Bezirk Perg
Als die Pest und das Fleckfieber wüteten

Das Kriegsgefangenenlager Mauthausen ging als „Seuchenlager“ in die Geschichte ein. Anfang 1915 wütete hier das Fleckfieber.
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  • Das Kriegsgefangenenlager Mauthausen ging als „Seuchenlager“ in die Geschichte ein. Anfang 1915 wütete hier das Fleckfieber.
  • hochgeladen von Michael Köck

Das Corona-Virus hält uns derzeit in Atem – Epidemien kamen aber in der Geschichte immer wieder vor.

BEZIRK PERG. Von der „größten Gesundheitskrise“ seit der Spanischen Grippe ist derzeit die Rede. Vor gut 100 Jahren, 1918, starben an der besonders tückischen Form der Influenza weltweit zwischen 25 und 50 Millionen Menschen. Österreich beklagte 21.000 Todesopfer. Anders als jetzt zählten gerade besonders gesunde Menschen zwischen 20 und 40 Jahren zur Risikogruppe. So wie heute wurden Schulen und Kinos von Amts wegen geschlossen.

Extrem hohes Fieber bis zu 42 Grad

Weniger bekannt ist das Fleckfieber, das in unseren Breiten grassierte. Anfang 1915 war es im Kriegsgefangenenlager Mauthausen aufgrund verheerender hygienischer Zustände ausgebrochen. Vom „Seuchenlager“ spricht Historiker Ernst Gusenbauer aus Ried in seinem Buch „Krieg, Seuchen und kein Stück Brot“, das sich mit dem Lager auseinandersetzt.

Historiker Ernst Gusenbauer: „Hunger, Schmutz und das Leben auf engstem Raum steigerten die Infektionsgefahr.”

Das Fleckfieber forderte hier 7.000 Menschenleben – der Großteil serbische Kriegsgefangene. Aber auch viele Menschen aus der Bevölkerung starben. Weil zivile Arbeiter die ansteckende Krankheit verbreitet hatten. Bekanntestes Todesopfer: Der Linzer Bischof Rudolph Hittmair besuchte trotz Warnungen erkrankte Gefangene und steckte sich an.

Gemeindearzt infizierte sich

Überträger der Krankheit, die unbehandelt in 40 Prozent der Fälle zum Tod führt, ist die mit dem Bakterium infizierte Kleiderlaus. Auch mehr als die Hälfte der 60.000 österreichischen Gefangenen in ausländischen Lagern starb zur Zeit des 1. Weltkrieges daran. Meist tritt extrem hohes Fieber mit bis zu 42 Grad auf. „Von entscheidender Bedeutung für einen glücklichen Ausgang waren körperliche Robustheit und ein leistungsfähiges Herz“, so Gusenbauer. Für medizinisches Personal war das Berühren verlauster Personen gefährlich. Auch der damalige Mauthausner Gemeindearzt infizierte sich, überlebte aber.
Die Isolierung von Erkrankten war schon damals im Epidemiegesetz streng geregelt. Räume und Gegenstände, die im geringsten Verdacht standen, verseucht zu sein, wurden behördlich desinfiziert. Bei Vernachlässigung der Anzeigepflicht der Krankheit drohten strenge Strafen. Die Versuche, einen Impstoff herzustellen, blieben erfolglos. Durch verschiedene Hygiene-Maßnahmen gelang es schließlich, die Verlausung in Mauthausen zu bekämpfen. Ende März 1915 wurde für das Lager das Verebben der Seuche verkündet.
Heute tritt Fleckfieber kaum mehr auf, mit Antibiotika heilt es meist folgenlos ab.

Der Schwarze Tod & Typhus

In Perg erinnert eine Hochsäule bei der Kirche an die 1681 wütende Pest. Der frühere Standort in der Nähe des Bahnhofs könnte auf einen Pestfriedhof hindeuten. Im Heimatbuch heißt es: „Pestepidemien, die nicht selten als Strafe Gottes empfunden wurden, suchten immer wieder unsere Gegend heim. Manche Höfe und Dörfer waren ‚ausgestorben‘ und wurden nicht wieder besiedelt.“ Im Zusammenhang mit Seuchen werden auch Ruhr, Fäulnis- und Darmfieber, Blattern, Typhus und Cholera erwähnt.
1684 fallen in Münzbach 150 Menschen der Pest zum Opfer. Fünf Pestsäulen erinnern an diese schlimme Zeit. Im Totenbuch der Pfarre Grein ist zu lesen: 1679/1680 starben mehr als 100 Personen. Auch 1683 und 1684 waren Pestjahre.
1797 kamen kranke und verwundete französische Soldaten nach Grein. Im Feldspital brach Typhus aus. 172 Menschen starben dort in zwei Monaten. 1813 kam es durch französische Gefangene zu einer ähnlichen Epidemie mit vielen Toten.

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