Kommentar
Wer möchte Klassensprecher werden?

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Die Wahl des Klassensprechers ist nie ganz einfach. Zumal es zu wenig Freiwillige gibt, ähnlich wie derzeit bei ehrenamtlichen Tätigkeiten. Zum anderen ist man als Klassensprecher immer ein Mittelsmann/-frau zwischen den Lehrer- und Klassenfronten. Also im Grunde eine undankbare Aufgabe. Am Ende wird es meist einer der besseren Schüler, ja nicht der Klassenclown, denn dieser hat ja schon eine Funktion inne. Klassensprecher und Klassenclown sind diplomatisch ungünstige Kombinationen. Ich kann davon ein Liedchen singen.

Egal – die Wahl des Klassensprechers ist wichtig und sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden. Schließlich könnte ein guter Klassensprecher auch Schulsprecher und am Ende sogar Bundesschulsprecher werden. Was für eine Karriere.

Die Wahl des Klassensprechers der Vorarlberger SPÖ gleicht eher einem Kasperltheater und ist hinsichtlich so mancher politischer Peinlichkeiten kaum zu übertreffen. Gut, das Ibiza-Video ist fast noch besser oder die dringend einberufene Pressekonferenz von FPÖler Herbert „Ich lass mich nicht impfen“ Kickl. Kickl legte letzte Woche einen Blutbefund vor, um zu zeigen, dass er nicht geimpft ist. Vielleicht kommt diese Woche noch eine Pressekonferenz, bei der er eine Stuhlprobe vorlegt, um zu zeigen, dass er seinen Teller auch immer brav aufisst.

Politisch betrachtet ist man in Österreich und Vorarlberg eher auf Bunte- oder Bild-Niveau. Was sich die SPÖ Vorarlberg derzeit leistet, ist nur noch peinlich. Eine Partei, die 2019 landesweit nicht einmal zweistellige Prozentzahlen geschafft hat, macht sich derzeit medial – verzeihen Sie mir den Ausdruck – zum Affen. Warum müssen solche internen Unstimmigkeiten in der Öffentlichkeit ausgetragen werden? Wer will wem nun wirklich schaden? Ich befürchte Staudinger, Hopfner, Leiter und Ritsch wissen es selbst nicht wirklich. Und falls ja, dann haben sie allesamt einfach nur schlechte Berater oder es ist derselbe wie von Herrn Kickl. Aber das bezweifle ich.

Vergangenen Freitag endete die interne Frist zur Bewerbung für den Parteivorsitz. Klubobmann Thomas Hopfner würde gerne SPÖ-Chef werden. Mario Leiter wird definitiv nicht als Parteivorsitzender kandidieren. Er könne aufgrund seiner beruflichen Situation dieses Leistungsspektrum nicht abdecken, erklärt Leiter. Jeder fragt sich, warum er sich dann ins Spiel gebracht hat und warum der Bregenzer SPÖ-Bürgermeister Michael Ritsch Herrn Leiter unterstützen wollte, wenn der doch gar keine Zeit hat. Der Politologe Peter Filzmaier spricht in einem ORF-Interview von einem Intrigen- und Machtspiel, obwohl der Machtkampf für ihn etwas absurd erscheint, da die SPÖ in Vorarlberg nur die viertstärkste Partei ist.

Was bleibt also von dieser peinlichen Klassensprecherwahl hängen? Nun, die Wahl selbst ist ja erst am 16. Oktober, aber schon allein das Vorspiel weist wohl auf kein gutes Ende. Was sicher ist, ist, dass alle anderen Parteien sich zurücklehnen, sich dieses Schauspiel gemütlich anschauen werden und sich denken: Macht ihr euch mal zum Affen, dann fallen unsere Dinge, die wir nicht so gut machen, weniger auf.

Aus Beratersicht würde ich der SPÖ lieber den Tipp geben, sich intensiv der Oppositionsarbeit zu widmen, denn bei der nächsten Wahl wird man sie daran bemessen. Und wenn dann nichts vorzuweisen ist und nur die peinliche Klassensprecherwahl in Erinnerung ist, dann wird es verdammt schwer, die 9,5 Prozentpunkte der Wahl 2019 zu halten. Im Fußball würde es dafür wahrscheinlich die Rote Karte geben. Passt ja irgendwie – farblich zumindest.

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