19.10.2016, 09:57 Uhr

"Wir müssn wieda wetterelastischer werden"

Zusammen mit den Franz Ruhmanseder von den "Windharmonikern" (vorne) begibt sich Hans Gessl alias "Wetterhans" am 22. Oktober auf einen ganz besonderen Themenspaziergang: das "Raaber Wetterschauen". (Foto: Verein Raaber Museen)

Er weiß, wann's donnert oder schneit: "Wetterhans" Hans Gessl blickt seit zwanzig Jahren gen Himmel.

RAAB. Zusammen mit den Windharmonikern begibt sich der Wetterhans am 22. Oktober auf einen besonderen Themenspaziergang. Im Interview erzählt er, was es damit auf sich hat, dass es gerade den O-pril zu bestaunen gibt und wieso wir alle wetterelastischer werden sollten.

Am 22. Oktober findet das „Raaber Herbst-Wetterschaun“ statt. Was kann man sich darunter vorstellen?
Gessl: Vor der Zeit der klassischen Metereologie, da haben die Leute 'Wetter g'schaut'. Sie haben am Morgen zum Fenster rausgschaut, gerochen, gespürt. Denn wie der Morgen beginnt, sagt schon viel darüber aus, wie das Wetter sich den Tag über entwickelt. Das war früher ganz selbstverständlich. Die Bauern mussten etwa abwägen, ob es Zeit fürs Gras oder Getreide ernten ist – dazu brauchten sie ja drei Tage und es musste trocken sein. Und für ihre Prognosen gingen sie dorthin, wo das Wetter passiert, nämlich nach draußen. Das ist auch das, was ich mit den Wetterschauen bezwecken will: Zum einen dass die Leute sich wieder mehr dort ums Wetter bemühen, wo es passiert – draußen. Zum anderen dass sie mehr wetterelastisch werden, wie ich es nenne.

Was heißt wetterelastisch?
Die Leute müssen lernen aus jedem Wetter das beste zu machen. Nicht immer über jede Wetterlage schimpfen – zu heiß, zu kalt, zu regnerisch. Die Natur und das Wetter so akzeptieren, wie es ist. Und mehr positive Wetterfühligkeit an den Tag legen, das Wetter wieder mehr spüren. Wetterfühligkeit ist heute ein eher negativ besetzter Begriff, das muss nicht sein. Der Raaber Franz Stelzhammer war für mich ein Inbegriff für positive Wetterfühligkeit. Der war bei jeden Wetter draußen und hat das Wetter in vielen seiner Werke thematisiert. Wie sagte er so schön: Man muss ja ned gegn den Wind gehn, sondern du kannst es auch anders machen.

Sie werden ja beim Themenspaziergang von den Windharmonikern musikalisch begleitet. Musik und Wetter, passt das zusammen?
Unbedingt. Wetter ist ein lebendiges Element, wo viele Geräusche passieren. Für das Wetterschauen braucht's deshalb musikalische Begleitung. Und mit der Harmonika kann man Wind machen – das passt. Mit Franz Ruhmanseder aus Münzkirchen haben wir sogar einen Schärdinger mit an Bord und mit der Musikerin Eike Sunshine, die in Raab das erste Mal dabei sein wird, ist unser 'Wetterhäusl' komplett. Musikalisch wird's sehr vielfältig: Klangteppiche, Raaber Wetter-Rap, Wetter-Gstanzln, uralte Wetterandachten aus dem 18. Jahrhundert – die wurden früher abgehalten um das Wetter zu besänftigen – und eine Raaber Kröppen-Klangperformance.

Kennen Sie Raab und seine Umgebung?
Ich war im Juni das erste Mal da. Ich schau mir alle Wetterschaun-Orte vorher an, denn diese werden dann auf die örtlichen Gegebenheiten und wetterbedingten Besonderheiten angepasst.

Welche Besonderheiten haben Sie entdeckt?
Höhepunkt ist sicher die Kellergröppe, die ist für mich ein Wetter-Kulturerbe. Das Wetter hat der Gröppe seine heutige Form gegeben, hat sie ausgeschwemmt. Die gigantischen Wurzeln der Bäume halten Sand, Erde, Kies und letztendlich auch die Gröppe zusammen. Wirklich unbeschreiblich.

Es ist das vierte und letzte Wetterschauen im heurigen Jahr. Welches Publikum sprechen Sie damit an?
Wir haben Teilnehmer quer durch alle Generationsschichten. Die Jüngsten sind 20 Jahre, dann geht's bis hinauf ins hohe Alter. Anfangs sind sie einfach nur interessiert, dann kippt die Sache schnell und viele wollen wissen, wieso es aktuell so viel Regen gibt und so viele Extreme. Dazu haben wir uns was ganz besonderes einfallen lassen: Die "Ode an die Öde" musikalisch angelegt an die "Ode an die Freude". Damit zeigen wir wie viel Land durch die Verödung verloren geht. Das Wetterschauen soll nicht nur ein informativer Spaziergang sein, sondern zum Nachdenken anregen.

Sie sprachen gerade davon, dass wir uns aktuell mitten im "O-pril" befinden. Was ist das?
Das ist ein Phänomen, das seit Jahren heuer das erste Mal wieder derart stark auftritt. Es lässt sich als Pendant zum klassischen April sehen. Da spielt das Wetter fallweise verrückt, aber eben nicht im April, sondern im September und Oktober. Hitzetage wie sonst im Sommer, gleich darauf viel zu kalte Temperaturen. Nicht April, sondern O-pril. Die Bezeichnung gibt's schon lange. Aus der Beobachtung solcher Wetterphänomene sind dann die Bauernregeln entstanden.

Was ist an Bauernregeln Wahres dran?
Vieles. Sie sind eben durch Wetterbeobachtungen der Leute, der Bauern, entstanden.

Sie sind vor rund 20 Jahren das erste Mal als „Wetterhans“ im Fernsehen aufgetreten. Seither beobachten Sie Wetter aus vielen Blickwinkeln. Was fasziniert Sie besonders?
Ich bin ein Morgenmensch, habe einen Südbalkon und sitze täglich mit meinem Kaffee draußen und genieße das tägliche Schauspiel. Denn das Wetter entwickelt sich jeden Tag neu. Das ist faszinierend.

Was sind die zuverlässigsten Wetterboten?
Davon gibt's viele. In der Natur etwa die Ringelblume, die Königskerze oder die Lärche. So heißt es etwa, dass es ein schöner Herbst wird, wenn die Lärche gelb wird und dass der Winter noch nicht angesagt ist, solange die Lärche noch eine Nadel trägt. Aber auch Tiere sind gute Wetterboten. Katzen, Pferde oder Schafe. Ist es draußen ungemütlich und meine Katze will unbedingt raus, so scheint oft bald danach die Sonne.

Infos zur Veranstaltung

"Raaber Herbst-Wetterschauen" mit Hans Gessl "Wetterhans" und den Windharmonikern, musikalisch untermalter Themenspaziergang von der Bründlkirche bis zur Kellergröppe, am 22. Oktober 2016, Beginn um 14 Uhr, Start bei der Bründlkirche. Kosten: 5 Euro.
Auf der Programm stehen: Würdigung aktueller Wetterheiliger, Luftdruckgymnastik, Diskussion über Wetterelement Wasser, Wetterandacht, Bodenversiegelungs-Performance, Elemente-Meditation, tierische und pflanzliche Wetterboten, die Kellergröppe als Wetter-Kulturerbe
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.