Das Wunder der Auferstehung im Seniorenheim

Juri mit Multerberger im Seniorenzentrum Rasarit, Sonnenaufgang, der Organisation Neoumanist in Straseni, Moldawien.
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  • Juri mit Multerberger im Seniorenzentrum Rasarit, Sonnenaufgang, der Organisation Neoumanist in Straseni, Moldawien.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Robert Zinterhof

SARMINGSTEIN. „Wenn du kommst, geht die Sonne auf“, sagte Juri zu Astrid Multerberger, wenn sie sein Zimmer betrat. Dabei legte er seine Hand aufs Herz und lächelt. Juri lebt in einem Seniorenheim in Moldawien. Genauer gesagt im Seniorenzentrum Rasarit, Sonnenaufgang, der Organisation Neoumanist in Straseni. Ein halbes Jahr massierte die pensionierte Ergotherapeutin den halbseitig gelähmten Mann, der sein Bett nicht verlassen konnte und machte mit ihm Bewegungsübungen. Schließlich war der Mann so weit, mit Unterstützung aufstehen und aus dem Fenster hinausschauen zu können.
„Im Winter ist in Sarmingstein nicht viel los. Im Garten schon gar nicht.“ Daher entschied sich die rüstige Seniorin anderen Menschen zu helfen und meldete sich bei Voluntaris. Das ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des solidarischen Handelns durch Freiwilligeneinsätze in Entwicklungsprojekten weltweit. Das besondere an Voluntaris ist, dass die Einsätze für Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung, Altersdurchschnitt 57 , organisiert werden.
Astrid Multerberger spricht mehrere Sprachen, auch Rumänisch und etwas Russisch. Das hat den Aufenthalt wesentlich erleichtert. Nach einer Reihe von jungen Kurzzeit-Voluntären war sie die erste, die länger blieb. „Meine Aufgaben im Seniorenheim habe ich mir erobert“. Neben Ergotherapie, Physiotherapie und Massagen hat Astrid Multerberger die Senioren geduscht, beim Ankleiden und Essen geholfen. Sie war überall im Einsatz, wo sie gebraucht wurde. Bald war sie der Liebling aller. Sie war die gern gesehene „Dotschka“, das Töchterchen.
Im Senioren-Tageszentrum unterrichtete die Sarmingsteinerin Englisch. Deshalb, weil viele Kinder und Enkelkinder ausgewandert sind. Auch in der städtischen Bücherei hielt sie einen Englisch-Kurs für die Mitarbeiter. Als das lokale Fernsehen über ihre Arbeit berichtete, kamen „Hilfsanfragen“ auch von außerhalb des Seniorenheims. Astrid Multerberger hat mit dem mobilen Dienst Menschen zu Hause besucht. Sie hat die Armut gesehen, die kalten Öfen in den Häusern, weil das Holz fehlt. Wenn man weiß, dass es in Moldawien Renten zwischen 30 und 60 Euro gibt, weiß man, wie groß die Not ist. Den Aufenthalt der Senioren im Heim unterstützen Kinder und Enkelkinder, die im Ausland leben.
Im Seniorenheim wurde nicht um 17 oder 18 Uhr ins Bett gegangen. Abendessen war erst um 18 Uhr. Wer wollte, spielte um 21 Uhr noch Karten. Dem Personal in einem armen Land war wichtig, persönliche Wünsche der Betagten zu erfüllen. Vormittags gab es Beschäftigungsaktivitäten wie Basteln, gemeinsames Kochen, Singen und Vorträge oder auch Schönheitspflege, wenn die mobile Friseurin kam. Nachmittags war die tägliche Turnstunde angesagt.
Astrid Multerberger hat viel gegeben in diesem ärmsten Land im Osten Europas. „Ich habe so viel Zuneigung, Liebe und Achtung erfahren. Von jedem Menschen kann man was lernen. Ich habe so viel zurückbekommen.“ Gerne denkt Astrid Multerberger an die Zeit in Moldawien zurück.

Bilder: privat

http://www.voluntaris.at/international/index.php/

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