Babyboom im Dorf
Albern macht es vor: 10 Prozent Neubürger in einem Jahr
- Sieben Mädels, ein strammer Bursch: Die Alberner sind stolz auf ihren Dorfzuwachs
- Foto: Eckhart Herbe
- hochgeladen von Eckhart Herbe
Spricht man über die demografische Entwicklung in Österreich, so kennt die Diskussion darüber seit Jahrzehnten nur ein Thema: Immer mehr Ältere, immer weniger Babys und Kinder. Überall? Nein - ein kleines Dorf an der Donau in der Gemeinde Mauthausen beweist das genaue Gegenteil. "Made in Albern" setzt in punkto gemeinschaftlicher Nachwuchsarbeit ein unübersehbares Ausrufzeichen.
ALBERN. "Wir gehen eben mit positivem Beispiel voran. Wenn es so weitergeht, dann gibt es in ein paar Jahren eine ganze Kindergartengruppe und dann später eine Volksschulklasse 'made in Albern'. Definitiv ein Vorbild für Mauthausen", feixt eine bestens gelaunte Gruppe Jungeltern, die zum Fototermin am Sonntagabend samt ihren Sprösslingen und der Dorffahne angerückt ist. Eine Armada an Kinderwägen parkt auf der Wiese, Babyfeeling macht sich allerseits breit.
Dass sich der Alltag in dem vor fast einem Vierteljahrhundert vom Hochwasser 2002 schwer verwüsteten Weilers unterhalb des Donaudamms nun um die schönen, ermutigenden Dinge und natürlich vor allem um den Nachwuchs dreht, ist den sympathischen Dorfbewohnern vom Herzen zu gönnen. Sie waren damals selbst noch Kinder, der Großteil wohnt noch immer im Dorf, teils im Elternhaus, teils in Neubauten. Einige Familien sind zugezogen und haben die Alberner Einwohnerzahl so auf 80 erhöht.
Sieben Mädels und ein Hahn im Korb
Acht Babys innerhalb von 12 Monaten sorgen nun für exakt zehn Prozent Zuwachs. Genau ein Jahr liegt zwischen dem ältesten und der jüngsten Neubürgerin. Leano ist bereits ein aufgeweckter Knirps. Er wurde am 8. 8. 2025 geboren und hat unter den Damen seiner Altersklasse nun die große Wahl. Ist er doch der einzige Bub im Nachwuchsteam. Die kleine Antonia erblickte hingegen als Jüngste erst vor knapp sechs Wochen, am 9.8.2026 das Licht der Welt. Drei junge Damen - Anna Katharina, Josefine und Frieda Mona - machten den heurigen Juli zum Top-Babymonat, Freia und Julia wählten den Frühling, Amelie beleuchtete mit ihrer Geburt für ihre Eltern den nebeligen November des Vorjahrs.
Gelebte Dorfgemeinschaft
Zusammenhalt wird in Albern großgeschrieben - in guten und schlechten Zeiten. "Alle vier Jahre gibt es ein großes zweitägiges Dorffest, das ich heuer schon zum sechsten Mal - das letzte grad erst vor ein in paar Wochen - organisiert habe. Ehrensache, dass alle dabei sind - von den Bewohnern der jahrhundertealten Bauernhäuser bis zu jenen, die erst gerade neu gebaut haben", erzählt Johann Rockenschaub. Er hat "natürlich" auch die fröhliche Babyrunde zusammengetrommelt und fungiert als stolzer Großvater von Leano.
Sein Haus stand wie viele weitere 2002 bis zum ersten Stock unter Wasser - kurz nach einer umfangreichen Renovierung. Ans Wegziehen haben er und seine Frau wie auch die anderen Alberner dennoch nie gedacht. Auch nicht Sohn Kevin, der das Hochwasser als Schüler miterlebt hat, aber mit seiner Jasmin ebenfalls hier den Nachwuchs großziehen will.
Sogar offizielle Dorffahne
Alle im Ort haben damals die Ärmel hochgekrempelt, gemeinsam aufgeräumt und ihre Dorfgemeinschaft so vertieft. Zusammenhalt, der auch heute noch unvermindert gilt. Als Symbol dafür wird seit einigen Jahren sogar eine offizielle, nach allen amtlichen Vorgaben genehmigte Dorffahne gehisst. Dass unter ihr nun neben den älteren Kindern und Geschwistern bald das Lachen und fröhliche Herumtollen von acht weiteren Knirpsen für Wohlfühlmomente sorgen wird, ist eine der ermutigenden, guten Geschichten in unserer stürmischen Zeit.
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