Kulturgut bewahren
Das alte Rinnböck-Haus in Gefahr?

Der "Schreindorfer Saal" im Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 3, diente als Tanz- und Konzertsaal. | Foto: C: Bezirksmuseum Simmering
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  • Der "Schreindorfer Saal" im Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 3, diente als Tanz- und Konzertsaal.
  • Foto: C: Bezirksmuseum Simmering
  • hochgeladen von Petra Leban

Am Anfang der Simmeringer Hauptstraße steht ein schlichtes Haus aus der frühen Gründerzeit, es trägt die Nummer 3 und scheint auf den ersten Blick unspektakulär. Doch stellt das Gebäude eine wahre Rarität auf dem Gebiet der Wiener Architekturgeschichte, der Arbeitergeschichte und der Bezirksgeschichte Simmerings dar!

Unternehmer und Bauherr
Der Deichgräbermeister und Simmeringer Lokalpolitiker Josef Rinnböck war mit seinem Unternehmen am Abbruch der Wiener Stadtmauer beteiligt. Aus diesen Ziegeln ließ er ab 1861 die Häuser Simmeringer Hauptstraße 1 und 3 als frühe Arbeiterwohnhäuser errichten. Obwohl der Bau der sogenannten „Rinnböck-Häuser“ privat initiiert wurde, markieren sie den Beginn des modernen sozialen Wohnbaus in Wien und waren um 1865 eine der größten Wohnanlage auf dem Gebiet der heutigen Stadt.

Lesezimmer und Tanzsaal
Im noch existenten Haus, Simmeringer Hauptstraße 3/ Litfaßstraße 2/ Rinnböckstraße 4 richtete die Wirtsfamilie Schreindorfer ein Gasthaus ein. Aufgrund der günstigen Preise und der großen Portionen zählten vor allem die Arbeiter der nahe gelegenen Waggonfabrik zu den täglichen Mittagsgästen. Um 1870 hatte der Arbeiterbildungsverein Simmering mit seinem „Lesezimmer“, eine wichtige Bildungsinstitution der Arbeiterschaft, in diesem Gasthaus seinen Sitz.

Der zweigeschossige „Schreindorfer Saal“ im Hof des Hauses bot Platz für Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, wie zum Beispiel die Benefiz-Konzerte der aus Simmering stammenden Antonia Lautenschläger, Star der Wiener Hofoper.

Erinnerung und Ausblick
Die „Rinnböckstraße“ im 11. Bezirk sowie die neogotische „Rinnböck-Kapelle“ auf dem Simmeringer Friedhof erinnern an den Unternehmer, Lokalpolitiker und Bauherrn Josef Rinnböck, der 1880 verstarb.

1955 wurde der „Schreindorfer Saal“ abgerissen, 1974 fiel das Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 1, dem Bau der SO-Tangente zum Opfer.

Und 2020? Es ist zu hoffen, dass heute mit mehr Feingefühl und Verständnis für historische Bauten agiert wird und das altehrwürdige Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 3, erhalten bleibt!

Der "Schreindorfer Saal" im Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 3, diente als Tanz- und Konzertsaal. | Foto: C: Bezirksmuseum Simmering
Das Rinnböck-Haus, Simmeringer Hauptstraße 3 - absolut erhaltenswert für den 11. Bezirk und für Wien | Foto: C: Bezirksmuseum Simmering
Abbruch des Rinnböck-Hauses, Simmeringer Hauptstraße 1, im Vorfeld des SO-Tangenten-Baus, 1974 | Foto: C: Bezirksmuseum Simmering

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