Der Fall von Robert Tomann
Vom Totengräber von Purkersdorf zum Palliativ-Patienten
- MeinBezirk zu Besuch bei Robert Tomann. Ein Mann, der trotz zahlreicher Schicksalsschläge den Menschen Mut und Hoffnung geben möchte.
- Foto: Lauren Fahrenberger / MeinBezirk
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Er gilt als medizinisches Wunder. Zu viele Unfälle und Erkrankungen hat Robert Tomann bereits überstanden. Gegenüber MeinBezirk erzählt der ehemalige Totengräber von Purkersdorf seine Leidensgeschichte. Ein Auszug.
PURKERSDORF. Er war der Totengräber von Purkersdorf. Hat bekannte und weniger bekannte Gesichter der Stadt unter die Erde gebracht. Und wieder ausgegraben, wenn nach zehn Jahren das Grab nicht weiterbezahlt wurde. Darunter sein bester Freund genauso wie die Urli-Tant' von nebenan.
- Robert Tomann war über zehn Jahre für die Stadtgemeinde Purkersdorf am Friedhof tätig.
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Im Nachhinein eine ehrenvolle Aufgabe, wie Robert Tomann sagt. Er hat sich auch bemüht, das Rundherum schön zu halten. Unter ihm blühte der Purkersdorfer Friedhof auf. Doch das ist Vergangenheit. Aktuell strengt Tomann schon die Runde ums Haus an. Er ist ein Palliativ-Patient.
Geist über Körper
Robert Tomann sitzt in seiner Gemeindewohnung in Purkersdorf. Auf den ersten Blick wirkt er nicht so krank, wie es die Krankenakten belegen. Entspannt sitzt er auf der Lehne seiner blauen Couch. Sein Outfit ist lässig. Jeans-Leder-Jacke, Schirmkappe, an fast jedem Finger ein Ring mit buddhistischen Symbolen. Auch um seinen Hals trägt er ein Buddha-Amulett. Ein Geschenk eines Mönchs aus einem buddhistischen Kloster in Thailand. "Solange du dieses Amulett trägst, wirst du nicht sterben", sagt der Geistliche damals zu Robert Tomann.
- Das Buddha-Amulett nimmt der praktizierende Buddhist niemals ab.
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Er hat es seither kein einziges Mal abgelegt. Auch nicht, wenn er beim Security-Check zum Gericht oder am Flughafen dazu aufgefordert wurde. Er bestand auf seine Glaubensfreiheit, Respekt und Würde. Tomanns Wille ist stark, sein Körper schwach.
Schicksalstag
Sein gesundheitlicher Zustand verschlimmerte sich dramatisch im Jahr 2021. Nach einer routinemäßigen Endoskopie der Speiseröhre, aufgrund seiner toxischen Lebererkrankung, bekam Robert Tomann zehn Tage später seine erste Covid-19-Impfung (Comirnaty). Er äußerte gegenüber der Ärztin seine Bedenken, ob sich seine Vorerkrankungen mit der Impfung vertragen würden. Er bekam den Stich. Es war der Vormittag des 22. Oktobers 2021. Dann ging alles sehr schnell.
Zu Beginn noch fit, bekam der Purkersdorfer in der zweiten Nacht, gegen 4 Uhr früh, Blut zu spucken. Sein Bauch war aufgebläht. Unerträglich Schmerzen. Die Rettung brachte ihn ins Universitätsklinikum St. Pölten.
Es kam zu einer sogenannten Ösophagusvarizenblutung. Dabei platzen die Krampfadern in der Speisröhre aufgrund zu hohen Drucks der Leberpfortader. Lebensbedrohlich. Den Auslöser führen die Ärzte aktuell mit "hoher Wahrscheinlichkeit" auf die Covid-19-Impfung zurück. Tomann fiel drei Tage lang ins Koma. Er wachte als ein anderer Mensch auf. Geistig und körperlich.
Fünf Jahre später
Heute lebt Robert Tomann mit den schweren gesundheitlichen Folgen von jenem Oktober. Anämie (Blutarmut), Polyneuropathie (Erkrankung des Nervensystems), onkologische Probleme (Verdacht auf Knochenmarkserkrankung). Dazu kommen die schweren Organschäden. Eigentlich bräuchte der 46-Jährige eine neue Leber. Aufgrund der Blutarmut ist eine Transplantation aber zu riskant. Der Erfolgschancen stünden sowieso schlecht.
- Nach zahlreichen Krankheiten kann Tomann den Alltag heute nur noch schwer bewältigen.
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Daher erhält der gelernte Maurer jetzt eine unbefristete Invaliditätspension, hat eine 70-prozentigen Behinderungsgrad und einen Behindertenausweis. Die Ärzte haben ihn als palliativ eingestuft. "Die Diagnose bedeutet für mich nicht, dass das Leben vorbei ist. Es bedeutet, dass jeder Tag zählt", betont Tomann.
Würde und Rechtssprechung
Aktuell kämpft Tomann vor Gericht um eine finanzielle Entschädigung aufgrund der Impfung. Und um die Anerkennung der Folgen durch den Eingriff. Nicht erst einmal wurde der Termin kurzfristig verschoben. Am 08. Oktober 2026 sollte die Entscheidung aber fallen. Es wäre für Robert Tomann ein Zeichen der Gerechtigkeit und der Würde.
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