Krank sein ist auch keine Lösung
Premiere in Purkersdorf von "Der eingebildete Kranke"
- Theatervereins-Obfrau Sonja Schauer als begeisternde Dienerin Toinette (li.) mit Julia Pauxberger als Tochter Angelique.
- Foto: Bernhard Baumgartner
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Mit Molières „Der eingebildete Kranke“ feierte das Theater Purkersdorf am Freitag Premiere. Geboten wurde ein ebenso aufwendiger wie kurzweiliger Theaterabend, der zeigt, wie wenig sich die Menschen in 350 Jahren verändert haben.
PURKERSDORF. Früher waren es Tinkturen, Klistiere und obskure Wundermittel, heute sind es Nahrungsergänzungsmittel, Apps, Vital-Tracker und die ständige Suche nach Symptomen im Internet. So groß ist der Unterschied zu Molières Zeiten gar nicht, findet Regisseurin Regina Sykora im Gespräch mit MeinBezirk. Und tatsächlich: Molières „Der eingebildete Kranke“, immerhin mehr als 350 Jahre alt, wirkt erstaunlich gegenwärtig. Der französische Dramatiker hätte seine helle Freude an einer Gesellschaft, die ihre Schritte zählt, den Puls überwacht und bei jedem kleinen Wehwehchen gleich Dr. Google und Prof. Chatty konsultiert.
Am Freitagabend feierte die Komödie im Purkersdorfer Stadtsaal Premiere. Der Andrang hätte durchaus größer sein dürfen, der Begeisterung auf der Bühne tat das jedoch keinen Abbruch. Was das Theater Purkersdorf unter der Regie von Regina Sykora auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen: ein enormer Aufwand bei Bühnenbild, Kostümen (Traude Eibner) und Ausstattung, eine Inszenierung mit Tempo und Witz und vor allem ein Ensemble, dem man die Freude am Spielen anmerkt.
- Wunderbar leidend: Johann Pauxberger als Argan, der eingebildete Kranke.
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Im Mittelpunkt steht Johann Pauxberger als Argan, ein Mann, der sich für schwer krank hält und seine Umgebung damit gehörig auf Trab bringt. Pauxberger spielt diesen Hypochonder mit sichtlichem Vergnügen und dem nötigen Gespür für die Komik der Figur. Seine ideale Gegenspielerin ist Sonja Schauer als schlagfertige Dienstmagd Toinette. Schauer, die auch als Obfrau an der Spitze des Theatervereins steht, überzeugt mit Temperament, Präsenz und einem sicheren Gefühl für Pointen. Die beiden tragen den Abend, ohne die anderen an die Wand zu spielen.
- Regisseurin Regina Sykora (li.) schuf einer kurzweilig-amüsanten Inszenierung in Traude Eibners herrlich opulenten Kostümen.
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Besonders erfreulich ist auch Julia Pauxberger als Argans Tochter Angélique, die sich gegen die Heiratspläne ihres Vaters behaupten muss. Überhaupt stimmt die Ensembleleistung: Die zwölf Darstellerinnen und Darsteller fügen sich zu einem lebendigen Ganzen, in dem auch die kleineren Rollen ihren Platz finden. Die aufwendigen Kostüme und die liebevolle Ausstattung tun ein Übriges, um Molières Welt auf die Bühne zu holen.
Großes Theater seit 1990
Dass hinter einer solchen Produktion enorm viel Arbeit steckt, versteht sich von selbst. Das Theater Purkersdorf gibt es seit 1990, als eine Gruppe theaterbegeisterter Menschen mit Hofmannsthals „Jedermann“ am Hauptplatz begann. Heute gehören zwei große Produktionen zum jährlichen Programm: im Sommer auf der Freiluftbühne im Steinbruch Dambach und im Herbst im Stadtsaal. Dabei greift der Verein nicht nur auf bekannte Stücke zurück, sondern entwickelt auch eigene Stoffe. Regina Sykora arbeitet bereits am nächsten Sommerprojekt.
- Früher selbst auf der Theaterbühne, nun auf politischem Parkett: Bürgermeisterin Jasmin Klemmer-Schlögl begrüßte mit Regisseurin Regina Sykora die Premierengäste.
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Zurück zu Molière, dessen letztes Stück „Der eingebildete Kranke“ auch eine makabre Pointe der Theatergeschichte bereithält. Am 17. Februar 1673 erlitt der bereits schwer kranke Dramatiker während einer Aufführung, in der er selbst den Argan spielte, einen Zusammenbruch. Er starb wenige Stunden später.
Noch bis 24. Oktober
In Purkersdorf darf man über diesen "Kranken" noch bis 24. Oktober lachen. Und vielleicht denkt danach der eine oder andere beim nächsten Griff zum Handy kurz darüber nach, ob wirklich jedes Bauchzwicken medizinisches Eingreifen verlangt.
Weitere Vorstellungen: 10., 11., 16., 17., 18., 23. und 24. Oktober im Stadtsaal Purkersdorf. Weitere Informationen unter www.theater-purkersdorf.at
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