Ein persönliches letztes Bett aus dem Sargatelier

Romana Maschek in ihrem Sargatlelier in der Fröbelgasse 37 in Ottakring.
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  • Romana Maschek in ihrem Sargatlelier in der Fröbelgasse 37 in Ottakring.
  • hochgeladen von Maria-Theresia Klenner

OTTAKRING. Nur zwei Dinge auf dieser Welt sind uns sicher: Der Tod und die Steuer. So gerne der Schenkelklopfer von Benjamin Franklin zitiert wird, so gekonnt wird das Thema Tod in unserer Gesellschaft weggeschoben. Steht der Sensenmann dann vor der Türe, erfolgt der letzte Gang in einem unpersönlichen Sarg, meist in braun gehalten, der nicht verrät, wessen Hülle hier zur Ruhe gebettet wird. Dass es auch anderes geht, zeigt Romana Maschek mit ihrem Sargatelier.

"Bei uns können Hinterbliebene den Sarg ihres Angehörigen personalisieren", so die Unternehmerin, die seit Jahresanfang in der Fröbelgasse 37 Sarg-Workshops anbietet. Nach einem Klärungsgespräch gestalten die Angehörigen den Sarg des Verstorbenen ganz individuell. "Der Sarg kann mit biologischen Lehmfarben bunt bemalt werden, etwa in den Lieblingsfarben des Toten, und mit bunten Stoffen aus nachhaltigem Schafwoll-Hanffaser-Gemisch ausgeschlagen oder überzogen werden. Es muss nicht immer braun und dunkel sein." Auch Dinge, die dem Verstorbenen wichtig waren, können verarbeitet werden. So wird etwa das Lieblingskleidungsstück zum Polster umgenäht.

Briefe und Lieblingsbücher

Die Idee, Motivsärge anzubieten, hat einen persönlichen Ursprung. "Als ich meine Eltern gestorben sind, habe ich mir Särge angesehen. Die waren braun oder weiß mit einem Messingkreuz – nichts, wo ich meine Eltern darin gesehen habe." Kurzentschlossen stellte sich Maschek die Särge in ihr Wohnzimmer und begann sie für ihre Eltern zu personalisieren. "Ich habe für meine Mutter die Seiten aus ihren Lieblingsbüchern ausgeschnitten und innen die Wände des Sarges damit tapeziert. Ich habe Briefe geschrieben und ins Kopfkissen genäht. Mir hat dieser Prozess in meiner Trauer sehr geholfen. Meine Eltern haben mir mein erstes Bett gemacht und ich ihnen ihr letztes."
Wie gut Maschek diese Tätigkeit getan hat, realisierte sie erst ein paar Monate später. "Ich habe dann beschlossen, auch anderen Menschen diese Möglichkeit zu geben. Gerade wenn jemand stirbt, sind gegenwärtige Dinge wie Malen wohltuend."

In ihrer Freundin Christine Nenning, eine Tapeziererin und Bühnenbildnerin, fand die Holzbauingenieurin eine Projektpartnerin. "Die Reaktionen in meinem Freundeskreis zu dem Projekt waren nur positiv", so Nenning. "Auch wenn viele Leute im ersten Moment irritiert sind." Für Maschek ist die Arbeit an einem personalisierten Sarg eine Option, seinen Kummer auszuleben. "Es ist viel leichter, wenn man die Trauer nicht wegschiebt. Ich biete eine Option. Und wenn jemand während der Arbeit – der Workshop dauert einen Tag – aufhört, machen wir den Sarg für ihn fertig. Es gibt keine Regel für Trauernde."
Und wie stellt sich Romana Maschek ihren Sarg vor? "Als Hobbymeeresbiologin wünsche ich mir eine Seebestattung in ein Segeltuch gewickelt! Aber das ist leider nicht erlaubt."

Zur Sache

Ein personalisierter Sarg aus dem Sargatelier kostet samt Materialien, Arbeitszeit und Transport zwischen 1.600 und 2.200 Euro. Kontakt: hallo@sargatelier.at oder 0664/569 4495. Infos: www.sargatelier.at

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