20.10.2014, 09:10 Uhr

Mit Zonker auf Raubfische

Die Meinung, dass das Angeln mit der Fliegenrute eher Salmonidenfischer vorbehalten bleibt,wurde vor allem in den USA schon lange widerlegt. Dort ist Fliegenfischen nicht nur weit populärer als hier; es werden auch alle Fischarten und im Speziellen Raubfische mit der Fliegenrute befischt.

In Europa hat sich das Raubfischangeln auch durch das Verbot von lebenden Köderfischen grundsächlich geändert. Gummifische, Dropshot, Wobbler und anderer Kunstköder erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Mir allerdings hat es das Streamerfischen mit der Fliegenrute angetan, speziell mit so genannten Zonkern- langen Beutefischimitationen aus Fell, die- richtig geführt- ein verführerisches Eigenleben unter Wasser entwickeln und auch in unrealistischen Reizfarben starke Lockwirkung haben.

Aber welche Zonker eignen sich besonders gut für Raubfische wie Hecht und Zander?
Ich habe meine Lieblingsmuster. Kollegen haben andere Streamer gebunden und auch gute Fangerfolge erzielt. Man könnte daraus folgern, dass Hecht oder Zander alles nehmen, so lange es nur verlockend genug vor ihrer Nase herumschwänzelt. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Farben rot und gelb besonderen Reiz auf Raubfische ausüben.

Natürlich unterscheidet sich auch das gesamte Geräte von dem für Forellen oder Äschen. Schon wegen der notwendigen Wurfweite und der Beschwerung der Streamer, aber auch wegen der zu erwartenden schweren Fische, verwendet man längere und kräftigere Ruten. Voraussetzung sind natürlich auch gekonnte Wurf- und Einstripptechnik.

Käftige Aktion. In den letzten Jahren hat sich das Wort „ Streamerrute“ eingebürgert. Was versteht man darunter? Eine Streamerrute muß kräftig in der Aktion sein, darf aber keine sogenannte Spitzenaktion haben. Sie sollte mindestens 2,75m oder noch besser 2,90m lang sein. Warum sind diese Eigenschaften wichtig? Weil man nur mit durchgehender Aktion die beim Streamerfischen notwendigen Rollwürfe gut ausführen kann.
Weil eine lange, kräftige Rute das Ausheben des relativ schweren Zonkers, aber auch der sinkenden Schnur wesentlich erleichtert und auch bessere Weitwürfe ermöglicht.
Kurz einige Worte zur Rolle. Ich persönlich gebe automatischen Fliegenrollen nicht den Vorzug, weil ich beim Drillen auf große Distanzen die Schnur lieber mit Fingerspitzengefühl führe. Allerdings haben übersetzte Rollen den Vorteil, dass lose Schnur relativ rasch während des Drills per Hand aufgerollt werden kann. Der Nachteil einer übersetzten Rolle ist, dass der Fisch beim Drill sehr vorsichtig geführt werden muss, weil durch die größere Übersetzung das Vorfach leichter reißt.
Die Größe der Rolle bestimmt die Stärke der Haupt- und Länge der Backingschnur. Bei Schnurgewichtsklassen von AFTMA 8 bis 10 und 100 Meter Backing sollten doch etwas größere Rollen verwendet werden.
Die Frage, welche Schnur-schwimmend oder sinkend- zu verwenden ist, ergibt sich aus den verschiedenen Angelmöglichkeiten am Wasser. Grundsätzlich empfehle ich für stehende Gewässer schwimmende, bei fließenden Gewässer leicht sinkende oder sinkende Schnüre.
Doch nun zu den selbst gebundenen Zonkermustern für Hechte:
Beim normalen Streamerfischen ist man zur Ansicht gekommen, das ein beschwertes Muster das leichte Spiel des Streamers unter Wasser behindert. Natürlich erleichtert ein schwerer Streamer oder Zonker das Werfen mit der Fliegenrute nicht.
Allerdings stehen Hechte oft tief am Grund, und um dorthin zu kommen, braucht man Gewicht. Daher wollte ich einen anderen Weg versuchen.
Mit zwei Freunden hatte ich die Absicht, in Ungarn einen mit Raubfischen besetzten See zu befischen. Dort sollten meine auf Jigbleihaken gebundene Hechtzonker im Vergleich zu den Gummifischen meiner Freunde, die auf den gleichen Jighaken aufgezogen waren, getestet werden.

