19.07.2016, 15:39 Uhr

Kunst & Kultur aus Kärnten - Teil 4 - Gerhart Ellert

Gerhart Ellert war das männliche Pseudonym der Schriftstellerin Gertrud Schmirger (* 26. Jänner 1900 in Wolfsberg; † 7. Mai 1975 ebenda). (Foto: pexels)

Unter dem männlichen Pseudonym "Gerhart Ellert" veröffentlicht die österreichische Schriftstellerin Gertrud Schmirger ihre Werke

Gertrud Schmirger wurde am 26. Jänner im Jahr 1900 in Wolfsberg geboren. Sie war das einzige Kind des Wolfsberger Primararztes Camillo Schmirger und seiner Frau Gabriele und besuchte keine öffentliche Schule. Gertrud Schmirger lernte zu Hause lesen und schreiben und durch ihre rege Phantasie erfand sie schon früh klleine Geschichten. Als sie etwas älter war, besuchte sie den Benediktinerstift St. Paul für Privatstunden. Die Zeit im Konvikt hat das Mädchen nachhaltig geprägt und auch die Kontakte zu den dort lebenden Mönchen sollten nie mehr abreißen. Nachdem sie die Matura besteht, betreibt sie Hochschulstudien in Wien und Graz, welche sie in erster Linie nur zur Erweiterung ihres Algemeinwissens nutzt.


Hier bekommt Gertrud Schmirger Privatstunden

Tod des Vaters

Im Jahr 1922 verliert Gertrud Schmirger ihren Vater und sie muss zusammen mit ihrer Mutter ihren Lebensstil ändern und sich nach einem Einkommen umsehen. Die zwei haben begonnen ein Obstgut zu bewirtschaften und eine Baumschule einzurichten. In den kalten Jahreszeiten unternehmen die Witwe und Tochter aber immerwieder Reisen ins Ausland, da die Arbeit ruht. Anfangs was das nur eine angenehme Freizeitbeschäftigung, später reist Gertrud Schmirger nur noch des Quellen. und Milieustudiums wegen. Texte in Latein, Italienisch, Französisch und Englisch bereiten ihr keine Schwierigkeiten, so dass sie sich mühelos in Akten und Literatur vertiefen kann.

Entstehung von Gerhard Ellert

In den frühen dreißiger Jahren setzt die literarische Tätigkeit Schmirgers ein. Die ist so ergiebig, dass ein Roman nach dem anderen folgt. Mit ihrem Erstling wendet sie sich im Jahr 1933 an den Speidel Verlag. Der ist zwar bereit die Dichtung der Kärntnerin ins Buchprogramm aufzunehmen, äußert jedoch den Wunsch, dass sie einen männlichen Namen wählt. Der Name "Gerhard Ellert" ist dann aus der Zusammensetzung zweier Namen von nahestehenden Personen entstanden.


"Der Zauberer" - ist ihr erstes Buch

Der erste Roman

Der erste Roman von Gertrud Schmirger trägt den Titel "Der Zauberer". Er behandelt das Leben und Wirken von Gerbert von Aurillac, welcher als einer der größten Gelehrten gegen Ende des ersten Jahrtausends gilt. Er war wegen seines großen Wissens als Zauberer bekannt. In regelmäßigen Abständen erscheinen so in Folge 17 ähnliche Romane.


„Nicht ich selbst wähle den Stoff für meine Bücher, sondern der Stoff erfasst mich.“
-Gertrud Schmirger


Wechsel zur Jugendliteratur

Die Schriftstellerin wendet sich in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre aber mehr den jugendlichen Lesern zu. Erzählungen mit denen heranwachsenden Menschen Kunstwerke näher gebracht werden enthaltet das Buch "Das blaue Pferd". Unter dem Titel "Auf endlosen Straßen" folgten im Jahr 1959 ganze 17 Bilder Episoden aus der Kulturgeschichte der Menschheit. Für dieses Buch wird sie mit dem Österreichischen Staatspreis für Jugendliteratur ausgezeichnet. 1960 erhielt sie den Ehrenring der Heimatstadt Wolfsberg, und 1966 wurde ihr der Titel Professor verliehen.

Nachruf

Am 7. Mai 1975 starb die Schriftstellerin. In einem Nachruf der Kärntner Landeszeitung hieß es am 16. Mai 1975:
„Es gibt nur wenige Schriftsteller mit solch tiefem Empfinden, so beseelt vom menschlichen Reichtum der geschichtlichen Welt und all den geheimnisvollen Kräften in vergangenen Jahrhunderten wie Gerhart Ellert. In all seinen Werken, in den Schicksalen der handelnden Personen tritt die starke Persönlichkeit, die ausgeprägte Eigenart eines Menschen hervor, der von der unerschöpflichen Mannigfaltigkeit des Lebens weiß.“



Alle Bücher von Gertrud Schmirger alias Gerhart Ellert wurden von österreichischen Verlegern betreut; die großen Romane erschienen bei Speidel in Wien und die Jugendbücher beim Österreichischen Bundesverlag in Wien. Den Zugang zu den historischen Persönlichkeiten, über die sie schrieb, fand sie durch ihre zahlreichen Reisen in nahezu alle Länder Europas und Nordafrikas, in den Nahen und mittleren Osten, in die USA, nach Mexiko und Mittelamerika. Gertrud Schmirger liegt am Wolfsberger Stadtfriedhof begraben. Ihren Nachlass hütet das Benediktinerstift St. Paul, dem sie sich bis zuletzt verbunden fühlte. 1985 wurden eigene Museumsräume eingerichtet, die Gertrud Schmirger gewidmet sind.





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Weitere Artikel der Serie "Kunst und Kultur in Kärnten"

Kunst & Kultur aus Kärnten - Teil 1 - Kiki Kogelnik
Kunst & Kultur aus Kärnten - Teil 2 - Herbert Boeckl
Kunst & Kultur aus Kärnten - Teil 3 - Maria Lassnig

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Literatur
Gerhart Ellert (wikipedia)
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