12.09.2016, 12:45 Uhr

Burgenland zwischen Menschlichkeit und Selbstschutz - Ein Jahr nach der Flüchtligskrise

Die Asylfamilie in Dobersdorf weiß die Unterstützung von der Gemeinde und den Einwohnern zu schätzen. (Foto: Gemeinde Rudersdorf)

Nichts hat Österreich wohl mehr gespalten als die Flüchtlingsmassen, die vergangenes Jahr über die burgenländischen Grenzen geströmt sind.

Viele sind weitergezogen, einige sind geblieben, manche wurden zu Freunden.

Gemeinde mit viel Herz
Die Gemeinde Wörterberg hat zurzeit rund 41 Flüchtlinge aufgenommen und rangiert mit einer Quote von 8,5 % auf Platz 1 in den Bezirken Güssing und Jennersdorf. Der Vorteil: Vor allem kleinere Gemeinden kämpfen in manchen Jahren aufgrund niedrigerer Geburtenraten darum, die nötigen Kinder für eine Aufrechterhaltung des Schulbetriebes zusammenzubekommen. "Gerade in geburtenschwächeren Jahrgängen wie heuer zählt jedes Kind", so Bgm. Kurt Wagner.

Ein Miteinander
Deutsch Tschantschendorf ist bei der Aufnahme von Flüchtlingen ebenfalls vorbildhaft und beherbergt etwa 100 Flüchtlinge (7,07%). Ist die Unterbringung und das Auskommen gewiss nicht immer einfach, so sind die Menschen sehr bemüht.

Bürgermeister mit Format
Im stillgelegten Kindergarten in Dobersdorf ist seit dem Vorjahr eine Flüchtlingsfamilie untergebracht. Die aus Afghanistan kommenden Eltern mit ihren drei Kindern versorgen sich selbst und bestreiten ihren Lebensunternhalt mit der Unterstützung vom Land. Zwei Kinder gehen zur Schule, das Jüngste in den Kindergarten. "Der Vater beteiligt sich an der Ortspflege, er mäht den Rasen, pflegt die Anlagen und unterstützt die Gemeindearbeiter - ein guter Schritt zur Integration", freut sich Bgm. Franz Tauss.

Eine zweite Chance
Viel Unterstützung kommt auch von den Gemeindemitgliedern, darunter Beate Venus. Sie hat in Dobersdorf ein Haus geerbt, das sie vor wenigen Tagen einer syrischen Flüchtlingsfamilie zur Verfügung gestellt hat. "Natürlich gab es auch gewisse Ressentiments, die Bedenken haben sich aber mittlerweile gelegt", so Tauss. Wichtig für ein gutes Auskommen ist natürlich auch die Verständigung. Die Anforderung von offiziellen Dolmetschern gestaltete sich als schwierig. Gelöst werden konnte das Problem mit Hilfe eines Jennersdorfer Flüchtlings, der sowohl Englisch als auch deren Afghanischen Dialekt verstand. "Mittlerweile klappt es aber schon sehr gut mit dem Deutsch", sagt der Bürgermeister. Stark dazu beigetragen haben auch einige Frauen aus der Gemeinde, die die Flüchtlinge bei den Alltäglichkeiten unterstützt haben.

Logistische Herausforderungen
Auch Städte wie Jennersdorf mussten innerhalb kürzester Zeit Unterkünfte finden. Große Aufregung gab es betreffend den ehemaligen Güterwegbauhof, den der Eigentümer für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt hat. "Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt und die Akzeptanz ist besser geworden", sagt Bgm. Wilhelm Thomas.

Daten & Fakten
Der Bezirk Güssing hat 26.394 Einwohner und 419 Flüchtlinge aufgenommen, was einer Quote von 9,18 % entspricht. Der Bezirk Jennersdorf zählt 17.376 Einwohner und beherbergt 207 Flüchtlinge (6,05%). Die Zahlen unterliegen täglichen Schwankungen (Stand 1.9.2016).

Kommentar: Eine "never ending story"
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