Freiwillige Feuerwehr Hafnerbach Markt
Drohnen als zusätzliches Auge der Feuerwehr
- Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hafnerbach Markt Erich Zöchbauer und der 1. Kommandant Stellvertreter Roland Schaberger mit den verschiedenen Einsatzdrohnen.
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Sechs Drohnen, Wärmebildkameras und speziell ausgebildete Piloten: Die FF Hafnerbach-Markt setzt seit 2023 auf modernste Technik. Im MeinBezirk-Interview erzählen Erich Zöchbauer und Roland Schaberger, wie Drohnen bei Bränden, Suchaktionen und Katastropheneinsätzen zum entscheidenden Helfer aus der Luft werden.
NÖ/HAFNERBACH. Moderne Technik ist aus dem Feuerwehrwesen längst nicht mehr wegzudenken. Die Freiwillige Feuerwehr Hafnerbach-Markt setzt dabei seit Jänner 2023 verstärkt auf Drohnentechnik. Im Gespräch mit MeinBezirk erzählen Feuerwehrkommandant Erich Zöchbauer und sein erster Stellvertreter Roland Schaberger, wie sich der Drohnentrupp entwickelt hat, welche Möglichkeiten die sechs Einsatzdrohnen bieten und warum die Technik bei Bränden, Suchaktionen und Katastropheneinsätzen einen entscheidenden Unterschied machen kann.
- Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hafnerbach Markt Erich Zöchbauer.
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Von der Idee zum eigenen Drohnentrupp
Die Drohnengruppe der FF Hafnerbach-Markt gibt es seit Jänner 2023. „Damals haben wir begonnen, uns intensiv mit der Drohnentechnik und den Möglichkeiten für den Feuerwehreinsatz auseinanderzusetzen. Aus den ersten Erfahrungen ist mittlerweile eine gut ausgebildete und technisch sehr umfangreiche Drohnengruppe entstanden“, erzählt Schaberger.
- 1. Kommandant Stellvertreter Roland Schaberger
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Die entscheidende Initialzündung dafür war eine Abschnittsübung zum Thema Waldbrand im Herbst 2022. „Dort kamen wir erstmals intensiver mit moderner Drohnentechnik in Berührung. Wir waren sofort davon überzeugt, welche Möglichkeiten sich dadurch für die Feuerwehr ergeben.“ Gerade bei Wald- und Vegetationsbränden, aber auch bei Suchaktionen und größeren Einsatzstellen könne eine Drohne den Einsatzleitern einen völlig neuen Überblick verschaffen. „Deshalb war für uns schnell klar: Diese Technik wollen wir auch in Hafnerbach nutzen.“
Von Beginn an war klar, dass dafür mehrere besonders interessierte Feuerwehrmitglieder notwendig sind, die bereit sind, viel Zeit in Ausbildung und Übungen zu investieren. „Entscheidend war aber von Anfang an, dass wir das Thema nicht als ‚Spielzeug einzelner Kameraden‘ sehen, sondern als Einsatzmittel für die gesamte Feuerwehr.“ Schritt für Schritt wurden deshalb eine eigene Struktur und mehrere ausgebildete Piloten aufgebaut.
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Sechs Drohnen für unterschiedliche Aufgaben
Mittlerweile stehen der FF Hafnerbach-Markt sechs Drohnen für unterschiedliche Einsatzbereiche zur Verfügung. Drei davon sind mit Wärmebildkameras, KI-gestützter Auswertung und bis zu 400-fachem Zoom ausgestattet. Damit können beispielsweise Wärmequellen erkannt, Personen gesucht oder größere Einsatzstellen aus sicherer Entfernung überwacht werden.
Zusätzlich verfügt die Feuerwehr über drei kleinere und besonders wendige Drohnen. Diese eignen sich unter anderem für Innenraumerkundungen oder wenn sehr schnell ein Überblick über eine Einsatzstelle benötigt wird.
Das Einsatzspektrum ist mittlerweile breit. „Wir setzen unsere Drohnen unter anderem bei Bränden, Wald- und Vegetationsbränden, Vermisstensuchen, Unwettern und Hochwasserereignissen ein.“ Auch bei größeren oder unübersichtlichen Einsatzstellen sei die Drohne eine enorme Unterstützung. „Gerade wenn sich die Einsatzleitung schnell einen Überblick verschaffen muss, können wir innerhalb kürzester Zeit Bilder aus der Luft liefern," sagt Zöchbauer.
