Rettet die Kamilluskirche!
Die Kamilluskirche, ein Werk des Architekten Heinrich Anton Paletz, soll abgerissen werden.
- hochgeladen von ulrike dorner
EINZIGE KAMILLUSKIRCHE ÖSTERREICHS-
EIN RAUM DES GEBETS UND DER KUNST
Heute wende ich mich an Sie bezüglich des geplantes Abrisses der Spitalskirche der Klinik Ottakring, der Kamilluskirche, meiner Gebetskirche und der Gebetskirche vieler gläubiger Menschen, die als erste und immer noch einzige Kirche Österreichs dem Heiligen Kamillus von Lellis, dem Schutzpatron der Kranken, geweiht ist.
Die Kamilluskirche im Areal der Klinik Ottakring soll bis 2032 abgerissen werden!
Zugleich ein sakraler Raum, in dem die Gebete vieler Kranker nachhallen, aber auch ein Zeugnis der Kunst mit dem Wandgemälde des spätimpressionistischen Malers Artur Brusenbauch: "Christus als Weltenrichter"- und in ihrer Architektur, erbaut vom Bauhaus-Architekten Heinrich Anton Paletz, muss einem modernen Raumkonzept weichen.
Als Kirche, die in den 1930er Jahren erbaut wurde, ist sie eine typische Vertreterin des Stils der „Neuen Sachlichkeit“, in welchem man eine Abkehr vom gefühlslastigen Stil des Expressionismus und von den Gräueln des Ersten Weltkriegs durch eine nüchterne, gesellschaftskritische und klare Linien bevorzugende Haltung vornahm.
Die Kirche wurde am 30. Oktober 1936 von Kardinal Theodor Innitzer in einer prunkvollen Feier eingeweiht.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Kirche 1939 entweiht und in einen Versammlungsraum der Partei umgewandelt.
1955 wurde die Kirche restauriert und wurde am 9. Dezember 1957 neu geweiht.
1971 fanden umfassende Restaurierungsarbeiten statt. So wurde eine Warmluftanlange samt Filter eingebaut, um die Genesung der Kranken nicht zu gefährden.
MADONNA VON EMANUEL PENDL
Dem Portal gegenüber befand sich auf einem schönen, dem großen und weitläufigen Wiesenareal vorgelagerten Platz, eine Madonnenfigur aus dem Atelier von Emanuel Pendl, die von der ehemaligen Einsegnungskapelle hierher übertragen wurde und welche nunmehr bereits den Erneuerungsarbeiten weichen musste, so dass die Abfallcontainer der Gärtnerei vor der Kirche Platz finden.
FRESKO "CHRISTUS ALS WELTENRICHTER" VON ARTUR BRUSENBAUCH
Das den gesamten Altarraum einnehmende Fresko „Christus als Weltenrichter“, das der Maler Artur Brusenbauch eigens für diese Kirche malte, muss in einem aggressiven Verfahren, das das Kunstwerk nicht wirklich in seiner Ursprünglichkeit erhält, abgetragen werden:
ABNAHME DES FRESKOS MIT GROSSEM SUBSTANZVERLUST
„ Die Abnahme oder Ablösung von Wandmalereien ist eine Restaurierungstechnik, bei der eine Wandmalerei aus ihrem architektonischen Kontext ausgebaut wird, um sie bei Gefährdungen oder Beschädigungen in situ durch die Übertragung auf einen neuen Bildträger zu sichern und zu erhalten. Allerdings handelt es sich dabei immer um einen schweren Eingriff, der mit mehr oder weniger Substanzverlust verbunden ist und zu dem man sich als ultima ratio nur entschließen sollte, wenn keine andere Möglichkeit besteht.
Techniken
Für die Abnahme von Wandmalereien sind drei unterschiedliche Techniken bekannt. Diese unterscheiden sich danach, wie viel Material vom Bildträger mit abgenommen wird. Bei Sicherung von Fresken werden in der Regel die Methode des Stacco (it. ‚Abtrennung‘) oder die des Strappo (it. ‚Abreißen‘) angewendet.“(Zitiert aus: Wikipedia)
WICHTIGER GEBETSRAUM WIRD ABGERISSEN!
