Das Eisen von Unterpullendorf
Ein Jahrtausende alter Schatz wird neu entdeckt

Mehrere Stunden lang wurde bergmännisch Eisenerz abgebaut.
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  • Mehrere Stunden lang wurde bergmännisch Eisenerz abgebaut.
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Unterpullendorf, eingebetet im Oberpullendorfer Becken, ist umgeben von archäologischen Fundstellen.

UNTERPULLENDORF. Unweit des Ortes verläuft die berühmte Bernsteinstraße, eine befestigte römische Haupthandelsroute von Aquilea nach Carnuntum. Sie gibt Hinweise auf Handel und Reisen der Zeit knapp nach Christi Geburt. Doch der größte Schatz von Unterpullendorf ist nicht etwa Gold, welches viele als wertvollstes Mineral bezeichnen würden, sondern Toneisenstein, ein Eisenerz von allerhöchster Qualität. Deshalb wurde das römische Militär durch den Kaiser in Rom beauftragt eine Handelsstraße von der Adria in den Bezirk Oberpullendorf (damals Pannonien) zu errichten.

Tonnen von Eisenerz wurden einst abgebaut

Eingebettet in einer Tonschicht liegt die sogenannte Erzader aus welcher der hochwertige Toneisenstein abgebaut wird.
  • Eingebettet in einer Tonschicht liegt die sogenannte Erzader aus welcher der hochwertige Toneisenstein abgebaut wird.
  • Foto: Andreas Rohatsch
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"Betrachtet man den Wald nördlich und nordöstlich des Ortes, den sogenannten Zerwald, so findet man hunderte trichterartige Aushöhlungen unterschiedlichster Größe. Diese sogenannten "Pingen" sind verstürzte Stollen in welchen einst Eisenerz zu Tonnen abgebaut wurde", erklären die Archäologen.
Dieser Toneisenstein wurde zur Herstellung von Eisen in sogenannten Rennöfen verwendet. Einer dieser Öfen wurden ebenfalls auf Unterpullendorfer Gebiet, direkt im Anschluss an das Pingengebiet im Süden archäologisch in den 70er Jahren ergraben. "Dieser keltische Ofen wurden von Josef Polatschek, einem Heimatforscher, welcher den Oberpullendorfer Bezirk wie kein Anderer erforschte, dokumentierte und damit zahlreiche Fundstellen aufdeckte, im Zuge seiner zahrleichen Begehungen entdeckt. In der Nähe des Ofens, freigelegt während der Errichtung des Sportplatzes, stieß er auf den heute noch sichtbaren Eisenerzaufschluss im Nordosten des heute hier befindlichen Sportplatzes", erzählt Archäologin Ela Thurner. 

Eisenerzgewinnung

Diesen Aufschluss nutzten Archäologen der Universität Wien, tatkräftig unterstützt von der Gemeinde Frankenau - Unterpullendorf und der Urbarialgemeinde Unterpullendorf, nun erneut zur Eisenerzgewinnung. "Wir nutzen das hier abgebaute Erz für Verhüttungsexperimente in einem unserer Rennöfen. Wir haben schon unterschiedlichste Erzsorten aus ganz Österreich getestet - das Erz aus Unterpullendorf ist mit Abstand das Hochwertigste zur Eisenherstellung", betonen die Archäologen. Zahlreiche Interessierte Gemeindemitglieder informierten sich vor Ort über den Abbau, die Entstehung und die Verwendung des Toneisensteines.​

Originale Grabungszeichen

Auch die Volkschule Unterpullendorf besuchte gemeinsam mit ihren Lehrerinnen die Archäologen. Diese erklärten den Kids was Eisenerz ist, wozu es verwendet wird und welche Objekte heute noch gefunden werden können. Zusätzlich durften die Schüler originale Grabungszeichnungen begutachten, ein digitales Oberflächenmodel mit den deutlich sichtbaren Pingen bewundern und mitgebrachtes Eisenerz, daraus entstandenes Eisen und Eisenabfälle anfassen. Im Anschluss wurde der Wald und die Pingen von den Schülern genauestens archäologisch untersucht. Dabei wurden von einigen Kindern Eisenerzstücke gefunden und die Wahrnehmung der Pingen im Wald gestärkt.​

Rohstofflieferant

Insgesamt wurden rund 150 Kilo Eisenerz abgebaut - die größte Erzknolle wog dabei satte 23 Kilo.
"Dieser enorme Reichtum an Eisen wurde Jahrhunderte lang genutzt, weit verhandelt und zu hochwertigstem Eisen, dem sogenannten "ferum noricum" verarbeitet. Die zugehörigen Öfen sind feinste Industriegeschichte und zeigen uns die Bedeutung der Gemeinde Frankenau-Unterpullendorf als Rohstofflieferant, prähistorischer Industriestandort und Siedlungsraum über mehrere Jahrtausende. Es ist wichtig dass die Bedeutung solch archäologisch wertvoller Orte den Menschen der Gemeinden näher gebracht werden - das ist eine unserer vielen Aufgaben als Archäologen", sagt die Archäologin Manuela Thurner, welche zur Zeit ihre Masterarbeit zum Thema Bergbau verfasst.​
Auf Grund des regen Interesses wird es im März einen archäologischen Vortrag zum Thema Eisenforschung in der Gemeinde Frankenau-Unterpullendorf geben. Zwei besonders schöne Eisenerzknollen wurden der Gemeinde übergeben.​

Autor:

Eva Maria Plank aus Oberpullendorf

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