18.11.2016, 09:57 Uhr

Südtiroler Siedlung Reutte

REUTTE (rei). Friedlich steht sie da, besonders jetzt im Herbst: Die Südtiroler Siedlung in Reutte gehört seit ihrer Errichtung fest zum Reuttener Ortsbild. Vorübergehend waren die einfach gebauten Mietshäuser in einem eher schlechten Zustand, dann begannen zunächst die Bewohner und später die Marktgemeinde Reutte als Eigentümerin mit Sanierungsarbeiten.
Viel Geld wurde investiert. Zentrumsnahm bieten die Häuser heute auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Grundstück vielen Menschen eine günstige Wohnmöglichkeit. Alles "paletti" möchte man meinen, aber ganz so ist das nicht. Im Hintergrund gibt es einen Streit, welcher das Verwaltungsgericht beschäftigt.
Mit Bescheid vom 18.07.2011 hat das Bundesdenkmalamt die Südtirolersiedlung samt Außenanlagen unter Denkmalschutz gestellt. Betroffen davon sind alle Gebäude sowie die Grünanlagen. Für die Gemeinde Reutte als Eigentümerin war es nicht nachvollziehbar, warum man diese Siedlung unter Denkmalschutz stellen sollte und legte Berufung ein. Das war am 5. August 2011.
Es wurde still um die Angelegenheit. Erst am 25. Juni 2015, rund vier Jahre später, ließ das Bundesdenkmalamt wissen, dass man die Berufung nun bearbeiten werde.
Der Einspruch der Gemeinde fußt im Wesentlichen auf zwei Punkten: auf inhaltliche Rechtswidrigkeiten und unrichtige rechtliche Tatsachenfeststellungen und die Befangenheit der Gutachterin. Letztere ist nämlich eine Angestellte des Bundesdenkmalamtes, also jener Institution, welche die Unterschutzstellung selbst veranlasst hatte.
Die Gemeinde bekam Recht: "Der Beschwerde wurde wegen Befangenheit der Gutachterin stattgegeben und damit der Bescheid vom 18.07. 2011 aufgehoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines allfällig neuen Bescheides an das Bundesdenkmalamt zurückverwiesen", erklärt Bürgermeister Luis Oberer.
Erledigt ist die Sache damit aber nicht. Das Bundesdenkmalamt hat seinerseits gegen diesen Bescheid vom 01.08.2016, also gegen die Feststellung der Befangenheit Revision eingelegt. Eine Entscheidung darüber liegt noch nicht vor.

Bürgermeister Oberer schüttelt nur mehr den Kopf. Er versteht nicht, warum von 43 Südtiroler Siedlungen, die es in Österreich gibt, nur Reutte und Kematen für die Unterschutzstellung ausgewählt wurden. "Ich sehe da nichts schützenswertes", sagt der Gemeindechef und fügt aber gleich hinzu, dass es ihm, bzw. der Marktgemeinde, fern liegt, die Sidelung abzureißen. "Allein in den vergangenen sechs Jahren haben wir 1,2 Millionen Euro in die Sanierung der Siedlung investiert. Im Budget der Gemeinde werden dafür jedes Jahr entsprechende Mittel eingeplant. Die Gemeinde wird diesen eingeschlagenen Weg auch weiterhin beibehalten. Wir wollen auch künftig die 154 Wohnungen auf einem möglichst guten Niveau erhalten und verbessern, aber dazu brauchen wir keinen Denkmalschutz!"
In der Unterschutzstellung sieht Oberer nur Nachteile. "Alle Maßnahmen, die wir planen, müssten wir dann mit dem Denkmalschutz abstimmen." Und das mache alles nur unnötiger Weise komplizierter. Außerdem empfindet es Oberer als komisch, dass eine Siedlung, in der über die Jahre hinweg schon viel verändert wurde, plötzlich denkmalgeschützt werden soll: "Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, Häuser mit Kunststoffenstern unter Schutz zu stellen?" verweist er auf die schon durchgeführten baulichen Veränderungen, die jetzt aber nicht mehr rückgängig zu machen sind.
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