Noch nie Dagewesenes passiert in dieser unserer Zeit:
Ein funktionsfähiger, gut genützter und gut erhaltener Gebetsraum, eine Kirche in ihrer gesamten Funktionalität, ein Kunstdenkmal, wird abgerissen!
Sie weicht einem modernen Spitalsbau, wo es einen interkonfessionellen Gebetsbereich für alle Konfessionen geben wird.
GROSSE NUTZBARE FREIFLÄCHEN RUND UM DIE KIRCHE
Das Areal rund um die noch bestehende Kirche besteht aus vielen nutzbaren Freiflächen.
DENKMALGESCHÜTZT ZWISCHEN 2005 UND 2014
Ich wende mich entschieden gegen diese Entscheidung des Bundesdenkmalamtes, das die Kirche zwischen 2005 und 2014 denkmalgeschützt hatte und dies dann mit einer fadenscheinigen Begründung revidiert hat:
"dass an der Erhaltung des Bauwerks infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht.“,
sowie:
["dass die Prüfung der Kirche ergeben habe, dass ihr architektonisch kein öffentliches Erhaltungsinteresse laut Denkmalschutz zugeschrieben werden konnte. (sic!) Der Bau wirkt trotz moderner Materialien wenig repräsentativ, orientiert sich an traditionellen Kirchenformen, ist innen weitgehend schmucklos (sic!) und fügt sich ohne klaren Zusammenhang in die umliegenden Spitalsgebäude ein.“ (Zitiert aus: Wien Wiki)
KIRCHE IM STIL DER "NEUEN SACHLICHKEIT"- EIN ARCHITEKTONISCHES ZEITDOKUMENT
Diese Argumentation des Bundesdenkmalamtes wirkt auf mich beinahe wie von einem Nicht-Sachverständigen erstellt, stellt sie dadurch doch alle Stilkriterien des Stils der „Neuen Sachlichkeit“ und des „Bauhaus“ infrage. Diese war eine Kunst, die nach den Aufbrüchen und Utopien der Avantgarde im Sinne einer Desillusionierung wieder zum Gegenstand, zum Alltagsobjekt, einem klaren Bildkonzept und einer objektivierenden Darstellungsweise zurückgefunden hat.
So heißt es bei Ursula Horn (1972), dass die Neue Sachlichkeit, indem sie das Dinghafte, Statische und Nüchterne hervorhebe, Züge der technizistischen Grundhaltung des modernen Ingenieurwesens reflektiere, eine Sicht der Realität, wie sie der kapitalistischen Rationalisierung entspräche.“
Der Abbruch könnte daher auch als Entsorgung des „unbequemen Erbes aus totalitärer Zeit“ angesehen werden. Ich sehe dieses Kleinreden als Canceln der Geschichte an. (Siehe dazu: Inge Podbrecky, "Unsichtbare Architektur - Bauen im Austrofaschismus: Wien 1933/1934-1938 ", Studien Verlag)
Weitere Vertreter dieses Stils in der Kunst sind neben Heinrich Anton Paletz auch die Architekten Karl Holey und Robert Kramreiter, sowie Sergius Pauser und Rudolf Wacker und in der Literatur Bertold Brecht, Erich Kästner, Erich Maria Remarque, sowie der Maler Otto Dix.
Der Architekt Heinrich Anton Paletz besitzt einen Eintrag im Architektenlexikon. Er ist auch der Erbauer des Röntgenpavillons in Favoriten.
Die von ihm erbaute Kamilluskirche ist die einzige, dem Heiligen Kamillus geweihte Kirche Österreichs.
KUNST IST GEISTIGES ERBE UND IDENTITÄT!
Ich ersuche Sie in diesem Schreiben im Namen aller gläubigen und aller kunstsinnigen Menschen, den Abriss der Kirche und ihrer darin befindlichen Kunstwerke, eines einzigartigen Kulturgutes Österreichs und historischen Denkmals und ein Zeichen des Glaubens und des Gebetes zu überdenken!
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