08.06.2016, 12:29 Uhr

"Faire Verteilung der Arbeitszeit" für mehr Chancengleichheit

Auch auf einer Baustelle der Firma Bodner in Kufstein informierten die ÖGBler über Mitgliedervorteile und ihre Arbeit. (Foto: ÖGB)

ÖGB-Regionalvorstand: Regionaler Arbeitsmarkt und EU-Entsenderichtlinie auf der Agenda

BEZIRK. Im Mittelpunkt der Regionalsitzung des ÖGB Unterland vergangene Woche standen der regionale Arbeitsmarkt sowie die EU-Entsenderichtlinie. „Obwohl die Arbeitslosenzahlen insgesamt in Tirol rückläufig sind, ist die Arbeitssuche vor allem für ältere ArbeitnehmerInnen problematisch. Eine Entspannung der Situation ist weiterhin nicht in Sicht“, resümiert der Unterland-Vorsitzende Franz Lanthaler.

Regionalsekretär Robert Wehr sieht in der EU-Entsenderichtlinie zunehmend Probleme: „Die Entsendungen haben massiv zugenommen, die Abgrenzung zu Scheinentsendungen ist sehr schwierig. Das führt unweigerlich zu Lohndumping!“. Er fordert daher sofortige Maßnahmen gegen Scheinentsendungen. Zwischen Jänner und November 2015 wurden mehr als 130.000 Arbeitskräfte nach Österreich entsandt, davon 90.000 aus Ost- und Südosteuropa.
Der Regionalvorstand sprach sich zudem für eine faire Verteilung der Arbeit aus. „Österreich gehört zu den Ländern mit den längsten Arbeitszeiten in ganz Europa, pro Jahr werden ca. 270 Millionen Überstunden geleistet. Gleichzeitig wird gefordert, dass Pensionszeiten angehoben werden. Menschen sind keine Maschinen, ausreichende Erholungsphasen sind für ArbeitnehmerInnen extrem wichtig“, begründet Lanthaler die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung. „Eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer hat ergeben, dass Vollzeitkräfte weniger arbeiten wollen, Teilzeitangestellte dagegen mehr. Die einen arbeiten bis zur Belastungsgrenze, die anderen verdienen oft zu wenig Geld zum Leben. Arbeitszeitverkürzung ist außerdem eine der wichtigsten Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit“, ergänzt Wehr. Für die beiden Gewerkschafter ist eine gerechte Verteilung der Arbeitszeit auch ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit – fast die Hälfte aller Frauen arbeitet mittlerweile Teilzeit.
Auf der Tagesordnung standen abschließend Berichte aus den Betrieben und der Austausch über aktuelle Entwicklungen.

Auf Infotour im Bezirk

Der ÖGB Tirol rief vergangene Woche auch zu einer groß angelegten Informationsveranstaltung und ist seitdem unterwegs, um Arbeitnehmer über Vorteile einer Mitgliedschaft zu informieren.
Im Bezirk Kufstein wurde die Firma Sandoz in Kundl und zwei Baustellen der Firma Bodner in Kufstein ausgewählt, um die dortigen Mitarbeiter über aktuelle Zielsetzungen des ÖGB zu informieren und ihren Fragen Rede und Antwort zu stehen. „Die Leute nahmen unser Angebot durchwegs positiv an und nutzten die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch. Gerade jetzt war es uns auch ein großes Anliegen zu verdeutlichen, dass das Urlaubsgeld nicht automatisch kommt, sondern von uns hart erkämpft ist und in jährlichen Verhandlungen bestätigt wird“, resümiert Franz Lanthaler.
Wichtig war Lanthaler zudem der Hinweis, dass die im Jänner dieses Jahres in Kraft getretene Lohnsteuersenkung von ÖGB und AK erreicht wurde. Über 882.184 Unterschriften in ganz Österreich, davon 130.00 alleine in Tirol und Vorarlberg, unterstützten vergangenes Jahr diese gemeinsame Forderung. „Bei einem durchschnittlichen Tiroler Monatsbruttoeinkommen von 2.252 Euro bleiben jährlich 919 Euro netto mehr im Börserl. Berechnungen zufolge fließt damit alleine im Jahr 2016 ein Gesamtvolumen von 294 Millionen Euro in die Tiroler Wirtschaft. Diese Summe sorgt auch im Bezirk für einen gewaltigen Wirtschaftsmotor!“, ist Lanthaler überzeugt. Der ÖGB Tirol verzeichnete zuletzt zum sechsten Mal in Folge einen Mitgliederzuwachs.
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