18.05.2016, 05:30 Uhr

Lokführer zwischen Natur und Technik im Salzburger Freilichtmuseum

Vor allem die Natur und die häufig zu sehende Tierwelt hat es Lokführer Josef Samec angetan.

50 Lokführer gibt es im Salzburger Freilichtmuseum. Die Bezirksblätter waren mit zwei davon auf Tour.

GROSSGMAIN (buk). Wie Frage und Antwort ertönen zwei Einzelpfiffe. Einer vom Bahnsteig, einer aus der Lok. Ein rascher Doppelpfiff durch den Zugbegleiter folgt und mit einem sanften Ruck geht es auf die erste Weiche zu. Strahlende Kinderaugen verfolgen das Geschehen, während die Fahrgäste auf den harten Holzbänken leicht durchgeschüttelt werden. "Mein dreijähriges Enkelkind Clemens sieht hier, wie das früher war", freut sich die Salzburgerin Margareta Mencler. Mit gemächlichen fünf bis zehn km/h zuckelt die Garnitur durch die weitläufige Landschaft des Salzburger Freilichtmuseums. Die Zeit scheint stillzustehen.

Wo Hasen Schienen kreuzen

Gesteuert wird die Diesellok "Vf3" von Josef Samec, der – wie alle seine rund 50 Lokführer-Kollegen – ehrenamtlich seine Runden dreht. "Bei der Testfahrt heute früh habe ich einen Hasen gesehen, der über die Schienen gehoppelt ist und auch Rehe sieht man oft", erzählt der Lokführer, der vor allem die Zeit in der Natur genießt. Als Zugbegleiter ist Gerhard Mayer dabei. "Bordservice gibt es aber trotzdem keinen", grinst er. Im Laufe des Tages werden die beiden noch die Plätze tauschen.

Sowohl Samec als auch Mayer haben 2011 ihre Prüfung abgelegt und sind seither im Freilichtmuseum im Einsatz. Für die Ausbildung, die so gut wie jeder machen kann, zeichnet die Salzburger Lokalbahn verantwortlich. Nach zwei bis drei Tagen Theorie und Technik geht es für die Praxis auf die Gleise. Die Sicherheit wird hier groß geschrieben.

"Vor allem bei Kindern, die mitfahren, müssen wir vorsichtig sein. Aber auch Betrunkene sind schon während der Fahrt aus dem Zug gesprungen", erzählt Mayer. Dennoch sind beide mit Leidenschaft dabei. "Schmähführen und mit Menschen umgehen muss man halt können", grinst Mayer. Seine Lieblingslok ist ganz klar definiert: "Mir gefällt die grüne Vf1 am besten." Sie sei auch das anspruchsvollste Modell und verfügt als einzige über ein Lenkrad, das vor allem bei Kindern immer wieder Erstaunen auslöst, "auch wenn damit lediglich die Hydraulik gesteuert wird".

40 Promille Steigung

Die Strecke selbst verlangt dem Material auf ihren 1,7 Kilometern Länge alles ab. Vor allem die Steigung von 40 Promille – eigentlich prädestiniert für eine Zahnradbahn – bringt die Loks auf dem Weg zur Station "Pongau" an ihre Grenzen. "Ich bin schon gefragt worden, wo es in den Lungau geht", scherzt Mayer, "und habe gesagt, dass wir den Bus leider eingestellt haben." Und ausgerechnet hier geht plötzlich der Motor aus, die Bremse lässt sich nicht lösen. "Eine Lok ist halt doch nur ein Blechtrottel", lacht Samec und startet die Maschine neu. Grund zur Sorge gibt es dennoch nicht: Ein Federspeicher verhindert das Anfahren, falls etwas einmal nicht funktionieren sollte.

Neben dem reinen Fahren kümmern sich die Lokführer auch selbst laufend um Verbesserungen. Hundebesitzer können seit Kurzem gegen Kaution einen Beißkorb für ihre Vierbeiner ausborgen und im letzten Waggon wurde ein Teil der Sitzbänke entfernt, um mehr Platz für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen zu schaffen. "Wir können hier direkt aus der Praxis heraus eigene Vorschläge einbringen und umsetzen", sagt Samec.
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