04.10.2016, 22:54 Uhr

Finanznöte in der Komödie am Kai: Letzter Vorhang droht

"Zum Teufel mit dem Sex", Viktor Kautsch und Anna Dangel

Am 13. Oktober findet eine Benefiz-Premiere statt, um den Theaterbetrieb doch noch aufrechtzuerhalten.

Bereits seit 35 Jahren gibt es die kleine Bühne Komödie am Kai am Franz-Josefs-Kai 29. Doch anstatt sich auf das#+Jubiläum vorbereiten zu können, steht nun der Kampf mit dem Gericht ins Haus: "Mein Ehemann Erich Koller soll plötzlich besachwaltet werden, obwohl ich mich seit 16 Jahren um ihn kümmere. Und da er immer noch der Direktor des Theaters ist, sind jetzt alle Konten eingefroren. Wir können nur noch mit dem wirtschaften, was wir bei unseren Vorstellungen einnehmen", sagt Sissy Boran, die seit dem Schlaganfall ihres Mannes das Theater führt.

Trotz der gesundheitlichen Probleme ist Koller geistig noch sehr fit. "Natürlich braucht er Hilfe im Alltag. Aber ich sehe auch, wie sehr ihn das Theater glücklich macht. Wir lesen immer noch jedes Textbuch zu einem neuen Stück gemeinsam", so Boran.

Darum hat sie nie den Theaterdirektorenposten von ihrem Mann übernommen, da sie ihm dies nicht wegnehmen wollte. Doch die neue Situation lässt Boran keine andere Wahl: "Wir sind im Theater wie eine Familie. Müssen wir auch nur für kurze Zeit schließen, wie uns der Sachwalter geraten hat, dann ist es mit dem Theater vorbei. Ein paar Monate ohne Spielbetrieb, und schon sind alle Zuschauer weg. Mitten in der Saison ist das für meine Schauspieler eine Katastrophe."

Seitens des Sachwalters Alexander Knotek von der Kanzlei Avia Rechtsanwälte will man zu dem Fall mit dem Hinweis auf den Datenschutz keine Auskunft geben.

Stadt Wien hilft

Das Theater erhält sich seit Jahren aus eigener Kraft. Von der Stadt Wien gibt es jährlich eine Subvention. Dass die zuständige MA 7 nun auch in dieser schwierigen Situation helfen will, freut Boran sehr: "Wir waren bei Forderungen immer bescheiden, das kommt uns nun entgegen." Für die neue Produktion "Zum Teufel mit dem Sex" stehen noch hohe Kosten an, darum hofft man nun auf die Großzügigkeit des Publikums, so Boran weiter: "Seit 35 Jahren habe ich für die Premiere noch nie etwas verlangt. Aber ohne Benefizabend geht es im Moment leider wirklich nicht mehr."

Wer dem Theater helfen möchte, der soll einfach eine Theaterkarte kaufen. "Ein volles Haus hilft immer am meisten. So lange wir offen haben, geht es weiter."
Das neue Stück "Zum Teufel mit dem Sex" bietet jede Menge Irrungen und Wirrungen, peinliche Verwechslungen und dezente Frivolität. Zu sehen ab 11. Oktober in der Komödie am Kai.

Mehr Informationen zum Spielplan des Theaters finden Sie im Internet unter www.komoedieamkai.at
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