Meine Hechtzonker habe ich folgendermaßen gebunden:

Der große Bleikopf wurde soweit abgeschliffen, dass er gerade noch mit meiner 9er Fliegenrute zu werfen war. Für die Optik klebte ich große Augen auf den Bleikopf. Das Schwänzchen des Zonkers fertigte ich statt mit nur einem, mit drei Fellstreifen an. Sie sollten beim Einstrippen gutes Spiel unter Wasser garantieren. Der Körper, der auch aus Fell angefertigt wurde, verlieh dem Streamer bei Auf und Abwärtsbewegungen pulsierendes Leben.
Eine schöne, gelbe Halskrause aus gefärbtem Hirschhaar, in Muddlerart gebunden, gab ihm den letzten Pfiff.
Der Ausflug nach Ungarn überzeugte mich von meinen Hechtzonkern voll. Ich muß zwar zugeben, dass das Werfen mit diesen schweren Mustern nicht einfach war. Doch tief am Grund geführt und über den Schottergrund gezogen, brachten sie mir acht Hechte. Der Größte maß 1,22m und auch zwei Tiere über einen Meter bissen an. Meine beiden Freunde fingen mit ihren Spinnruten und Gummifischen an diesem Tag nur einen Hecht, allerdings maß auch der 1,20 Meter.
Ich denke also, dass sich mein Eigenbaumuster, an der Fliegenrute gefischt, bestens bewährt hat und zumindest an diesem einen Tag dem Gummifisch an der Spinnrute klar überlegen war.

Ganz wichtig erscheint mir noch zu erwähnen: Ein mehrfacher kräftiger Anschlag nach dem Biss ist unbedingt notwendig! Da Hechte einen Klammerbiss haben und ihre Beute nicht gleich loslassen, begeht man manchmal den Fehler, nicht genug anzuschlagen im Glauben, der Fisch sei schon sicher gehakt. Daher kommt es immer wieder vor, dass Fische noch kurz vor der Landung verloren gehen.

Was das Vorfach beim Streamerfischen anbelangt, sollte dieses der zu erwarteten Beute angepasst werden. Hechte sind nicht sehr vorfachscheu, und außerdem fischt man oft an hindernisreichen Stellen, wo ein sanfter Drill eines gehakten Fisches unmöglich ist. Es empfiehlt sich sogar die Verwendung eines Stahlvorfaches.
Anders ist es beim Zanderfischen. Hier verwende ich Hardmono von 0,30 bis 0,40 Millimeter.
Ein normales Monofilvorfach tut es wegen des besseren Spieles des Streamers aber auch..
Da sich die meisten großen Raubfische anschleichen und den Streamer oder Zonker mit einem schnellen seitlichen Vorstoß schnappen, werden sie oft seitlich vorne im Maul gehakt ; so bleibt das Vorfach außerhalb der Gefahrenzone Gebiß.
Natürlich ist das Angeln auf Raubfische mit Fliegenrute und Zonker keine Wundermethode. Es macht aber ungeheuren Spaß, diese Fische mit Eigenbaumustern zu fangen. Die letzten Bilder zeigen mich beim Binden einiger Zonkermuster was meine Katze nicht besonders interessiert.

Petri Heil ihr Rudolf Thurner

PS: ich schreibe natürlich hauptsächlich für die Fischer(aber auch Interessierte) in unserem Bezirk und es wäre schön, den einen oder anderen Kommentar dazu zu lesen !!!!
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