Statue von unbekanntem Meister
Zu dieser Madonna pilgerten einst Tausende
- Die Pilger-Verantwortlichen Karl Hahn, Johann Hofer und Sonja Leimhofer mit Bürgermeister Manfred Fenster, am Hochaltar in der Mitte die Madonna mit Kind.
- Foto: MeinBezirk Perg/Köck
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Die Pfarre Dimbach will die ehemalige Wallfahrts-Tradition in einer modernen Weise neu aufleben lassen. Im Marienmonat Mai waren drei Besuchergruppen vor Ort.
DIMBACH. Vor langer Zeit pilgerten zahlreiche Menschen nach Dimbach. Zur 1147 erstmals urkundlich erwähnten gotischen Pfarrkirche "Maria am grünen Anger". Auch wenn das Gotteshaus von außen eher schlicht erscheint, verbirgt sich im Inneren so mancher "Schatz". Allen voran eine beinahe lebensgroße, aus Holz geschnitzte Gnadenstatue von Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm.
Spätgotisches Kultbild
Diese Skulptur aus dem 15. Jahrhundert stellte wohl früher das Ziel vieler Wallfahrer dar. Angefertigt wurde sie von einem unbekannten Meister, sie dürfte aus dem Umkreis der Werkstatt des Kefermarkter Altares stammen. Während die Statue heute am Hochaltar thront, befand sie sich früher auf einer Säule. Als Wallfahrtsmadonna war sie mit kostbaren Gewändern umgeben. Die Kronen auf den Häuptern wurden in der Barockzeit ergänzt. Der Höhepunkt der Wallfahrt nach Dimbach erstreckt sich von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
- Blick auf Kirche und Franz-Xaver-Müller-Haus
- Foto: Violetta Wakolbinger
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"Pilgern mit allen Sinnen"
Die Pfarre will nun wieder vermehrt Interessierte ansprechen. "Wir wollen das Ganze beleben, es soll eine etwas modernere Wallfahrt sein. Ein Pilgern mit allen Sinnen: Für Körper, Geist und Seele", sagt Johann Hofer. Geboten werden eine besinnliche Andacht und Führungen durch Kirche und Franz-Xaver-Müller-Haus. Der Priester und Komponist Franz Xaver Müller (1870 - 1948) gilt als bekanntester Sohn der Gemeinde. Präsentiert werden im Zuge der Tour auch die unverkennbaren schwarz-weißen Schafwoll-Fäustlinge "Dimbacher Schecken". Auf Wunsch runden regionale Gaumenfreunden die Pilgerfahrt ab.
Erste Gruppen zeigten sich begeistert
Bürgermeister Manfred Fenster spricht von einem "frischen, neuen Zugang". Vorstellbar sei es beispielsweise auch, für Radfahrer oder Motorrad-Gruppen eine Wallfahrt anzubieten. Im Marienmonat Mai besuchten drei Gruppen den Wallfahrtsort Dimbach: Fußwallfahrer aus St. Georgen am Walde, Propst Klaus Sonnleitner vom Stift St. Florian und eine Gruppe aus dem oberen Mühlviertel, sowie die Katholische Frauenbewegung Eferding. Von den Besuchern gab es viel Lob.
Einnahmen flossen in Ausstattung
Durch die Wallfahrt im 17. und 18. Jahrhundert lukrierte die Pfarre hohe Einnahmen. Das ist auch der Grund für die heute prächtige barocke Ausstattung. Sonja Leimhofer weiß von den Besonderheiten in und um die Kirche zu berichten: die prachtvolle Kanzel, der barocke Hochaltar von 1682, vier Heiligenfiguren aus dem 18. Jahrhundert, die Lourdesgrotte mit Marienstatue von etwa 1900 sowie die Franz-Xaver-Müller-Orgel von 1972 sind einige davon. "Wir haben ein Juwel, was die Ausstattung der Kirche betrifft. Das wissen viele nicht", betont der Bürgermeister. Mit einem Augenzwinkern merkt er an: "Was wir jetzt noch brauchen, ist ein Wunder."
- Auch einige Souvenirs gibt es.
- Foto: MeinBezirk Perg/Köck
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Sechs Beichtstühle, Häuser mit Schankrecht
Karl Hahn hat zur einstigen Bedeutung der Wallfahrt recherchiert. Im von ihm verfassten Heimatbuch ist unter anderem zu lesen: Im 17./18. Jahrhundert verfügte jedes Bürgerhaus im Ort die "volle Schankgerechtigkeit", konnte also die zahlreichen Wallfahrer bewirten und beherbergen. Auch durften acht Märkte abgehalten werden. Dimbach wurde laut Pfarrchronik "von den entferntesten Gegenden her besucht", von "Tausenden von Wallfahrern" ist die Rede. Trotz des beschwerlichen Weges. Vermutlich wurden hierher Bußwallfahrten unternommen. In der Hochblüte waren sechs steinerne Beichtstühle rund um die Kirche angebracht und bei Bedarf mit Priestern aus dem Stift Waldhausen besetzt.
- Bürgermeister Manfred Fenster, Sonja Leimhofer, Karl Hahn und Johann Hofer vor der Lourdesgrotte mit Marienstatue im Außenbereich.
- Foto: MeinBezirk Perg/Köck
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Niedergang als Wallfahrtsziel
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Dimbach laut Aufzeichnungen wohl nur mehr eine regionale Bedeutung als Pilgerort. Der Niedergang hängt mit den Kirchenreformen von Joseph II. und der Aufhebung des Stiftes Waldhausen zusammen. Dadurch fiel die priesterliche Betreuung von Dimbach weg. Ein weiterer Grund lag im Aufleben von Maria Taferl als Wallfahrtsort in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor Dimbach dann noch mehr Bedeutung.
Hintergrund der Marienverehrung
Wie Sonja Leimhofer erzählt, geht die Marienanbetung vermutlich auf eine alte Legende zurück. Laut der Sage sollte die Kirche ursprünglich am Gruberberg errichtet werden. Allerdings trugen Tauben die Baumaterialien immer wieder an den jetzigen Standort. Und am dritten Tag soll auch die Gottesmutter Maria erschienen sein. Geweiht ist die Kirche dem Fest Maria Himmelfahrt.
Gruppen können eine Tour buchen. Kontakt: pilgern@pfarre-dimbach.com, 07260/75 07-77
Siehe auch:
Infos zur Kirche auf der Pfarr-Homepage
Geschichte der Wallfahrt im Heimatbuch Dimbach
Hinweis zu Quellen: Informationen beruhen auf der Pfarrchronik und der Dissertation "Untersuchung zu den Marianischen Wallfahrtsstätten im Unteren Mühlviertel" von Kurt Lettner
Innenausstattung der Kirche im Heimatbuch Dimbach
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