21.06.2016, 13:46 Uhr

Zukunft Regionalkrankenhaus: Innovative Versorgungsmodelle im Fokus

Um den künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen gerecht zu werden, setzt die Spitalsholding künftig ganz klar auf Innovation – vor allem in punkto Versorgungsmodelle.

KIRCHDORF, OÖ. Mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent und knapp 7000 Mitarbeitern ist die gespag – trotz Ausgliederung der Sonderkliniken im Zentralraum – der größte Krankenanstaltenträger Oberösterreichs.

Laut aktueller Positionierungs- und Image-Messung (IMAS, Dezember 2015) genießt die gespag bei gestützter Abfrage eine sehr hohe Bekanntheit: Neun von zehn Oberösterreichern kennen die Organisation. Das Image ist in der oö. Bevölkerung und insbesondere unter ihren Kennern äußerst positiv: „Die gespag wird vor allem mit gut ausgebildeten und kompetenten Mitarbeitern, guter medizinischer Betreuung, gefolgt von freundlichen und sorgfältigen Mitarbeitern, guter Erreichbarkeit sowie gutem Service und Verpflegung in Verbindung gebracht“, sagt gespag-Vorstand Karl Lehner und ergänzt: „Wir dürfen uns daher über ein starkes Fundament freuen. Mit der Ausgliederung der Sonderkliniken im Zentralraum ist die Bedeutung unserer Rolle als regionale Gesundheitsdrehscheibe weiter gestiegen – dieser Herausforderung stellen wir uns gerne.“

Lehner unterstreicht: „Die peripheren Regionen werden mittel- bis langfristig nur dann ausreichend zu versorgen sein, wenn wir über den Tellerrand blicken und uns auf ein Miteinander von niedergelassenen Ärzten und regionalen Spitälern einigen.“

Überaus positiv beurteilt wird hierbei beispielsweise das Best-Practice-Beispiel der Gruppenpraxis in Kirchdorf. „Wir haben dieses Modell 2011 gemeinsam mit der Ärztekammer, der Gebietskrankenkasse, den Ärzten und uns als Spitalsträger etabliert. Kürzlich wurde es evaluiert und die Ergebnisse zeigen klar: es hat sich sehr bewährt. Einziger Wermutstropfen: die Schwierigkeit sich zu orientieren. Denn die Gruppenpraxis ist nicht in unseren Krankenhaus-Räumlichkeiten untergebracht. Es wird als kompliziert empfunden, dass die Gruppenpraxis räumlich vom Krankenhaus getrennt ist. Wir schlagen daher vor, dass diese oder ähnliche Modelle direkt in unseren Häusern untergebracht werden.“

Eine weitere Variante in punkto innovative Versorgungsmodelle stellen sogenannte Gesundheitszentren dar. Der Vorteil von Gesundheitszentren ist, dass nicht nur Mediziner, sondern auch nicht-ärztliche Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Logopäden, Diätologen, Hebammen etc. Teil des Experten-Netzwerkes werden.

Synergien nutzen: Gemeinsame Raum- und Gerätenutzung
Das Miteinander impliziert zudem auch die gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten, Geräten und Personal. „Das heißt wir würden unsere Infrastruktur zur Verfügung stellen oder sogar ein Gesundheitszentrum komplett einrichten. Wir als Spitalsträger könnten die Gesundheitszentren auch betreiben, sind jedoch für alle denkbaren Varianten offen – d.h. die Experten können sich, je nach Vorliebe, beteiligen oder auch angestellt sein.“

Integrative Versorgungskonzepte am Beispiel LKH Kirchdorf
Das mit März dieses Jahres etablierte Family Center am LKH Kirchdorf ist in seiner Gesamtheit ein Paradebeispiel, wenn es um integrative Versorgung geht. Allen aktuellen und künftigen Modellen gemeinsam ist zweifelsfrei das Ziel, Leistungen zum Wohle der Patienten noch besser abzustimmen“, betont Lehner. Mit der Eröffnung des „Family Centers“ im LKH Kirchdorf befindet sich alles, was die Familie angeht unter einem Dach: die Geburtshilfe, die Versorgung der Neugeborenen und die der Kinder- und Jugendlichen. Durch den Umzug in die neu gestalteten Räumlichkeiten wurden die Wege verkürzt und die Zusammenarbeit noch weiter optimiert. Einer der Vorteile für die Patienten und Eltern ist, dass es damit eine Anlaufstelle gibt. Auch im LKH Kirchdorf ist künftig ein Gesundheitszentrum angedacht. „Wir wollen unseren Fachärztinnen und Fachärzten die Möglichkeit geben, ihre Wahlarztpraxen räumlich im Spital anzusiedeln. Das verringert Wege für Mitarbeiter und Patienten. Dazu sind wir auch laufend in Gesprächen mit unseren Systempartnern wie z.B. der Gebietskrankenkasse und der Ärztekammer.

