Einsamer See
von Träumen im Wiener Becken

In einer Blockhütte am See ...

... zu leben, davon träume ich seit Jugendjahren. Irgendwo in Kanadas Urwäldern, ganz allein … nach vielen Jahrzehnten hatte ich die Gelegenheit einen solchen Ort in Kanada ausfindig zu machen und mir wurde klar, dass ich dort verhungern würde, verhungern in üppigster Vegetation gewaltig übersättigter Wälder! Auch wenn die Idylle die Seele in ihrem Bedürfnis nach Ruhe und Romantik sättigt, stünde die Frage im Raum, von was man dort dann leben sollte?

Stundenlang marschiert man da also durch diese Wälder und sieht kein einziges Wildtier (die aber sehen mich), Gott sei Dank einen Bären schon mal gar nicht, aber auch keine Rehe, keinen Hasen oder sonst irgend etwas, was man sich mal schnell auf einen Grill schmeissen könnte. Die Pilze kenne ich nicht, das Angebot an Pflanzen schon gar nicht. Jagen habe ich nicht gelernt, den Umgang mit der Büchse meine ich. Und wenn ich es doch könnte und mir würde dann irgendwann mal ein essbares Tier vor die Flinte kommen, stellt sich die Frage des erfolgreichen Abschiessens und vor allem des Zubereitens! Wildbret aufbrechen, ausweiden, zerlegen, zerschneiden, Feuer machen und garen lassen.

Ich hätte keine Geduld, nein weder die noch den Jagderfolg, denn ich würde zu tolpatschig sein, ein Fremdkörper im Wald, der dort sang und klanglos verhungern würde.

Ich bräuchte also Versorgung, um so eine Hütte mit ihrer ganzen Gemütlichkeit geniessen zu können.

Gemütlichkeit ist Luxus des satten Bauches. Der Sorglosigkeit, der Sicherheit.

Ich bräuchte eine Proviantlieferung, die mir wöchentlich von einem Helikopter mit einem Seil direkt vor die Hüttentüre abgelegt wird.

Ich bräuchte einen hohen Elektrozaun, damit ich Nachts unbesorgt raus zur Toilette gehen kann.

Ich bräuchte einen Waffenschein und entsprechend das Talent dazu, um mich vor bösen Menschen schützen zu können.

W-lan.

Eine Wetterstation

Einen Brunnen mit sauberen Trinkwasser

eine Sickergrube

einen wachsamen Hund

Futter für den Hund

ein Vorratslager

ein Geräteschuppen

eine Hüttenapotheke

eine Person mit der ich mich exzellent verstehe

ganz viel Teevorräte

Wolle zum Handarbeiten, ganz, ganz viele….

zum Weben einen Webrahmen,

zum Spinnen ein Spinnrad

ein Schaf zum scheren, ein zweites Schaf, damit das erste nicht depressiv wird,

ein drittes, weil zwei Schafe geht nicht, ein viertes, einen Herdenschutzhund, weil es gibt ja Wölfe, Luchse, Koyoten und Bären und Adler.

Ich bräuchte ein Bott, da ich ja an einem See lebe,

Fischernetze und Angelzeugs,

Feuerzeuge für die nächsten hundert Jahre

einen zuverlässigen Holzlieferanten, weil ich kein Bock auf den Bock zum hacken habe.

Gardinen, selbstgehäkelte, weil ich mich sonst beobachtet fühlen würde,

Bücher, ganz, ganz viele …

Malzeugs, damit ich mir Bilder malen kann .. wegen der Gemütlichkeit in der Hütte und so weiter….

warme Decken,

eine super gute Bioschlafmatratze,

Kochutensilien

Gesichtscreme für die nächsten hundert Jahre

Olivenöl für die nächsten hundert Jahre

einmal im Monat einen Einkauf vom Chinesen abwerfen lassen

Solardach für Elektrizität

ich bräuchte ganz dringend einen Grizzly, der mich fast zu tode durch die Wildnis hetzt, bis ich eine einsame Blockhütte finde, in der ich mich sicher vor dem verstecken kann und nie wieder von einer einsamen Blockhütte in Kanada träume, sondern vom Radeln durch duftige Kornfelder zwischen Windschutzgürteln aus denen so viele Rehe und Hasen hüpfen wie sie an Anzahl die Wälder in der ganzen Menschheitsgeschichte noch nie auf einen Haufen gesehen haben, zu jeder Tages-und Nachtzeit. Rund ums Jahr. Wo die Saatkrähen wie in Hitchcocks Horrorfilm „Die Vögel“ an Zahl, auf den Pappeln sitzen und den Luftäther vollschnattern, als hätte der Himmel eine Stimme.

Wo die Rebhühner balzen in den Ackerfurchen, wo die Bussarde ihre Kreise ziehen und die Ziesel über den Radweg huschen, die Biber klatschend im Fluss verschwinden, die Reiher auf der Pirsch sind, Galloways auf der Weide ihre Kälber bekommen, wo der Lidl um die Ecke ist und ich mir zum Radeln einen Radler kaufe und weiterradle an Strommasten vorbei auf dessen Hängekabeln wilde Tauben sitzten und sich küssen, wo von der Ferne die Alpen das Panorama schmücken und von einsamen Hütten erzählen, die zugemüllt sind von Bierdosen und Erbrochenen, und allem was so die letzte Halligallijause so hinterlassen hat ….an Urinlachen und Kothäuflein, an spermastinkenden Matratzen und in Tische geritzte Anmeldungen und Abmeldungen von Buddy was here und Garry has gone und Schurli fickt alle Frauen …

Ich setz mich da einfach zwischen die Wiesen und falle ins Blau des Himmels und hab keine Angst vorm Grizzly noch vorm Hunger und der Unterversorgung, die so in wilden Wäldern den Ton angibt.

Rehe käuen wieder in einiger Entfernung liegend im Gras und beobachten mich, wie ich meinen Radler schlürfe und mein Sandwich esse … hallo auch…wohl bekomms….das Leben ist schön so mitten in der Agrarlandschaft kurz vor Wien, komisch, dass ich davon früher nie geträumt habe….
 LG
Anette

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