16.03.2016, 07:30 Uhr

Forstinspektor Bernhard Pokorny: "Ich würde mir mehr Naturnähe im Wald wünschen."

Der Wald ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, er sichert auch die Wasservorkommen oder verbessert den Lufthaushalt (Foto: Hochstöger)

Wie geht es dem Wald im Forstbezirk Klagenfurt? Bezirksforstinspektor Bernhard Pokorny gibt als "Anwalt des Waldes" Auskunft.

KLAGENFURT STADT & LAND (vp). Ein guter Waldzustand ist essenziell für den Klimaausgleich, Verbesserungen des Lufthaushaltes und die Sicherung der Wasservorkommen. Im Forstbezirk Klagenfurt liegt der Waldschwerpunkt in den Karawanken, die eine gute Waldausstattung aufweisen und wo der Wald oft Existenzgrundlage ist, so Bezirksforstinspektor Bernhard Pokorny. Hier steht die Nutzungsfunktion (Produktion von Holz) im Vordergrund.

Hoher Rodungsdruck in Stadtnähe

In der Stadt und im Seenbereich ist besonders die Erholungswirkung wichtig. Pokorny: "Im Zentralraum herrscht ein hoher Rodungsdruck, der Wald wird oft als Flächenreserve gesehen. Unsere Aufgabe ist also, bei der Erstellung von Flächenwidmungsplänen geplante Rodungen auf ein forstlich vertretbares Ausmaß zu beschränken." Etwa 100 Rodungsverfahren werden jährlich abgewickelt.
Pokorny wirkt quasi als "Anwalt des Waldes". Bei Rodungen wird die Aufforstung von Ersatzflächen vorgeschrieben. Gibt es keine, werden unterbewaldete Gebiete mit Ersatzgeldern aufgeforstet. Ein Beispiel ist das Projekt Zwirnawald nördlich von Klagenfurt, wo es um den Schutz des Grundwasservorkommens geht.

Großer volkswirtschaftlicher Schaden

Ein weiterer Schwerpunkt der Bezirksforstinspektion ist die Forstaufsicht. "Wir erkennen Borkenkäfer-Befall und erlassen Aufträge zur Schadholzbeseitigung." Der Klimawandel mit höheren Temperaturen im Durchschnitt begünstigt die Vermehrung der Borkenkäfer. Im letzten Jahrzehnt hat sich das Schadholz in diesem Bereich von ca. 25.000 auf 60.000 Festmeter jährlich erhöht - ein volkswirtschaftlicher Schaden von etwa zwei Millionen Euro im Jahr allein im Bezirk.
Pokorny rechnet vor: "Ein Festmeter Schadholz bedeutet rund 30 Euro weniger Erlös."

Mehr Naturnähe

Ein geringeres Schadensrisiko erreicht man durch mehr Naturnähe im Wald. "Wir wollen nicht mehr Wald, sondern den Waldzustand verbessern und ihn naturnahe erhalten. Das bedeutet, dass wir der Laubholzbewirtschaftung mehr Augenmerk schenken, um den Mischwaldanteil zu erhöhen."

Hofferne Waldbesitzer

Die Inspektion ist auch in der Beratung stark - und das ist vor allem heutzutage wichtig. "Es gibt immer mehr hofferne Waldbesitzer", so Pokorny. "Sie haben oft wenig Wissen, was für eine optimale Bewirtschaftung notwendig ist. Da beraten wir."

Wie würde Pokorny nun den Waldzustand im Forstbezirk zusammenfassen? "Der Zustand hat sich gebessert, der Wald nimmt auch flächenmäßig zu. Wünschen würde ich mir allerdings mehr Naturnähe - auch um das Schadensrisiko zu verringern. Das ist unser Ziel."


Zur Sache: Zahlen & Fakten zum Wald im Forstbezirk

>> Der Waldanteil liegt im Bezirk bei 53 Prozent (47.345 Hektar) - das ist weniger als der Landesdurchschnitt (61 Prozent), doch mehr als der Bundesdurchschnitt (47 Prozent).

>> Eigentumsverhältnisse: Von der Gesamtwaldfläche entfallen 33.000 ha auf Kleinwald (unter 200 ha) und 14.000 ha auf Betriebe (mehr als 200 ha).

>> Baumarten: Fichte (55 %), Weißkiefer (16 %), Rotbuche (15 %), Lärche (4 %), Tanne (3 %), Eiche (1 %), sonstige Laubhölzer (6 %).

>> Schadholzmengen 2015: Von rund 64.000 fm Schadholz entfielen 40.000 fm auf Borkenkäfer, 14.000 fm auf Windwurf, 2.100 fm auf Schneebruch und 7.900 auf sonstige Schäden.

>> Trotzdem: Der jährliche Holzzuwachs im Bezirk ist fast doppelt so hoch wie die genutzte Holzmenge.

>> Die Waldfläche im Bezirk nimmt zu, vor allem dort, wo der Bestand ohnehin schon hoch ist: Von 1984 bis 2012 kamen 1.140 Hektar hinzu - am meisten in Zell (136 Hektar) und Feistritz (121 Hektar).
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Renate Blatterer aus Favoriten | 16.03.2016 | 09:27   Melden
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