Erstes konkretes Beispiel: die Privatordination von Primar Christoph Ausch im Fachbereich Chirurgie. Auch für alle anderen Berufsgruppen, also z.B. Therapeut/-innen, Hebammen, Wundschwestern, die zur selbständigen Berufsausübung berechtigt sind, wollen wir diese Möglichkeiten schaffen. Wir arbeiten ganz konkret an der Realisierung und wollen diese mittelfristig umsetzen“, beschreibt Lehner die Vorhaben der gespag im LKH Kirchdorf.

Medizinische Schwerpunkte zur besseren Abgrenzung
Neben einem breiten, regionalen Versorgungsangebot hat jeder gespag-Klinikstandort unterschiedliche medizinische Schwerpunkte mit zukunftsorientierter, regionaler bzw. sogar überregionaler Bedeutung. Für das LKH Kirchdorf wurden folgende medizinische Schwerpunkte definiert: „Das LKH Kirchdorf genießt im Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf – allen voran in punkto gelenkserhaltender und endoprothetischer OP-Techniken“, so Primar Oswald Schuberth und führt weiters aus: „Jährlich werden beispielsweise rund 150, teils sehr anspruchsvolle, Schulteroperationen durchgeführt. Zum Einsatz kommen hierbei neue – höchst innovative – Techniken wie z.B. die sogenannte Latarjet-Methode (zur Behandlung von Instabilitäten aufgrund knöcherner Defekte) oder die Tight-Rope-Technik (zur Behandlung von Schulter-Eckgelenken, das Material bleibt im Körper
und macht eine zweite OP unnötig).“

Als Teil des Tumorzentrums der gespag und des KH der Elisabethinen Linz ist für die Krebspatienten der Region eine wohnortnahe und hochkompetente Versorgung gewährleistet. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Tumorboard und im neu etablierten Brustzentrum werden die onkologische Kompetenz aller erforderlichen Fachrichtungen gebündelt und die individuelle und optimale Behandlung festgelegt und durchgeführt. Erstmals kommt im Brustzentrum auch eine speziell ausgebildete Brustschwester zum Einsatz.

Im Fachbereich Frauenheilkunde und Geburtshilfe sind allen voran die erfreuliche Geburten-Entwicklung sowie das Beckenbodenzentrum hervorzuheben: Im vergangenen Jahr verzeichnete das LKH mit 511 Geburten eine weiterhin stabile Geburtenbilanz. Mit dem Beckenbodenzentrum – zertifiziert durch die Medizinische Kontinenzgesellschaft für Österreich – gibt es eine kompetente und
vertrauenswürdige Anlaufstelle für Betroffene mit Erkrankungen wie Harn-/Stuhl-Verlust und Blasenentleerungsstörungen. Die Behandlung erfolgt durch ein interdisziplinäres Team der Fachbereiche Gynäkologie, Urologie, Chirurgie, Interne, Neurologie und dem Institut für Physikalische Medizin.

Investitionen sichern Vorsprung
Die gemäß dem Masterplan 2008 in Angriff genommenen baulichen Maßnahmen wurden heuer abgeschlossen. 2015 und heuer konnte die Adaptierung der Unfallchirurgischen und Orthopädischen Abteilung im 5. OG abgeschlossen werden.
Nach der Komplettsanierung der Stationen und Patientenzimmer, des Eingangsbereichs und der Ambulanzräume wurden auch die Modernisierung der fünf OP-Säle sowie der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte abgeschlossen.

Mit der Übersiedelung ins neue Family Center Anfang 2016 befinden sich die Abteilungen für Gynäkologie/Geburtshilfe und für Kinder- und Jugendheilkunde ab sofort auf einer Ebene. Als Klima-Bündnispartner achtet das LKH Kirchdorf bei allen
Baumaßnahmen auf den schonenden Einsatz von Energie und den bewussten Umgang mit unserer Umwelt. Unter anderem konnte durch eine umfassende thermische Gebäudesanierung der Heizwärmebedarf innerhalb von zehn Jahren auf 2358,3 MWh pro Jahr gesenkt werden. Das entspricht einer Einsparung an den Heizwärmebedarf von ca. 137 Einfamilienhäusern pro Jahr.

Fotos: gespag
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