21.06.2016, 12:57 Uhr

FP kritisiert Flüchtlingsunterbringung in Kirchbichl

Sandra Priewasser und Carmen Schimanek (re.) vor dem ehemaligen Billa-Gebäude in Kirchbichl.

Fehlende Nachtruhe und kein Zaun zur Straße – GRin Sandra Priewasser und NRin Carmen Schimanek wollen Heim im ehemaligen Billa-Gebäude schließen lassen und Bewohner auf kleinere Einheiten verteilt sehen.

KIRCHBICHL (nos). "Menschenunwürdige Zustände" verortet die FPÖ in Kirchbichl, genauer gesagt in der Flüchtlingsunterbringung im ehemaligen Billa-Gebäude an der Tiroler Straße. Gemeinderätin Sandra Priewasser, seit März Obfrau im Sozial-, Jugend- und Familienausschuss von Kirchbichl, erklärt: "Derzeit leben 36 Personen in diesem Gebäude, ihr Wohnsitz lässt zu wünschen übrig." In fünf, mit Zwischenwänden getrennten aber nach oben offenenen "Kojen" sollen jeweils bis zu zehn Personen in Stockbetten schlafen. Schaltet jemand das Licht an, ist das gesamte Gebäude mit allen Wohneinheiten hell erleuchtet. "Privatsphäre gibt es hier so gut wie keine, kein Wunder, dass es hin und wieder zu kleineren Konflikten kommt", meint Priewasser. Zudem seien rund zehn Kinder in Kirchbichl untergebracht, was auch Georg Mackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH (TSD) bestätigt, wodurch sich der Lärmpegel fallweise auch nachts erhöhen würde. "Es stimmt, das Licht ist nur zentral steuerbar. Wir können hier keine Zwischendecken oder ähnliches oben einziehen, weil die Kojen keine Fenster haben und Frischluft in die Wohnbereiche kommen muss", erklärt Mackner auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER, "aber die Nachtruhe ist ab 22 Uhr gegeben".

Priewasser schildert auch, dass die TSD versucht habe, die Belegungzahl in Kirchbichl "stillschweigend zu erhöhen". Nur da die Gemeinde auf der vertraglich abgesicherten Höchstzahl von maximal 50 Personen beharrte, seien keine zusätzlichen Bewohner eingezogen. Dem widerspricht Mackner klar: "Wir haben derzeit 36 Personen in Kirchbichl untergebracht, sind also 14 Personen unter der Höchstzahl. Wenn wir von Seiten der TSD Besiedelungen vorhaben, teilen wir das der Gemeindeführung, also dem Bürgermeister und Vizebürgermeister, im Vorhinein mit."

Ebenso fordert die Gemeinde seit geraumer Zeit, dass auf dem Grundstück ein Zaun zur Tiroler Straße hin errichtet werde, um das Gefahrenpotenzial an der vielbefahrenen Straße zu senken. "Der Zaun wird in den nächsten Tagen errichtet", bestätigt Mackner, "es tut uns leid, dass wir nicht immer alles sofort bearbeiten können, wir arbeiten im ganzen Land auf Hochtouren." Er habe auch die Zusicherung des Geschäftsführers der TSD, Harald Bachmaier, dass der zugesagte Zaun bald errichtet werde.

"Es wäre sicherlich gescheiter, die Leute in kleineren Einheiten unterzubringen", meint NRin Carmen Schimanek, "in Wörgl hat man ja vergleichsweise eine Fünf-Sterne-Unterbringung mit dem 'Badl'." Priewasser ist sich sicher, dass "das alles nicht so reibungslos liefe, wenn sich nicht so viele Ehrenamtliche aus der Gemeinde im Asylwerberheim engagieren würden". Sie weiß auch um fehlende Ausweichquartiere in Kirchbichl: "Wir haben in diesem Sinne derzeit auch keine Alternativen in der Gemeinde, ich bin sehr bemüht, dass wir etwas finden." Schimanek würde sich "wünschen, dass sich Landesrätin Baur öfter einen Eindruck von der Situation vor Ort verschafft" und fordert zur Unterbringung von Schutzbedürftigen eine Aufteilung auf kleinere Quartiere: "Wenn, dann nicht in Massenunterbringungen, das ist eine Katastrophe."

Auch Georg Mackner und die TSD sind weiterhin auf der Suche: "Wir halten in Kirchbichl an der Vertragslaufzeit bis 2019 fest und suchen natürlich im Bezirk Kufstein und dem ganzen Land Tirol weiterhin nach Möglichkeiten. Wir sind an jeder Wohnungsgröße interessiert und prüfen die Machbarkeit zur Unterbringung von Asylwerbern." Zur Größe und Belegung der Wohneinheiten im Kirchbichler Billa-Gebäude meint er: "Wir halten sicherlich die Richtlinien der UNHCR (Anm.: UNO Flüchtlings-Organisation) diesbezüglich ein". Acht Quadratmeter für den ersten und vier für jeden weiteren Bewohner schreiben die Vereinten Nationen als Standard-Richtlinie zur Unterbringung von Geflüchteten vor.

Vom Pressetermin der Freiheitlichen an der Unterbringung in Kirchbichl erfuhr die TSD laut Georg Mackner übrigens aufgrund einer Presseanfrage nach erfolgter Einladung. Seines Wissens nach wurde auch die Gemeindeführung nicht darüber informiert: "Wir haben gestern dort nachgefragt, die wussten nichts."
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Katharina Gratt aus Kufstein | 21.06.2016 | 21:12   Melden
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Helmut Santer aus Kitzbühel | 22.06.2016 | 17:54   Melden
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