14.11.2016, 10:03 Uhr

Streit um Glashaus in Frauenkirchen

Pressekonferenz, die Erste: Reinhard Bruck, Josef Umathum und Jennifer Brunner.
FRAUENKIRCHEN. Dienstag lud die Bürgerinitiative "Freie Sicht auf Frauenkirchen" zur Pressekonferenz, am Samstag holten Bürgermeister Josef Ziniel und Landeshauptmann Hans Niessl Presse und Bürger ins "Alte Brauhaus".


Anderer Standort

Die Bürgerinitiative mit Sprecher Josef Umathum und Reinhard Bruck hoben hervor, dass sie nicht gegen das Projekt, sondern nur gegen den aktuellen Standort zwischen Frauenkirchen und Podersdorf am See, sind.
"Das Gebiet ist in der Einsichtzone des UNESCO Welterbes und außerdem ein Wasserschongebiet. Wir sind sicher keine Verhinderer, aber wir sind mit dem Projekt an diesem Standort nicht einverstanden. Die Frauenkirchner Bürger haben das Recht das Projekt kennenzulernen, bevor es realisiert wird", so die beiden.

Sprengt jede Dimension

"Was hier kommt sprengt jede Dimension", sind sich die beiden einig. "Eine 460 Meter lange Fassade kann nicht erst gemeint sein. Wir wollen offen und fair diskutieren und dass der Gemeineratsbeschluß zur Umwidmung zurückgenommen wird. Außerdem widerspricht das Projekt dem Stadtentwicklungsplan. Dieser Standort ist für so ein Projekt zu sensibel. Uns ist klar, dass die Kommunalsteuer wichtig für die Stadt ist, auch wenn wir nicht auf die von der SPÖ versprochenen 100.000 Euro, sondern nur auf etwa 55.000 Euro kommen. Wir wollen nicht verhindern, sondern nur einen anderen Standort und dass die Bevölkerung ordentlich aufgeklärt wird."

Veränderte Landschaft

Auch seitens ICOMOS hat die Bürgerinitiative jemanden eingeladen. "Das Glashaus wäre in der Sichtzone des Weltkulturerbes. Ein Bauvolumen dieser Größe wird die Landschaft nachhaltig verändern", meinte Jennifer Brunner von ICOMOS.

Gegen-Veranstaltung

Nur wenige Tage später luden dann Landeshauptmann Hans Niessl und Bürgermeister Josef Ziniel zur Pressekonferenz. Hier waren noch mehr Zuhörer zugegen, auch Josef Umathum war im Publikum. Dementsprechend heftig waren dann teilweise die Diskussionen.

Wirtschaft wichtig

So erklärten sowohl Niessl als auch Ziniel, dass ihnen die Wirtschaft wichtig sei. Es wurde auch wieder festgestellt, dass das Projekt sechs Wochen auf der Gemeinde zur Einsicht aufgelegen ist und dass 15 Abteilungen der Landesregierung weitestgehendst positive Stellungnahmen abgegeben haben.
"Bevor alle Gutachten und Stellungnahmen da waren, wäre es ein Unsinn gewesen über ungelegte Eier zu sprechen", meinte Bgm. Josef Ziniel. "Eine Veranstaltung ohne qualifizierte Aussagen bringt nichts, aber die Gegner haben sich großartig inszeniert, teilweise wohl auch aus privaten Interessen heraus."

Gemeindepolitik

Landeshauptmann Hans Niessl erläuterte auch genau, warum er sich nach 16 Jahren zum ersten Mal in Gemeindepolitik einmischt.
"Mir geht das Tricksen und Täuschen in Frauenkirchen schön langsam auf die Nerven, dementsprechend will ich meinem Bürgermeister den Rücken stärken", meinte er. "In Frauenkirchen ist man grundsätzlich einmal gegen alles. Egal ob es die Nationalparksiedlung war, das Pflegeheim oder die Einsegnungshalle. Im Vorhinein ist einmal alles schlecht. Und ich sage auch warum ich für das Projekt Glashaus bin. Weil es wichtig ist hochwertige Lebensmittel in Österreich zu produzieren. Weil wir dadurch 80 Arbeitsplätze bekommen, auch wenn der Großteil an Ungarn geht. Laut einer Studie geben Ungarn bei uns 100 Millionen Euro im Jahr aus, sprich die Wertschöpfung bleibt bei uns. Weil 100.000 Euro Kommunalabgabe für manche vielleicht wenig, für eine Gemeinde aber viel Geld ist. Und weil durch das Projekt Firmen der Region Aufträge bekommen und dadurch wieder Arbeitsplätze gesichert werden."


Brief an UNESCO

Auch für ICOMOS und UNESCO hatte Niessl eine Botschaft. "In Neusiedl und Weiden werden direkt am See Projekte mit 13 Metern Höhe gebaut. Das ist direktes Weltkulturerbe. Das ist Bauland im sensibelsten Gebiet. Da hat die UNESCO nichts dagegen und in Frauenkirchen schon? Das ist ein Widerspruch in sich und messen mit zweierlei Maß. Dementsprechend werde ich an die Organisationen einen Brief schreiben."

Bürgerversammlung

Im Anschluss an die Statements von Niessl, Architekt Werner Thell und Ziniel gab es eine heftige Diskussion, bei der Josef Umathum eine Bürgerversammlung am 18.11. ankündigte. Die Firma Perlinger und Patrick Haider werden der Bevölkerung das Projekt eingehend vorstellen. Weitere Fachexperten werden eingeladen und geben Auskunft. Beginn ist um 19.30 Uhr im Alten Brauhaus.
Auch Niessl und Ziniel kündigten weitere Veranstaltungen an.

Unterschriften

Die Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften um eine Volksabstimmung durchzuführen. Fünf Prozent wurden bereits abgeliefert, jetzt möchte man bis Dezember 25 Prozent der Frauenkirchner Bevölkerung zur Unterschrift bringen. Dann müsste eine Volksabstimmung abgehalten werden.
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