Ärztin aus Leidenschaft
- Zwei Missionsärztliche Schwestern aus Indien zusammen mit Reinhard Heiserer.
- Foto: privat
- hochgeladen von Elisabeth Rosen
Eine große Außerfernerin würde am 16. März ihren 120. Geburtstagfeiern: Missionarsärztin Dr. Anna Dengel.
AUSSERFERN. Anlässlich des 120. Geburtstages von Anna Dengel am 16. März 1892 gründet der heute in Wien lebende Tiroler Reinhard Heiserer den Förderverein „Freunde Anna Dengels“. Als Außerferner kannte er von jung an die Geschichte Anna Dengels aus Erzählungen und Zeitschriften.
Anna Dengel wurde am 16. März 1892 als Älteste von neun Kindern in Steeg geboren. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ging Anna Dengel zur Pensionatsschule der Heimsuchungsschwestern nach Hall. Nach der Schulausbildung half sie als Lehrerin im Schulunterricht aus und ging dann nach Lyon/Frankreich, um Deutsch zu unterrichten. Dort erfuhr sie durch Zufall von der englischen Ärztin Dr. Agnes Mc Laren, die junge Ärztinen bei ihrer Ausbildung unterstützte und Ihnen die Möglichkeit gab in Indien tätig zu sein.
Medizinstudium
Für Dengel war dies ein Wink des Himmels: „Das ist die Antwort auf meinen größten Wunsch und meine tiefste Sehnsucht: eine Missionarin zu sein mit einem bestimmten Ziel im Auge, eine dringend notwendige Aufgabe zu übernehmen, die nur Frauen erfüllen können. Es ist der Traum meiner Kindheit,“ schrieb die junge Frau in einem Brief.
Dr. Mc Laren empfahl ihr die Universität in Cork/Irland, da für Indien ein britisches Diplom vonnöten war und Cork eine katholische Universität hatte. Dengel zog also dorthin vervollständigte ihr Englisch und bestand die Aufnahmeprüfung. Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges beschloss sie ihr Studium in Irland abzuschließen und promovierte 1919 als einzige Ausländerin. Direkt im Anschluss bemühte sie sich um ein Visum für Indien, bereits im Oktober 1920 begann sie ihre schwierige Tätigkeit in Indien. Doch schon nach drei Jahren des Praktizierens in Indien spürte die junge Ärztin eine tiefe innere Dunkelheit.
Neue Wege
Ein Priester in Rawalpindi – damals Britisch-Indien, heute Pakistan –, dem sie sich in ihrer inneren Ratlosigkeit anvertraut hatte, war der Meinung, sie habe eine religiöse Berufung und riet ihr, in einen Missionsorden einzutreten. Damals war es Ordensleuten nicht erlaubt, die Medizin in vollem Umfang auszuüben, daher war sie von dem Vorschlag zunächst nicht überzeugt. Schließlich tat sie es aber doch.
Nach den Exerzitien in Rom fand sie in drei Mitschwestern, einer Ärztin und zwei Krankenschwestern, Verbündete in ihrer Idee eine Ordensgemeinschaft mit missionsärztlicher Ausrichtung zu gründen. Sie bildeten eine sogenannte »Pia Societas« (fromme Gemeinschaft).
Erst als 1936 eine päpstliche Instruktion erging, die das Kirchenrecht änderte und den vollen medizinischen Dienst erlaubte legten die Frauen die Gelübde ab. Die Gemeinschaft wuchs rasch und breitete sich über Asien, Ostasien, Afrika, Europa und Lateinamerika aus.
Die Schwestern heute
Die Missionsärztlichen Schwestern engagieren sich noch heute gemeinsam mit den assoziierten Mitgliedern und anderen für ganzheitliche Heilung mit und für andere in Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika. Sie arbeiten mit Menschen am Rande der Gesellschaft und in schwierigen Lebenslagen, besonders Frauen und Kindern. Außerdem sind sie in Projekten für Wasser, Nahrung und gesundheitliche Versorgung sowie alternative ganzheitlich orientierte Gesundheitsfürsorge tätig. Auch Projekten zur Überwindung von Alkohol- und Drogensucht und in der Arbeit mit AIDS-Kranken und AIDS-Waisen werden von ihnen unterstützt und geleitet. Doch auch in vielen anderen Bereichen sind die Schwestern aktiv.
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