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Schneller Überblick aus der Luft
Der größte Vorteil der Technik liegt laut den Feuerwehrleuten im schnellen Lagebild aus der Luft. „Ein Einsatzleiter kann vom Boden aus immer nur einen bestimmten Ausschnitt einer Einsatzstelle überblicken. Die Drohne ermöglicht dagegen einen Blick auf das gesamte Geschehen.“
Zusätzlich können durch die Wärmebildkamera Wärmequellen erkannt werden, die mit freiem Auge überhaupt nicht sichtbar sind. „Damit können Gefahren schneller erkannt, Einsatzkräfte gezielter eingesetzt und Entscheidungen besser getroffen werden.“
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Vor jedem Einsatz wird zunächst beurteilt, ob die Drohne einen Mehrwert bringt. Die Entscheidung über den Einsatz erfolgt in Abstimmung mit der Einsatzleitung. Anschließend baut das Drohnenteam den Landeplatz beziehungsweise den sicheren Startbereich auf, führt die notwendigen Vorflugkontrollen durch und startet die Drohne.
Während des Fluges werden Bilder und Wärmebilder laufend beobachtet. „Das Entscheidende ist dabei nicht nur das Fliegen selbst, sondern die Auswertung der gewonnenen Informationen.“ Die Einsatzleitung erhält dadurch ein aktuelles Lagebild und kann auf dieser Grundlage weitere Maßnahmen planen.
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Umfangreiche Ausbildung notwendig
Grundsätzlich kann sich jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau für die Aufgabe interessieren. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Ausbildung nach Dienstanweisung des NÖ Landesfeuerwehrverbandes und die notwendige praktische Ausbildung in der Stationierungsfeuerwehr.
„Das Steuern einer Einsatzdrohne ist wesentlich mehr als einfach eine Drohne zu fliegen. Man muss die Technik beherrschen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen kennen, die Wetterbedingungen einschätzen und gleichzeitig verstehen, was die Einsatzleitung von den Bildern benötigt.“
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Die Ausbildung ist entsprechend umfangreich. Neben technischen Grundlagen und rechtlichen Bestimmungen geht es um das praktische Fliegen, Wetter, Luftraum, Akkumanagement, Flugplanung, Wärmebildtechnik, Bildauswertung und vor allem um das Verhalten im Einsatz. „Ein Drohnenpilot muss auch unter Stress ruhig und konzentriert arbeiten können. Deshalb ist regelmäßiges Training für uns besonders wichtig.“
Auch bei Suchaktionen im Einsatz
Die Drohne ist mittlerweile ein regelmäßiger Bestandteil des Einsatzgeschehens der FF Hafnerbach-Markt. Besonders häufig kommt sie bei Bränden, Suchaktionen und größeren Einsatzstellen zum Einsatz. Zusätzlich wird die Technik bei Übungen und zur Rehkitzsuche genutzt. „Gerade dort können wir verschiedene Szenarien trainieren und gleichzeitig unsere Fähigkeiten mit der Wärmebildtechnik und der Auswertung verbessern.“
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Auch andere Feuerwehren können die Drohnengruppe zu Einsätzen hinzuziehen. Gemeinsam mit den Drohnengruppen der FF Frankenfels, der Abschnittsdrohnengruppe Purkersdorf und der FF Haunoldstein deckt die Gruppe derzeit den gesamten Bezirk St. Pölten ab. Benötigt eine andere Feuerwehr beziehungsweise eine Einsatzleitung Unterstützung, kann die zuständige Drohnengruppe über die BAZ St. Pölten angefordert werden.
„Das ist auch ein wesentlicher Gedanke hinter der Drohnentechnik: Eine Drohne macht nicht an der Gemeindegrenze Halt. Gerade bei größeren Waldbränden, Suchaktionen oder Katastropheneinsätzen kann eine zusätzliche Drohnengruppe einen erheblichen Vorteil bringen.“
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Waldbrand in Weyersdorf bleibt in Erinnerung
Besonders beeindruckt hat die Hafnerbacher Drohnengruppe der Waldbrand in Weyersdorf. „Dort merkte man, wie schnell sich die Situation aus der Luft anders darstellt als vom Boden.“ Gerade bei größeren Bränden oder weitläufigen Einsatzstellen könne die Drohne innerhalb kürzester Zeit Bereiche kontrollieren, die für Einsatzkräfte am Boden nur sehr schwer einsehbar sind.
„Wenn man beispielsweise eine Wärmequelle erkennt, die vom Boden aus nicht sichtbar ist, kann das für die weitere Einsatztaktik entscheidend sein.“
Die Wärmebildtechnik kann dabei auch Überraschungen liefern. „Gerade mit der Wärmebildkamera können wir Dinge erkennen, die mit freiem Auge nicht sichtbar sind, wie Glutnester im Wurzelbereich oder unter der Erde.“ Immer wieder komme es vor, dass aus der Luft plötzlich Wärmequellen, Glutnester oder andere Auffälligkeiten entdeckt werden, die vom Boden aus zunächst nicht erkennbar waren.
