13.06.2016, 09:22 Uhr

Erinnerung und Mahnung - internationale Gedenkveranstaltung beim Loibltunnel

Kranzniederlegung am Tunnelportal mit Ferlachs Vizebürgermeister Christian Gamsler und Peter Kaiser (Foto: LPD/Just)

Landeshauptmann Kaiser sprach Mahn-Worte im Sinn von „Wehret den Anfängen“ und „Nie wieder“ - Nein zu Hass, Hetze und Menschenverachtung

Jedes Jahr koordiniert das Mauthausen Komitee Österreich Gedenk- und Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, sowie an Orten ehemaliger Außenlager des KZ. Dazu zählt auch die Internationale Gedenkveranstaltung an das KZ Loibl an der Kärntner Seite des Loibltunnels.

Viele Teilnehmer

Unter den vielen Teilnehmern befanden sich Zeitzeugen und Angehörige von KZ-Opfern, Vertreter von Opferverbänden aus dem In- und Ausland, Botschaftsvertreter, Ehrengäste sowie der erste Slowenische Staatspräsident Milan Kučan, Landeshauptmann Peter Kaiser und Landesrat Rolf Holub. Daniel Simon von der Botschaft der „Amicale de Mauthausen“ in Paris, Zeitzeuge Dušan Stefančič, Militärkommandant Walter Gitschtaler, Superintendent Manfred Sauer, der slowenische Botschafter Andrej Rahten, und viele weitere sind zur Gedenkveranstaltung gekommen.

Wehret den Anfängen

Peter Kaiser versteht seine Grußworte als Mahnworte und Spielt damit auf die Störaktion und Hetze an der Klagenfurter Universität an. Man dürfe nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn dort gestört werde, wo Wissen, Verständnis und Integration vermittelt werden. Viele Hass-Postings in den sozialen Netzwerken habe auch die Kärntner Wasserrettung erhalten, was laut Kaiser nicht zur Normalität werden darf. „Die Veränderung der Sprache zur Verniedlichung von Hetze und Menschenverachtung zeigt, wie notwendig Aufklärung und Mahnung sind und wie sehr der Ruf „Wehret den Anfängen“ Geltung hat“, so Kaiser.

Niemals vergessen

Es gehe darum, eine Gedenk- und Bedenkkultur gegen das Vergessen und das Verdrängen zu pflegen und Aufklärung sowie Zeitzeugentätigkeit zu übernehmen. Damit jeder verstehen kann, was durch Hetze geschehen könne. „Demokratie ist täglich neu zu lernen“, zitiert Kaiser den Philosophen Oskar Negt. Er ruft dazu auf, sich als Lehrer zu Demokratie und Menschlichkeit zu erweisen. In diesem Sinne gelten die Worte „Niemals vergessen“ und „Wehret den Anfängen“. Es sei zu jeder Zeit unsere Aufgabe, gegen extremistische Ideologien aufzutreten und für Menschlichkeit einzutreten.

Stimmungen die Menschenrechte beschneiden

Auf eine Bewusstseinsveränderung in Kärnten weist Landesrat Rolf Holub hin. Gedenken und die Gedenkkultur dürften auf keinen Fall vernachlässigt werden. Er spüre nun jedoch Stimmungen, welche die Menschenrechte beschneiden möchten.

Zeit für einen antifaschistischen Pakt

Die Frage, ob Faschismus und Nationalismus wirklich entgültig besiegt seien stellte der erste Staatspräsident Sloweniens, Milan Kučan. Dieser sagt, dass es Zeit sei, Widerstand zu leisten. Als Gegengewicht zur derzeitigen Heuchelei und Blindheit sei es Zeit für einen antifaschistischen Pakt. Die Verteidigung der Freiheit sei die Aufgabe der Politik, sowie die Sicherheit und das Eintreten für eine humane Zukunft.

Internationale Solidarität

Den Vormarsch der Rechtsextremen ortet Daniel Simon vom Amicale de Mauthausen in Paris. Er erinnert an den Schwur von KZ-Überlebenden: „Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis der Völker vertieft. Es lebe die internationale Solidarität!“. Über dem Wert der menschlichen Brüderlichkeit stehen dürfe laut Simon nichts stehen.

Menschliche Solidarität schwindet

Der Zeitzeuge und Überlebender der KZ Dachau, Natzweiler, Mauthausen/gusen, Dušan Stefančič sagt, dass Überlebende der KZ heute kaum in der Lage seien, ihren Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut fortzuführen. „Sie werden daher ihr Vermächtnis und ihren Auftrag für eine offene und tolerante Gesellschaft an die europäische Jugend weitergeben“. Dass wir in Zeiten leben, in denen die menschliche Solidarität schwindet bedauert er zutiefst.

Verbrechensort im Gedächtnis verankern

Den Tunnel, durch den heute Autos fahren mussten in der Zeit von 1943 bis 1945 viele Deportierte vieler Nationen aus dem KZ Mauthausen graben. Ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen will die alljährliche Veranstaltung damit setzen , um diesen NS-Verbrechensort stärker im Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern. Grenzen überschreiten und Generationen und Völker verbinden.
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