14.08.2016, 15:30 Uhr

Vergessenes Industrieportrait: So sah Kundl im Jahr 1900 aus

Kundl um 1900, vom Westfenster des Kirchturms aus gesehen – das Aquarell von Hans Skocek dürfte das letzte verbliebene Original des Künstlers in Kundl sein. (Foto: Haun)
KUNDL (flo). Das Gemälde stammt aus der Hand des Wieners Hans Skocek und zeigt eine ungeheuer detaillierte Ansicht von der Perspektive des westlichen Kirchturmfensters aus. Zu sehen sind unter anderem die damalige Dampfbrauerei von Johann Kirschner sowie die Traditionsgasthäuser Neuwirt und Auerwirt – auch die Wallfahrtskirche St. Leonhard und der Rattenberger Schlossberg sind klar ersichtlich.

Der unlängst um Historiker Jakob Mayer, der seit über 15 Jahren den beliebten "Kundl Seinerzeit"-Kalender herausgibt, und Christoph Sappl gegründete "Heimatverein Kundl" konnte vor kurzem ein aus dem Jahre 1900 stammendes Gemälde in den Gängen des Sandoz-Werks ausfindig machen. Dort hing es seit der Schließung der Kundler Brauerei und geriet in Vergessenheit. Das Bild wurde im Auftrag Johann Kirschners vom bekannten Wiener Maler Hans Skocek in Aquarell auf Leinwand gemalt und nun dem jungen Verein von Sandoz als Schenkung übergeben.

Es dürfte das einzige erhaltene Skocek-Original in Kundl sein, andere Exemplare gelten als verschollen. Der talentierte Maler fertigte unter anderem auch eine Ansicht der Kundler Klamm sowie der Wallfahrtskirche St. Leonhard an, die Originale sind heute unauffindbar. Skoceks Bilder wurden von der Kundler Feuerwehr ab dem Jahr 1900 in einem eigenen Verlag als Ansichtskarten vervielfältigt. Mit dem Reinerlös konnte am 1. Mai 1906 eine damals moderne Rosenbauer Abprotzspritze angeschafft werden, zu deren Bedienung nur mehr vier starke Männer benötigt wurden. Die ist sogar bis heute im Besitz der Kundler Wehr und wird auch ab und zu bei Oldtimer-Umzügen mitgeführt.

Aus den umfassenden Sammlungen der beiden Vereinsgründer sind derzeit rund 20 historische Stücke im Kundler Cafe "Lo-Ca" ausgestellt, darunter das "Gambrinus"-Gemälde nach einem Holzschnitt von Jost Ammann, das wohl kurz nach der Gründung der Brauerei Kundl im Jahre 1658 angefertigt und durch Zufall von Jakob Mayer auf einem Dachboden wiederentdeckt wurde. Weiters finden sich dort Artefakte der Kundler Brauerei aus Christoph Sappls Sammlung sowie ein historisches Postamtsschild aus der Zeit vor 1914 aus Mayers Sammlung, das früher am "Tischbergerhaus" am Mühlbachweg hing.
Die Stücke sind während den Öffnungszeiten des Cafe "Lo-Ca" zu sehen.
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