Hilfe bei Vermisstensuche
Auch bei Vermisstensuchen bietet die Technik große Vorteile. Große Waldflächen, Felder oder unübersichtliches Gelände können aus der Luft wesentlich schneller abgesucht werden. „Besonders die Wärmebildkamera bietet dabei große Vorteile. Ein Mensch kann sich in einem großen Suchgebiet sehr gut verstecken oder von dichter Vegetation verdeckt sein – aus der Luft kann eine Wärmequelle jedoch unter Umständen deutlich schneller erkannt werden.“
Die Drohne ersetzt dabei keine Suchmannschaft oder Rettungshunde. „Aber sie kann die Einsatzkräfte gezielt unterstützen und Suchbereiche schneller eingrenzen.“
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Technik hat auch ihre Grenzen
Natürlich kann auch eine Drohne nicht bei jedem Wetter eingesetzt werden. „Starker Wind, Regen, Gewitter oder andere extreme Wetterbedingungen können einen Flug unmöglich oder zu gefährlich machen.“ Die Sicherheit stehe immer an erster Stelle. Vor jedem Einsatz müssten deshalb Wetter, Wind, Sichtverhältnisse und die örtlichen Gegebenheiten beurteilt werden.
Auch die Flugzeit hängt stark vom eingesetzten Drohnentyp, den Wetterbedingungen und dem jeweiligen Einsatz ab. Bei längeren Einsätzen arbeitet die Gruppe deshalb mit mehreren Akkus und einem entsprechenden Ladekonzept. „Gerade bei größeren Einsätzen ist ein gutes Akkumanagement entscheidend. Die Drohne soll schließlich nicht gerade dann landen müssen, wenn sie am dringendsten benötigt wird.“
Wichtiger Bestandteil moderner Einsatzführung
Die Drohnentechnik hat die Arbeit der Feuerwehr verändert. „Die Drohne ist für uns mittlerweile ein wichtiger Bestandteil moderner Einsatzführung geworden.“ Früher musste sich die Einsatzleitung viele Informationen ausschließlich vom Boden aus beschaffen. Heute können innerhalb kürzester Zeit Bilder aus der Luft geliefert und dadurch eine zusätzliche Perspektive geschaffen werden.
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„Gerade bei größeren und unübersichtlichen Einsätzen ist die Drohne mittlerweile kaum mehr wegzudenken.“
Wenn ein Wärmebild oder ein Luftbild dazu beitragen kann, eine Gefahrenstelle schneller zu erkennen oder eine vermisste Person zu finden, bekomme die Technik einen ganz anderen Stellenwert.
Hoher technischer Aufwand
Eine professionelle Drohnengruppe ist mit erheblichen Kosten verbunden. Neben den Drohnen werden unter anderem Akkus, Ladegeräte, Ersatzteile, Transportlösungen und weitere technische Ausrüstung benötigt.
„Heute beginnt ein DJI M4TD BOS Set bei ca. 9.000 Euro plus Service und Wartung sowie die Lizenzgebühr zur Nutzung von DJI FlightHub 2, eine DJI-eigene Softwarelösung zur Daten- und Bildübertragung, wobei es nach oben fast keine Grenzen gibt.“
Finanziert wird die Ausstattung durch eine Kombination aus Feuerwehrmitteln, Unterstützung und Förderungen von Gewerbebetrieben und des BFKDO. „Besonders wichtig ist dabei auch die Unterstützung durch die Bevölkerung und unserer Gemeinden.“
Entwicklung geht weiter
Bei der technischen Entwicklung erwarten die Feuerwehrleute in den kommenden Jahren noch große Fortschritte. „Wir stehen mit dieser Technik erst am Anfang. Die Entwicklung schreitet unglaublich schnell voran.“
Vor allem bei künstlicher Intelligenz, Wärmebildtechnik, automatisierter Bilderkennung und der Auswertung großer Datenmengen werden weitere Entwicklungen erwartet. „Unsere Aufgabe wird es sein, diese Entwicklungen sinnvoll für den Feuerwehreinsatz zu nutzen. Die Technik soll dabei immer den Menschen unterstützen und bessere Entscheidungen ermöglichen.“
Auch andere Feuerwehren können sich laut FF Hafnerbach-Markt mit dem Aufbau eines Drohnentrupps beschäftigen. „Natürlich kann und sollen sich auch andere Feuerwehren mit diesem Thema beschäftigen. Es gibt hier kein Vorrecht.“
Das Ziel im Bezirk St. Pölten sei sogar, dass langfristig jeder Feuerwehrabschnitt über eine eigene Drohnengruppe verfügt. „Dadurch könnten die Einsatzkräfte noch schneller auf diese wichtige Technik zurückgreifen.“ Die Drohnentechnik werde dabei nicht als Konkurrenz gesehen, sondern als zusätzliche Möglichkeit, die Sicherheit im gesamten Feuerwehrwesen zu erhöhen.
„Für uns ist die Drohne deshalb weit mehr als eine fliegende Kamera – sie ist ein zusätzliches Auge der Einsatzleitung und kann im richtigen Moment einen entscheidenden Unterschied machen," so die Feuerwehrleute.
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