04.05.2016, 14:59 Uhr

Zirler Schützen lassen alte Tradition wieder aufleben!

Bergfried der Burgruine Fragenstein "brennt"

Am Samstag vor Herz-Jesu wieder „Kreidfeuer“ vor der Burgruine Fragenstein!

Die Burg Fragenstein geht auf eine Gründung der Grafen von Andechs, vermutlich schon am Anfang des 12. Jahrhunderts, zurück. Sie sollte den für den Salzhandel wichtigen Weg über den Seefelder Sattel sichern. Die Burg war 1227 Sitz der Herren von Fragenstein, welche Ministerialen der Andechser Grafen waren. Die Feste war im 13. Jahrhundert auch Gerichtssitz, worauf auch der Name hinweisen dürfte. Unter „Frag“ verstand man damals ein Verhör und mit der „peinlichen Frag“ war die Folter gemeint. Die späteren Besitzer der Burg waren die Weineck, Herzog Friedrich IV, Siegmund der Münzreiche und Kaiser Maximilian. Im 17. Jahrhundert wurde die Straße über den Zirlerberg nach Westen verlagert, wodurch Fragenstein an Bedeutung verlor und zu verfallen begann.
Fragenstein wurde 1703 im Zuge des Bayrischen Rumml“ bei Kampfhandlungen gesprengt.
Auf Grund ihrer weithin sichtbaren Lage war die Burg als Kreidfeuerstation prädestiniert. Ab 1647 hatte sie die Verbindung zwischen Flaurling und der Burg Vellenberg in Götzens herzustellen.

Die Kreidfeuer (v.lat. quiritare - um Hilfe rufen), später auch Herz-Jesu-feuer, sind Warnfeuer, welche in Tirol seit dem Mittelalter vor dem Herannahen von Gefahren warnten.
Schon in der Urkirche findet sich eine ausgeprägte Herz-Jesu-Verehrung die später von den Jesuiten weiter verbreitet wurde. Im Jahre 1796 wurde die Grafschaft Tirol von heranrückenden französischen Revolutionstruppen bedroht und die Tiroler Landstände, welche in Bozen zusammengetroffen waren, griffen den Vorschlag des Pfarrers Pfaundler bzw. Abt Stöckl auf und gelobten, das Land Tirol dem „Heiligsten Herzen Jesu“ anzuvertrauen um so einen göttlichen Beistand zu erhalten.
Das „Herz-Jesu-Gelöbnis“ wurde 1848 von den Tiroler Landständen erneuert und in der Folge wurden die „Herz-Jesu-Feuer“ ein Brauchtum, welches jeweils am Vorabend des 3.Sonntag nach Pfingsten in ganz Tirol gepflegt wird.
Kuriosum: Als 1920 erstmals nach dem 1.Weltkrieg die Herz-Jesu-Feuer in Südtirol wieder entzündet wurden, glaubten die italienischen Besatzer an einen Volksaufstand und versetzet drauf hin ihre Armee in Alarmbereitschaft.

Die Kreidfeuer und die Bergfeuer blieben bis ins ausgehende 19.Jahrhundert das wichtigste Nachrichtenmittel um vor Gefahren zu warnen und zum Sammeln der Landesverteidiger aufzurufen.
Vor der Burgruine Fragenstein war einer der historischen Kreidplätze Tirols. Jeweils ein Stoß nasses Holz für Rauchsignale am Tag und ein Stoß trockenes Holz für ein Feuersignal in der Nacht standen bereit. Die benachbarten Kreidplätze befinden sich in Flauerling und Burg Vellenberg in Götzens.

Im Jahr 1959 wurden zum letzten Mal Kreidfeuer vor der Burgruine Fragenstein von den Zirler Schützen, zur Erinnerung an die Bergisel-Schlachten vor 150 Jahren, entzündet.
Die Schützenkompanie Zirl wird heuer wieder an die alten Traditionen anknüpfen und am Samstagabend, vor Herz-Jesu, zeitgleich mit den Bergfeuern, vor der Burgruine Fragenstein ein großes Kreidfeuer entzünden.
Neuzeitliche Technik macht es möglich daß auch der südliche Turm der Ruine, der Bergfried, vom Dorf aus gut zu sehen sein wird, da er mittels Lasertechnik „zum Brennen“ gebracht wird.

Die Zirler Schützen freuen sich, wieder an eine Jahrhunderte alte Traditionen anknüpfen zu können.
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