01.08.2016, 08:14 Uhr

Kritik an der WWF-Studie zum Ausbau der Wasserkraft in Tirol

Ökologischer Ausbau der Wasserkraft ist notwendig zum Erreichen der Energiewende - so Jürgen Bodenseer und Jakob Wolf. (Foto: Archiv)

Tiroler Wirtschaft und ÖVP Tirol kritisieren die Ergebnisse der Studie des WWF - dieser geht davon aus, dass die Energiewende auch ohne weitere Wasserkraftwerke zu schaffen sei.

TIROL. Eine aktuelle Studie des WWF - Gewässerschutz und Energiewende - besagt, dass die Energiewende auch ohne weitere Kraftwerke möglich sei. Der WWF empfiehlt in seiner Studie 1.060 km wertvolle Fließstrecken in Tirol unter strengen Schutz zu stellen. Das Energieziel könnte durch einen naturverträglichen Mix an erneuerbarer Energie erreicht werden.

Energiewende ist nur mit zwei Wegen möglich

Jürgen Bodenseer, Wirtschaftskammer-Präsident, geht davon aus, dass zum Erreichen der Energiewende die Steigerung der Energieeffizient und der Ausbau der Wasserkraft notwendig seien. Dies sei deswegen notwendig, da derzeit weniger als 50 Prozent des Energieeinsatzes in Tirol aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Gleichzeitig wird es schwierig den jetzigen Energieverbrauch auf die Hälfte des aktuellen Verbrauchs zu verringern. Das liegt auch daran, dass die Bevölkerung in Tirol bis 2050 um rund 100.000 EinwohnerInnen steigen wird.

Kritik an den Aussagen des WWF durch die Tiroler Wirtschaft

Jürgen Bodenseer sieht es als nicht wahrscheinlich, dass die Energiewende nur mit Fotovoltaik und Biomasse zu schaffen sei. „Dem WWF geht es offensichtlich gar nicht darum die Energiewende zu unterstützen, sondern aus Tirol eine Art grünes Wunderland zu machen, in dem die Menschen und die Wirtschaft höchstens noch geduldet, aber nicht erwünscht sind“, so Jürgen Bodenseer. Für die Energiewende bräuchte es Politik, Wirtschaft und die ganze Gesellschaft - sie dürfe nicht "unseriösen Ökofantasien" überlassen werden, so der Wirtschaftskammer-Obmann.

Wolf: Ausbau der Wasserkraft ist notwendig

Auch ÖVP-Klubmann Jakob Wolf kritisiert die aktuelle Studie des WWF. „Wer die Abhängigkeit von Kohle, Öl, Gas und Atomstrom ernsthaft reduzieren will, der wird nicht umhinkommen, andere Energiequellen zu erschließen." Nur so sei eine Energiewende möglich, so Jakob Wolf. Als weitere Maßnahme für die Energiewende schlägt der WWF vor, alle Neubauten in Tirol mit Passivhausstandard zu erbauten. Dies würde aber die Mietpreise in Tirol weiter in die Höhe treiben, so Wolf. „Tirol ist nicht nur Naherholungsraum, sondern muss auch Wertschöpfungsraum bleiben, in dem Innovation und wirtschaftliche Entwicklung auch zukünftig möglich sind. Wir können nicht das ganze Land unter eine Käseglocke stellen und glauben, dass wir damit unseren Wohlstand langfristig erhalten können. Das ist reine Illusion. Wir brauchen deshalb beides: Sowohl eine intakte Umwelt als auch die Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen. Diese Ausgewogenheit im Denken vermisse ich bei den Umweltorganisationen leider oft."

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