29.11.2017, 11:00 Uhr

Wut und Verzweiflung! Vorzeige-Lehrling vor Abschub

Shafiqulla Shinwari, Hannes Hochstöger

Verzweiflung und Wut in einer Landgemeinde. Pfarrassistent Josef Rathmaier denkt an Kirchenasyl.

PABNEUKIRCHEN. Sylvia und Hannes Hochstöger verstehen die Welt nicht mehr. Genauer gesagt die österreichsiche Asylpolitik. Verzweifelt stehen sie zu dritt da. Das Unternehmerehepaar und ihr Lehrling Shafiqulla Shinwari aus Afghanistan. Sie halten den negativen Asylbescheid in der Hand.

Noch vor wenigen Wochen wurde die Spenglerei und Dachdeckerei wegen der vorbildlichen Lehrlingsausbildung mit dem INEO Award 2017 von der Wirtschaftskammer dekoriert. Die Freude darüber ist verflogen. Die Urkunde ist nur mehr ein wertloses Stück Papier. Bis am 7. Dezember muss sich der ausgezeichnete Lehrling, der schon drei Jahre in Österreich lebt, bei der Rückkehrberatung melden. Es war zu wenig, dass sein Vater von den Taliban ermordet wurde und dass „Schaffi“ wie ihn alle liebevoll rufen, einen Drohbrief der Taliban bekam.

Sylvia und Hannes Hochstöger: „Wir suchen schon Jahre Lehrlinge und Facharbeiter. Jetzt haben wir einen Lehrling, der als Analphabet schnell Deutsch lernte und die Berufsschule mit Bravour schaffte. Seit Schaffi den negativen Bescheid in der Hand hält, bangen wir, dass nichts passiert. Er, der immer so fleißig ist, ist am Ende, kann momentan nicht arbeiten.

„Wirtschaftskammer muss protestieren“

Schaffi wohnt in einem Haus der Familie Hochstöger. Eines ist klar: Pabneukirchen wird „ihren Schaffi“ nicht hergeben. Derzeit werden Aktionen auf Gemeindeebene und Pfarrebene erörtert.
Hochstöger: „Jetzt muss auch die Wirtschaftskammer handeln, sich hinter uns stellen und einmal gegen diese unmenschliche Asylpolitik protestieren. Es kann nicht sein, dass immer mehr Facharbeiter gesucht werden, dass Asylwerber-Lehrlinge mit Geld gefördert und dann abgeschoben werden. Wenn es sein muss, werden wir mit unseren Mitarbeitern und Freunden nach Linz fahren und gegen diese menschenverachtende Politik protestieren.


"Letzter Schritt ist Kirchenasyl"

Entsetzt zeigt sich Pfarrassistent Josef Rathmaier und schreibt an die Bezirksrundschau: "
Ich kenne den Lehrling Shafiqulla Shinwari, der bei der Firma Hochstöger arbeitet als sehr sympathischen Menschen. Die Information über den Negativ-Bescheid hat mich zutiefst schockiert und wütend gemacht. Wie kann man einen Menschen abschieben, dessen Vater von den Taliban ermordet und er selbst schriftlich mit dem Tod bedroht wurde. Die Rückkehr ist für ihn das Todesurteil. Diese Unmenschlichkeit schreit zum Himmel."
Zudem lernt er gerade Spengler, der in Österreich zu den Mangelberufen gehört. Er nimmt keinem anderen einen Arbeitsplatz weg. Auch das Unternehmen Hochstöger wird hier brüskiert, nämlich wirtschaftlich und menschlich.
Ich persönlich werde alles tun, dass Shafiqulla Shinwari nicht nach Afghanistan abgeschoben wird. Mein letzter Schritt ist, dass ich ihm Kirchenasyl gebe. Dem Protest in der Gemeinde Pabneukirchen schlossen sich in der Zwischenzeit auch Bürgermeister Johann Bucberger, Vizebürgermeisterin Barbara Payreder und viele Unterstützer an.

Die Begründungen des negativen Asylbescheids lesen sich so:

„…Sie haben sich bereits integriert und eine Lehre als Spengler begonnen. Ihre gelungene Integration ist lobenswert…Es besteht keine besonderen sozialen Kontakte, die Sie an Österreich bänden…Es kann nicht festgestellt werden, dass Sie im Falle einer Rückkehr von den Taliban bedroht werden…In den ersten acht Monaten wurden insgesamt 16.290 sicherheitsrelevante Vorfälle von den UN registriert…“. Es wird aber informiert, dass der Lehrling nicht in seine Provinz zurückgehen kann, soll in das sichere Kabul gehen.
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