Schilder Razim
Die große Leidenschaft für Email

Ernst Mrskos leitet in fünfter Generation die Emailfirma, die seine Ururur Großonkel Johann und Alois Razim gegründet haben.
  • Ernst Mrskos leitet in fünfter Generation die Emailfirma, die seine Ururur Großonkel Johann und Alois Razim gegründet haben.
  • Foto: Markus Spitzauer
  • hochgeladen von Andrea Hörtenhuber

Straßenschilder im typischen Blau prägen ganz Wien. Produziert werden sie am Neubau: in der Emailschilder-Erzeugung Razim.

NEUBAU. Es ist Montag Vormittag, und und ich betrete das Haus Nummer 63 der belebten Neubaugasse. Draußen eilen Hipster mit Coffee-to-go-Bechern zur Arbeit und zur Uni, drinnen werden schon seit 130 Jahren Emailschilder hergestellt. Es erwartet uns gut gelaunt Ernst Mrskos. Er leitet in fünfter Generation die Emailschildererzeugung, die seine Ururur Großonkel Johann und Alois Razim gegründet haben.

Mrskos beginnt sofort zu erzählen. Seit 1884 werden an dieser Adresse Emailschilder mit unverkennbar glänzender Oberfläche und brillanten Farben produziert. Ob es wirklich ganz genau 1884 war und ob es die Manufaktur davor schon gegeben hat, weiß man gar nicht so genau, erzählt Mrskos. Fest steht, dass alles mit der Produktion von Ziffernblättern für Uhren, Skalen für Thermometer, Kinosesselnummern und Apothekenschilder begann. Seither hat sich an der Produktionstechnik weniger verändert, als in anderen Branchen.

In der Emailschildererzeugung Razim werden immer noch jedes Straßenschild, jede Ehrentafel und jede Plakette einzeln hergestellt. Hier kommt nichts vom Fließband.

Tattoos für Straßennamen

Bei der Herstellung eines Emailschildes werden zwei Materialien durch Hitze verbunden: Metall und Emailfarbe. So entstehen Schilder, die widerstandsfähig, wetterfest und langlebig sind. Dafür wird zuerst das Stahlblech zugeschnitten und Bohrungen werden gestanzt. Anschließend kommt alles bei 800 Grad in den Brennofen, um Schmutz und Spannungen zu entfernen. Danach wird die Blechplatte in Säurebädern gebeizt, um sie endgültig von Verunreinigungen zu befreien.

In mehreren Schritten wird dann Email aufgetragen und im Brennofen mit dem Blech verbunden. Mittels Siebdrucktechnik wird das Motiv im Anschluss von Hand mit einer Rakel – eine Art Spachtel – aufgebracht. Damit die Farbe auf dem Schild hält, muss es ein letztes Mal in den Ofen. Je nach Motiv und Farbe variieren die Brennvorgänge. Für Emailtafeln, die ein mehrfarbiges, aufwendigeres Motiv haben oder die gewölbt sind, wird eine andere Technik verwendet, aber das Grundprinzip ist das Gleiche. Es erinnert an Abziehbilder, die sich Kinder als Tattoos aufkleben.

Populäre Schilder

Trotz Digitaltechniken und neuartiger Materialien blickt Mrskos zuversichtlich in die Zukunft: „Da Emailschilder nicht wesentlich mehr kosten und haltbarer sind, sind sie wieder populär geworden.“ Neben der Firma Razim stellt in Österreich nur noch ein zweites Unternehmen Emailprodukte her. Mrskos selbst freut sich, dass er nicht der einzige Produzent ist. Sonst würde man vielleicht vergessen, dass es diese Art der Herstellung überhaupt noch gibt.

Ich verabschiede mich und werfe auf dem Heimweg einen Blick auf die Straßenschilder und Hausnummern. Es kann gut sein, dass Ernst Mrskos, sein Vater oder Großvater sie mit ihrem Team produziert haben.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen