29.11.2017, 00:00 Uhr

Weihnachten als das Fest der Schulden

Attraktive Angebote locken Kunden in der Vorweihnachtszeit an. Nach den Feiertagen erfolgt die Ernüchterung. (Foto: panthermedia.net/sabphoto)

Besonders in der Weihnachtszeit geraten viele Menschen durch unüberlegte Einkäufe in die Schuldenfalle.

BEZIRK PERG. Der 24. Dezember naht, das Weihnachtsgeld ist auf dem Konto und jetzt noch schnell Geschenke kaufen. Doch nach den besinnlichen Tagen erfolgt oftmals die Ernüchterung: Konto überzogen. "Nach Weihnachten verzeichnen wir eine Steigerung der Anfragen um bis zu 20 Prozent im Vergleich zum Jahresschnitt", erklärt Julia Stingeder von der Schuldnerhilfe Oberösterreich. Jeden Montag führt die Schuldnerberaterin Beratungsgespräche in der Bezirkshauptmannschaft Perg durch. Ein überzogenes Konto ist alles andere als ein Geschenk. "Mit Sollzinsen bis zu 13 Prozent kann eine Kontoüberziehung eine finanzielle Krise weiter verschärfen."
Für Stingeder sind vor allem die gestiegenen Lebenskosten in Kombination mit gleichzeitig geringer werdenden Einkommen ausschlaggebend. "Die Menschen befinden sich bereits in finanziell angespannten Lebenssituationen. Schulden sind dann nicht förderlich." Gerne vergessen Menschen außerdem, dass in zwölf Monaten das nächste Weihnachtsfest ansteht. Und auch während des Jahres warten finanzielle Überraschungen. Schnappt die Schuldenfalle trotz allem zu, gilt es Ruhe zu bewahren. Zuerst sollte man sich einen Überblick über die tatsächliche Lage verschaffen. Zwei Dinge gibt es dabei zu beachten: Ehrlich zu sich selbst zu sein und je früher man reagiert, desto besser. "Ist man sich seiner Situation bewusst, sollten ein Rückzahlungsplan erstellt und mit den Gläubigern Vorschläge ausverhandelt werden", so Stingeder. Wird man dennoch nicht Herr der Lage, rät die Expertin zu einem Schuldner-Beratungsgespräch. "Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich."

Neues Gesetz

Seit 1. November hilft auch ein Gesetz, Menschen in Privatkonkursen das Leben zu erleichtern. "Die Mindestquote von zehn Prozent wurde abgeschafft, gleichzeitig die Laufzeit des Abschöpfungsverfahrens von sieben auf fünf Jahre gesenkt." Dadurch soll einkommensschwachen Personen eine zweite Chance gegeben werden. "Natürlich profitiert auch die Volkswirtschaft davon, wenn Menschen möglichst rasch wieder auf die Beine kommen und als Konsument aktiv am Leben teilnehmen können."

Prävention in jungen Jahren

Um gar nicht erst in die Schuldenfalle zu geraten, legt die Schuldnerhilfe Oberösterreich besonderen Wert auf präventive Arbeit. Vor allem Jugendliche sollen sich frühzeitig mit Konsum- und Finanzthemen auseinandersetzen. "Mit vielfältigen Angeboten, wie dem Finanzführerschein, versuchen wir, das finanzielle Bewusstsein schon möglichst früh zu stärken", so Stingeder.

Die Schuldnerhilfe OÖ gibt Tipps, damit Weihnachten nicht zur Schuldenfalle wird:

• Vorab ein Budget zurechtlegen und daran halten.
• Ausgaben an persönliche Möglichkeiten anpassen.
• Spontankäufe vermeiden.
• Entspannt einkaufen gehen und die starken Einkaufstage vermeiden.
• Ratenzahlungen vermeiden, ansonsten warten Belastungen auf längere Zeit.
• Einkäufe bar anstatt mit der Kreditkarte bezahlen.
• Schenken ist nicht gleichbedeutend mit kaufen. Die besten Geschenke gibt es oft nicht im Geschäft.
• Gemeinsam mit den Liebsten angemessene Beträge für Geschenke festlegen.
• Für Geschenke nicht das Konto überziehen.
• Rechnungen und Kassazettel aufheben, um nach Weihnachten Waren umtauschen oder zurückgeben zu können.
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