Sprengungen mit gutem Grund (Artikel aktualisiert)
Warum vor Weihnachten so viel, sehr laut explodierte

 Artilleriegranaten die zu Behelfsbomben (WK II)  umgebaut wurden, sowie eine Bombe aus der Zwischenkriegszeit
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  • Artilleriegranaten die zu Behelfsbomben (WK II) umgebaut wurden, sowie eine Bombe aus der Zwischenkriegszeit
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GÜNSELSDORF / BLUMAU-N..und Umgebung (mec). Während im restlichen Bezirk - zumindest akkustisch - noch relativer Weihnachtsfriede herrscht, wurde die Ruhe in einigen Gemeinden nördlich des Truppenübungsplatz  von Explosionen erschüttert. "Auf Grund der enormen Detonationen und den davon ausgelösten Schallwellen, welche die Fenster und Gläser in den Schränken zittern lassen, gibt es unzählige Beschwerden auf den Gemeinden Günselsdorf und Blumau/Neurißhof. Auch in den Nachbargemeinden Teesdorf und Schönau/Triesting sind diese Sprengungen wahrnehmbar. Ganz besonders leiden auch die Haustiere unter der massiven Lärmbelästigung", so Günselsdorfs Bürgermeister Alfred Artmäuer. "Laut Auskunft des Österreichischen Bundesheeres – Jansakaserne Großmittel, ist hierfür das Amt für Rüstungs- und Wehrtechnik verantwortlich. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, haben sich an das Amt für Rüstungs- und Wehrtechnik gewandt um die Beschwerden der Bevölkerung weiter zu leiten und die unerträgliche Situation zu erörtern."

Für Sicherheit unumgänglich

Wir haben nachgefragt und vom Kommandanten des Schießversuchsplatz Felixdorf Herrn Major Heimo Lechner auch prompt Auskunft erhalten. Auch wenn der Major durchaus Verständnis für die Anrainer hat: die Explosionen sind nicht zu vermeiden, und dienen letztendlich unserer Sicherheit. Da es sich um gefährliche Kampfmittel, Kriegsrelikte, beschlagnahmte Bomben aus Eigenbau oder andere gefährliche Stoffe handelt, die auch nicht sicher gelagert, oder über weitere Strecken gefahrlos transportiert werden können, muss das Heer und das Innenministerium sie sprengen.
Insofern ist es eigentlich erfreulich, dass nicht nur wie üblich Donnerstags und Freitags, sondern die ganze Woche lang Explosionen zu hören waren und diese Gefahrenquellen und tickende Zeitbomben unschädlich gemacht wurden. 

Pech mit der Wetterlage

Weitere Gründe für die überdurchnittliche Lärmbelastung in der Region waren Wind und Wetter. Üblicherweise weht der Wind Richtung Haschendorf, weiß Major Lechner. Der vermehrte Südostwind der letzten Wochen hat den Schall in sonst wenig betroffenen Ortschaften getragen. Viele Faktoren spielen bei der Übertragung des Schalls eine Rolle, wie etwa die Dichte der Wolkendecke und der Luftdruck. Wenn möglich, versucht das Bundesheer so gut wie möglich auf Anrainer Rücksicht zu nehmen. Sprengungen werden immer nur zwischen 09:00 und 15:00 Uhr durchgeführt. Auch die Mittagsruhe wird wenn möglich eingehalten. "In den Semesterferien, machen wir daher Pause, weil wir ja wissen, dass die Kinder zuhause sind", erläutert Major Lechner und fügt hinzu: "Aber ab heute, dem 20. Dezember, herrscht Weihnachtsfriede.“

Die dunkle Fläche ist der Schießversuchsplatz Felixdorf.
  • Die dunkle Fläche ist der Schießversuchsplatz Felixdorf.
  • Foto: Foto: Google Maps
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Über den Schießversuchsplatz Felixdorf

Einmal im Jahr wird der Platz für zwei Wochen (Frühjahr kurz nach der Schneeschmelze) komplett gesperrt und durch Soldaten unter der Führung von eigenen, sehr erfahren Kampfmittelbeseitigern, abgesucht. Hierbei werden aufgefundene Kampfmittel (Granaten, Handgranaten, Bomben, Luftminen, …) markiert und in den laufenden Wochen gesprengt um sie unschädlich zu machen. Aufgrund der großen Anzahl an gefunden Kampfmittel dauert die Vernichtung meist bis in den Dezember.  Viele dieser Kampfmittel wurden nach dem Krieg unsachgemäß vernichtet und daher nur durch die Luft geschleudert und über den gesamten Platz verteilt.
Weiters werden auf dem Platz seit ca. 1850 Munitionsabnahmen und Munitionstest durchgeführt. Die meisten Geschütze der KuK-Armee bis Kaliber 30,5 cm wurde auf dem Platz eingeschossen und erst danach an die Truppen ausgeliefert. Dies diente schon damals der Sicherheit.
Jede neu eingeführte Munition wird auch heute noch auf ihre Sicherheit und Funktion bei uns getestet und erst danach ausgeliefert.
Der Platz wird leider nie Kampfmittelfrei sein.
Um den Platz jemals Kampfmittelfrei zu bekommen müsste die Erde bis auf eine Tiefe von ca 5 Meter abgetragen durchsiebt und wieder aufgetragen werde. Da wir auch Natura 2000 Schutzgebiet sind (Trockenrasen, Ziesel, Triel, großer Brachvogel, Heideschnecke, …) ist diese Möglichkeit aber sicher auszuschließn, da wir diese einzigartige Fauna und Fora unbedingt erhalten wollen.
Blindgänger (Munition die nicht funktioniert hat, aber jederzeit zur Wirkung gelangen kann) die bei unseren Abnahmen auftreten werden sofort gesucht, markiert und im Anschluss vernichtet um eine weitere Kontamination zu verhindern.
Durch den Frosthub „wandern“ auch immer wieder Kampfmittel nach oben und tauchen plötzlich auf der Oberfläche auf.

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