt aus Annaberg im Mostviertel und dreht sich um einen einzelnen Abdruck in einem Felsen.
Zwischen Schwarzenbach an der Pielach und Annaberg steht die kleine Josefskapelle, die von den Einheimischen seit Jahrhunderten als "Hölzerne Kirche" bezeichnet wird. In ihrer Nähe soll sich ein ungewöhnlicher Stein befinden. Darin ist ein Abdruck zu erkennen, der nach der Überlieferung nicht von einem Menschen stammt.
Die Sage erzählt, dass die Heilige Familie auf ihrer Flucht nach Ägypten genau an dieser Stelle vorbeikam. Als der Esel, auf dem Maria saß, kurz stehen blieb, hinterließ sein Huf einen tiefen Eindruck im Felsen. Dieser Abdruck soll bis heute sichtbar sein und gilt als Ursprung der Geschichte.
Eine zweite Überlieferung erzählt eine ähnliche Begebenheit. Diesmal soll Maria auf dem Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth gewesen sein. Auch dabei habe ihr Esel den Stein berührt und den Abdruck hinterlassen. Besonders bemerkenswert ist ein weiteres Detail der Sage. Regenwasser, das sich im Abdruck sammelt, soll selbst nach langer Zeit klar und sauber bleiben. Früher glaubten manche Menschen sogar, dass dieses Wasser heilende Kräfte besitzen könne.
Ob der Abdruck tatsächlich außergewöhnlich ist oder ob die Natur einfach ihre Spuren hinterlassen hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Genau darin liegt aber der Reiz vieler alter Sagen. Sie verbinden reale Orte mit Geschichten, die sich nie eindeutig beweisen oder widerlegen lassen.
Während bekannte Sagen oft von Drachen, Rittern oder verborgenen Schätzen handeln, erzählt die Geschichte vom Eselstritt eine ruhigere und beinahe besinnliche Legende. Sie erinnert daran, dass selbst unscheinbare Plätze eine jahrhundertealte Geschichte in sich tragen können.
Wer heute rund um Annaberg wandert, kommt an der kleinen Kapelle vorbei und kann selbst nach dem sagenhaften Abdruck Ausschau halten. Vielleicht wirkt der Stein auf den ersten Blick ganz gewöhnlich. Vielleicht regt er aber auch dazu an, sich vorzustellen, wie solche Geschichten einst an langen Winterabenden weitererzählt wurden und schließlich ihren festen Platz im niederösterreichischen Sagenschatz fanden.
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