24.10.2016, 16:58 Uhr

Pflegeskandal in Kirchstetten: Land plant "vertiefende Überprüfung"

Düstere Stimmung im Pflegeheim Clementinum in Totzenbach bei Kirchstetten.

Vier Pflegehelferinnen und ein Pfleger sollen über Monate im Pflegeheim Clementinum in Totzenbach betagte Patienten gequält haben.

KIRCHSTETTEN (mh). Der Schock nach dem Bekanntwerden der Quälereien hilfloser Bewohner im Clementinum sitzt tief. Vier Pflegehelferinnen und ein Pfleger sollen über Monate im Pflegeheim Clementinum in Totzenbach betagten Patienten, die nicht mehr sprechen können, Kot in den Mund gerieben und andere erniedrigende Handlungen gesetzt haben. Nach der fristlosen Entlassung sprechen die Mitarbeiter von Intrigen und Unterbesetzung, die Geschäftsführung dementiert. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten ermittelt.

"Alles pickt vor Dreck"

Angehörige erzählen im Gespräch mit den Bezirksblättern, dass das Personal bereits seit längerer Zeit unqualifiziert und aggressiv wirke: "Im Zimmer der Oma pickt alles vor Dreck, benutzte Windeln liegen zerknüllt auf den Sesseln", sagt ein Besucher. Auf die Frage, was das Land Niederösterreich, das ja einen Großteil der Pflegekosten zahlt, unternehme, um diese Missstände abzustellen, spielt die politisch verantwortliche Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) den Ball an Otto Huber, den Abteilungsleiter der Landesheime, weiter. "Das Land als Bewilligungs- und Aufsichtsbehörde nimmt laufend seine Kontrollaufgaben wahr, so auch in Kirchstetten", versichert Huber. "Bei den letzten sieben Überprüfungen seit Anfang 2014 sind die nunmehr aufgezeigten abstoßenden Vorfälle unserer Aufsichtsbehörde nicht aufgefallen." Es sei unmöglich – so Huber – ein so engmaschiges Prüfsystem zu knüpfen, um kriminelle Handlungen von einzelnen Personen ausschließen zu können.

"Vertiefende Überprüfung"

Ein nächster Schritt des Landes sei laut Huber "eine vertiefende Überprüfung durch unsere Aufsicht, um die näheren Umstände zu beleuchten". Huber: "Neben den raschen Konsequenzen, der Entlassung von vier Mitarbeitern, gilt es dabei zu untersuchen, wie beispielsweise die Kommunikationsflüsse im Haus laufen, die aktuelle Krankenstandsituation ist oder die Führungsebene vor Ort zu untersuchen, dessen Aufgabe es ja ist, für eine bestmögliche Pflege- und Betreuungsqualität zu sorgen und aufmerksam zu sein, ob es bei den Mitarbeitern und Bewohnern Veränderungen in der Stimmungslage gibt und vieles mehr." Neuestes Detail: Von einem Clementinum-Mitarbeiter erfahren die Bezirksblätter, dass die beschuldigten Pflegehelfer ihre Taten mit ihren Handys fotografiert und sich gegenseitig per WhatsApp zugeschickt haben sollen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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