03.09.2014, 20:00 Uhr

Kritik von Randsportart: „Die Fördergelder für uns sind ein Witz“

Kreative Suche nach Sponsoren: Die Wettkampfhürden werden an Förderer verkauft. Am Foto vom sportteam-st-georgen: Martin Bachl, Tanja Fererberger, Katharina Steininger, Jana Kreindl. (Foto: Privat)

Kritik von Sportler und Funktionär. Pergs Schwimm-Star David Brandl zittert um seine Karriere.

PERG, ST. GEORGEN AN DER GUSEN (mikö). Am vergangenen Wochenende fand in St. Georgen das größte Leichtathletik-Meeting aller Zeiten im Bezirk Perg statt (siehe Zum Bericht). Hinter den sportlichen Kulissen brodelt es. Stefan Bachl vom sportteam-st-georgen kämpft seit Jahren um mehr öffentliche Mittel und Sponsoren. „Die Fördergelder der öffentlichen Hand und der Dachverbände für die Leichtathletik sind ein Witz und praktisch nicht vorhanden“, nimmt er sich kein Blatt vor den Mund. „Beispielsweise wurde unserem Sportteam nach unzähligen Ansuchen, Schreiben und Telefonaten jetzt der immense Jahresförderungsbetrag von 170 Euro zugesagt.“ Trotz großer Erfolge: Die Teenager Jacob Mayer und Zabeullah Nasari liefen zu Medaillen bei nationalen Titelkämpfen. Anita Bachl-Pichler ist mehrfache Masters-Weltmeisterin.

Gelder gehen an den Fußball
Private Sponsoren seien schwer zu finden. „Wie sicher auch anderswo, gehen sämtliche Sponsorengelder an den Fußball“, so Bachl. Das Jammern helfe aber nichts. So hat man kürzlich eine „Hürdenaktion“ gestartet, bei der die Wettkampfhürden um je 100 Euro an Leichtathletik-Förderer „verkauft“ werden. Der größte Wunsch derzeit sei die Anschaffung von einheitlichen Dressen und Trainingsbekleidung für die Athleten. „Derzeit haben wir nicht einmal einheitliche Wettkampfleibchen“, sagt Bachl.

Kampf um‘s Überleben
Gar nicht rosig ist auch die finanzielle Situation von Österreichs bestem Schwimmer. Dabei kann sich die Karriere des Pergers David Brandl sehen lassen: EM-Dritter, Weltcup-Zweiter, WM- und Olympiateilnehmer. Bei der Schwimm-EM in Berlin vor zwei Wochen musste der 27-Jährige das Halbfinale erreichen, um seinen Status als Heeressportler nicht zu verlieren - das gelang ihm. „Ich bin sehr froh, sonst hätte ich meinen Sport aufgeben müssen. Das Geld reicht ohne Bundesheer nicht. Das ist ein Problem in Österreich. Schwimmen ist eine Randsportart, in der man nicht so viel verdienen kann. Ich stecke alles ins Schwimmen und muss schauen, dass ich über die Runden komme.“ Sponsoren zu finden sei auch für einen Schwimmer auf seinem Niveau schwierig: „Ich habe viele angeschrieben, wenige haben Interesse. Ich bin sicher nicht jemand, der auf großem Fuß lebt. Es geht nicht um tausende Euro, ich gebe mich mit wenig zufrieden.“

Sponsorensuche schwierig
Die Sponsorensuche behindere das Sportliche: „Ich trainiere täglich: Fünf Stunden am Tag im Wasser, zwei Stunden an Land. Oft noch mehr. Daneben Sponsoren zu suchen ist nicht leicht. Einen Manager kann ich mir nicht leisten.“
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